Path:
Periodical volume 25. Juni 1919

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1919

341
Sitzung am 25. Juni 1919
x\rf) glaube, |agcu zu können, das; unter den vielen Stabtu. Otto: Hochverehrter Herr Stadtverord­
Mitgliedern in dieser Versammlung, die Tie haben netenvorsteher! Ich danke Ihnen für die freund­
in den verflossenen Jahren kommen und gehen sehen lichen Worte, die Sie für sich und diese hohe Ver­
und mit denen Tie Gegensätze auszutragen hatten, sammlung mir zu meinem Erinnerungstage gewid­
nicht eines gewesen ist und auch nicht eines ist, das met haben. Wenn Tie davon ausgegangen sind, daß 
sich bei der Austragung solcher Gegensätze von Ihnen ich als Vertreter eines bestimmten Berufes in dem 
jemals persönlich hätte verletzt fühlen können und Anfange meiner Tätigkeit mich für besonders ver­
das daher nicht gern an das Zusammenarbeiten mit pflichtet erachtet habe, auch die Interessen gerade die­
Ihnen sowohl hier wie in den Kommissionen zurück­ ses Berufes besonders zu vertreten, so haben Sie so­
denkt. ___ fort, was ich sonst vielleicht ergänzend hätte tun 
Die Selbständigkeit Charlottenburgs wird ja in müssen, hinzugefügt, das; gerade die Interessen dieses Berufes mit den Interessen der 
absehbarer Zeit, wie es den Anschein hat, verloren­ Oeffentlichkeit und denen des allgemeinen Wohles so 
gehen. Aber, wenn auch das selbständige Charlotten­ eng verknüpft sind, das; sich kaum eine Trennung 
burg und das Wirken für die Bürger in dem eng­ vornehmen läßt. Sie haben aber besonders freund­
begrenzten Rahmen Charlottenburgs damit verloren­ lich dann anerkannt, daß ich auch im allgemeinen 
gehen wird, so darf ich doch der Hoffnung Ausdruck Interesse der Bürgerschaft tätig zu sein mich bemüht, 
geben, das; es Ihnen noch recht lange vergönnt sein habe, und ich nehme dieses Anerkenntnis aus Ihrem 
möge, öffentlich zu wirken für das Wohl Ihrer Munde m it besonderem Danke entgegen. Wenn Sie 
Mitbürger und für das Wohl der Gesamtheit. Unser daran die Hoffnung geknüpft haben, daß ich auch in 
Vaterland hat das öffentliche Wirken, das M it ­ Zukunft für die öffentliche Tätigkeit, soweit meine 
arbeiten solcher Männer in seiner gegenwärtigen Kräfte das erlauben, mich zur Verfügung stelle, so 
Lage dringend nötig. glaube ich auch, daß es mir vielleicht noch vergönnt 
sein möchte, einige Zeit in der Oeffentlichkeit zu 
(Bravo!) wirken. Ob freilich diese Tätigkeit sich dann auf 
den örtlichen Rahmen oder den von Groß-Berlin 
Oberbürgermeister Dr. Scholz: Auch ich habe erstrecken wird, das heute schon zu entscheiden, wird 
den lebhaften Wunsch, verehrter Herr Kollege Otto, sehr schwer sein, da w ir nicht wissen, wie die Ver­
sowohl persönlich als im Namen des Magistrats hältnisse sich entwickeln. Jedenfalls, Herr Vorsteher, 
Ihnen zu diesem Tage die herzlichsten Glückwünsche Ihnen und zugleich meinen verehrten Kolleginnen 
zu übermitteln. Ich habe um so mehr Veranlassung und Kollegen in dieser Versammlung den herzlichsten 
dazu, als, wie der Herr Vorsteher'schon mit Recht Dank!
