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Periodical volume 15. Dezember 1919

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1919

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Sitzung am 18. Juni 1919
Nun bietet tatsächlich, wie Herr Kollege Wüt ge­ sich noch bei der Karbidbeschaffung herausgestellt. 
sagt hat, eine einheitliche Durchführung des Park- M ir  ist in einem Fall berichtet worden, daß dem 
geländes leine Schwierigkeiten. Für Kinder, Betreffenden von der Stelle, von der das Karbid 
Kranke und ältere Personen ist es nicht ungefähr­ bezogen wird, gesagt wurde: Magistratskarbid ist 
lich, den Fahrdamm zu überschreiten, und so kommt nicht da, aber Sie können privatim welches bekom­
ein Tunnelbau als Verbindungsglied in erster men, das allerdings einen viel höheren Preis hat. 
Linie in Frage. Das geht nicht. Ebenso wurde mir heute wieder 
Ich möchte betonen, daß die Anlage des Volks- von einem Bäcker erzählt, daß er mit Petroleum be­
parks Lietzenlsee eine ganz vorzügliche werden wird, leuchtet, das er sich aber auch hintenherum beschaffen 
so wie sie im Plan ausgeführt ist. Sie bietet in der muß. Das sind natürlich Zustände, die für die 
neuen Form weniger Blumenbeete als einen großen Dauer unhaltbar sind. Auch die Apotheker haben 
Baumbestand, der' mehr den Wald nachahmt, und mir erklärt, daß sie unter der Gassperre sehr zu 
das ist für die Wolksgesundheit —  die Bäume ab­ leiden haben, daß sie ihre Arzneien nicht fertig 
sorbieren den Staub sehr leicht — ein ganz beson­ machen können und ihnen eine Extramenge von 
ders wichtiger Punkt. Ich möchte demnach vor­ Spiritus zugewiesen werden mußte, um diesem 
schlagen, die gesundheitliche Seite der Frage zu be­ Uebelstand abzuhelfen.
rücksichtigen: denn unser Volk braucht nach den kör­ Aber, meine Damen und Herren, auch die sämt­
perlichen uitd seelischen Erschütterungen dieses.Krie­ lichen Angestellten uNd Arbeiter leiden darunter, 
ges solche Anlagen, besonders wenn sie mit einem besonders bei dem frühen Arbeitsschluß. Sie kom­
See verbunden sind, dringend nötig. Ich bitte des­ men um 3 oder 4 Uhr nach Haus und können beim 
halb, die Summe, wenn sie vielleicht nicht so hoch besten Willen ihr Mittagessen nicht kochen.
wäre, genehmigen zu wollen, wenigstens den Punkt 
festhalten zu wollen, daß eine Verbindung beider (Zuruf: Kochkiste!)
Parktcile auch hergestellt werden muß, wie sie war.
— Auch bei der Benutzung der Kochkiste muß man 
(Die Versammlung lehnt den Antrag ab.) das Essen vorher ankochen können. —  Sie müssen 
bis M>7 Uhr warten und können datzn natürlich erst 
Vorsteher Dr. Borchardt: W ir kommen zu nach 7 Uhr essen. Das ist nicht gut. Tie Speiie- 
Punkt 21: hallen kommen fü r diese Leute auch nicht in Betracht, 
da sie ja während dieser Zeit gleichfalls geschlossen 
Antrag der Stabtu. Frank und Gen. betr. t^ssperr- sind. Eine Angestellte schreibt hier:
stunden. —  Drucksache 156. Bei Festsetzung dieser Sperrstunden ist von der 
Der Antrag lautet: zuständigen Behörde sicher nicht an das Los der­
Der Magistrat wird ersucht, die Gassperr­ jenigen gedacht, die sogenannte englische Tischzeit, 
stunden wegen der erheblichen Schädigung der d. H. durchgehende Arbeitszeit, haben. Wie viele 
gewerbetreibenden Bürgerschaft so schnell als andere bin auch ich in einem Vorort Berlins tä­
möglich aufzuheben. tig und habe keine Möglichkeit, tagsüber eine warme Mahlzeit einzunehmen. Ich komme in­
Antragsteller Stabtu. Frank: Meine Damen folgedessen zwischen 4 und 5 Uhr nach Hause, und 
und Herren! W ir leiden alle unter den Gassperr­ da ich in meinem bescheidenen Heim auf einen 
stunden, die setzt in der Zeit Don 8 bis 11 VH und von Gaskocher angewiesen bin, so muß ich trotz großen 
3 bis 61/2 Uhr fallen. W ir verlangen auch nichts Hungers bis y27 Uhr warten, um mir gleichzeitig 
Unmögliches: der Magistrat, vielleicht der Herr M ittag- und Abendessen bereiten zu können. Ich' 
Oberbürgermeister, wind uns ja erklären können, ob bin überzeugt, eine große Anzahl zurzeit hart 
das, was w ir verlangen, zurzeit möglich ist. Wenn kämpfender Frauen empfindet diesen Zustand sehr 
es aber möglich ist, dann bitten wir, _im_ Interesse bitter.
der gesamten Bürgerschaft diese Sperre so schnell wie Ich glaube, ich brauche auf die Einzelheiten 
möglich aufheben zu wollen. Die gesamte Bürger­ nicht miher'em,zugehen. Bei der heutigen Währungs­
schaft leidet darunter — das dürfte wohl jedem trotz beschränkung, die ja leider in vielen Fällen tatsäch­
der Gassperre einleuchten — , im besonderen aber lich besteht, ist es auch festgestellt, daß einzelne gar­
leiden die Gewerbetreibenden. Ich möchte nur nicht einen eigenen Kochherd haben. Bei der herr­
einige anführen, denen es z. B. fast unmöglich ist, schenden Kohlenknappheit können sich alle diese Per­
ihr Gewerbe zu betreiben. Z. B. die Plätrgeschäfte, sonen nicht anders behelfen, sondern sie sind auf 
diese leiden ganz besonders darunter; aber auch die ihren kleinen Gaskocher angewiesen, den sie aber nicht 
Barbiere und Friseure. Die letzteren schreiben mir: benutzen können, weil sie eben kein Gas haben.
Die Geschäftsinhaber sind nicht in  der Leae, Aber auch in den Fällen, wo tatsächlich das 
ihren großen Vcrpilichtunoen in bezug auf die Gas gebraucht wird, wind nichts gespart, weil die 
hohen Löhne der Angestellten und den sonsti­ Flamme so Kein brennt. Während sonst das Kochen 
gen Unkosten und Lebensbedürfnissen nachzu­ in 5 Minuten crlediat war, lassen die Frauen setzt 
kommen, wenn ihnen nicht das erforderliche das Gas eine halbe Stunde brennen.-- Eine Friseu­
Gas zum Erwärmen des Wasiers und zum rin erzählte mir, daß sie bei ihren Geschäften auch so 
Inbetriebsetzen der Haartrocknungsapparate verfahren müsse, es helfe alles nichts. Dabei können 
usw. zur Verfügung gestellt wird. w ir natürlich nichts sparen. Diese Sperrstunden 
Auch die Bäcker lei,den ganz besonders darunter, weil sind also ganz verfehlt. ®
sie die Patentöfen mit dem Gas bedienen, mit dessen Aus allen diesen Gründen bitten wir, sich un­
Hilfe sie in die Oefen hineinleuchten. Sie haben sich serem Antrag anzuschließen, und ersuchen den M a­
m it Karbidlampen behelfen müssen, die oft explo­ gistrat, dahin zu wirken, daß die Gassperrstunden 
diert sind. Auch sonstige böse Erfahrungen haben möglichst schnell aufgehoben werden.
        
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