betont hat, gerade Ih r  bei aller Sachlichkeit persön­ Und Ihnen, Herr Oberbürgermeister, danke ich 
lich konziliantes Wesen nicht zum geringsten dazu vor allem für die Worte, die zum Ausdruck gebracht­
beigetragen hat, die Verhandlungen nicht nur in der haben, daß ich von jeher bemüht gewesen bin, im 
Stadtverordnetenversammlung, sondern auch das Einvernehmen m it dem Magistrat nach Möglichkeit 
Verhältnis zum Magistrat so zu gestalten, wie es die Geschäfte der Stadt zu fördern. Ich darf her­
allein im Sinne einer Förderung der Sache liegt. vorheben, daß das eine durchaus richtige Kennzeich­
Sie haben immer den Grundsatz verfolgt, den auch nung ist. Von dem Gedanken ausgehend, daß beide 
ich für den richtigen halte, daß Magistrat und Stadt­ Körperschaften völlig gleichberechtigt in dem einen 
verordnetenversammlung nicht zwei Körperschaften Ziele übereinstimmen, das Wohl der Stadt zu för­
mit verschiedenen Tendenzen sind, sondern das; sie dern, habe ich mich bemüht, nach meinen schwachen 
schließlich doch immer zusammenkommen müssen in Kräften zu diesem Einklänge der Arbeit beizutragen. 
dem einen, das uns allen am Herzen liegt, in dem Für den, der lange dieser Versammlung angehört, 
Streben nach dem Wohle der Bürgerschaft. Daß das bedarf es keiner besonderen Erwähnung, daß das 
in so angenehmen Formen sich vollzogen hat und voll­ Verhältnis zwischen Magistrat und Stadtverordneten­
zieht, dafür sind w ir Ihnen im Namen des M a­ versammlung in Charlottcnburg nicht immer das 
gistrats, verehrter Herr Kollege Otto, zu besonderem beste gewesen ist. Wenn aber diese unerquickliche 
Danke verbunden. Periode schon jahrzehntelang hinter uns liegt, so 
I n  anderen Zeiten hätte man vielleicht andere glaube ich, daß es gerade den Bemühungen meiner 
Ehrungen für den heutigen Tag vorbereitet. Ich Freunde gelungen ist, jenes Einverständnis zwischen 
glaube aber, das; es Ihrem schlichten Sinne durch­ Magistrat und Stadtverordneten herbeizuführen, 
aus liegt, wenn w ir heute immer nur wieder ver­ befien w ir uns bis auf den heutigen Tag erfreuen 
sichern können, das; das tiefe und unwandelbare durften.
V e r t r a u e n  der  B ü r g e r s c h a f t ,  dessen Tie Freilich, weder die ehrenden Worte des Herrn 
sich in den ganzen 25 Jahren zu erfreuen gehabt Stadtverordnetenvorstehers noch die ebenso ehrenden 
haben, auch heute unvermindert fortbesteht. Ich Worte des Herrn Oberbürgermeisters wären heute 
glaube, das; der Ausdruck dieses Vertrauens seitens möglich, wenn nicht die Bürgerschaft der Stadt Char­
Ihrer Mitbürger Ihnen das liebste Geschenk zu lottenburg mir bis auf den heutigen Tag das Ver­
Ihrem 25 jährigen Jubiläum sein wird. trauen geschenkt hätte, ihre Interessen an dieser Stelle 
Ich hoffe und wünsche, das; Ih re  reiche Ar zu vertreten. Und dem Danke gegen den Herrn 
beitskraft, wenn auch nicht leider für unser eigenes Vorsteher und dem Tanke gegen den Herrn Ober­
Gemeinwesen, so doch in der größeren Vertretung bürgermeister und den gesamten Magistrat füge ich 
Groß-Berlins auch künftig erhalten bleibe, und ich hier ausdrücklich an einen Dank an die Bürgerschaft 
kann nur feststellen, das; w ir hier in dem engeren der Ltadt Charlottenburg. Sie hak m ir auch in 
Charlottenburg Sie immer als eine Zierde der öffent­ manchmal sehr schweren und erbitterten Wahlkämpfen 
lichen Körperschaften und als einen der besten B ür­ die -treue bewahrt in jenem Älassenparlament, das 
ger der Stadt betrachtet haben und betrachten werden. eine erste, zweite und dritte Klasse hatte, ununter­
(Bravo!) brochen für die dritte Abteilung, worauf ich besondern
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.