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Periodical volume 22. Januar 1919

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1919

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Sitzung am 2 ’. Jaminr 1919
finden. Die Zahl 'der Ablehnungen ist außerordent­ und insbesondere Wählerinnen gemacht haben, daß 
lich groß gewesen. W ir sind in  her Auswahl der Lo­ eine sehr geringe Beteiligung im Verhältnis zum 
kale sehr beschrankt gewesen. vorigen Wahltage stattfinden wird. Das wäre doch 
im Interesse des Zustandekommens der preußischen 
(Zuruf.) Nationalversammlung in hohem Grade zu beklagen.
Wenn diesen meinen Wünschen Rechnung ge­
—  W ir haben Turnhallen und Schulen in weitestem tragen wird, können w ir uns, glaube ich. mit der E r­
Umfange herangezogen. Es ist außerdem dafür klärung des Magistrats zufrieden geben.
Sorge getragen, daß in Turnhallen und Schulräumen 
Nebenräume geöffnet werben, die als Wartehallen Stadtv. katzenftein: Meine Herren! Daß
benutzt wenden können. unter den jetzigen Verhältnissen die Zahl der Wahl­
Ich glaube, daß nach diesen Maßnahmen, die lokale vermehrt werden soll, ist jedenfalls zu begrüßen. 
nun getroffen find, der Wahlakt am nächsten Sonntag Für die Zukunft möchte ich aber anregen, sich viel­
glatt verlausen wird, um so mehr, als ia auch der leicht m it einem andern Verfahren zu beschäftigen, 
Wahlvorstand Uebung hat und sich der Andrang der wie ich es seinerzeit in Mainz kennen gelernt habe. 
Wähler nicht mehr auf die Vormittagsstunden, son­ Damals wählten in der Stadt von etwa 100 000 
dern gleichmäßig auf den ganzen Tag verteilen wird. Einwohnern die Wähler der ganzen Stadt in einem 
einzigen Lokal, in der allerdings riesengroßen Fest 
(Auf Antrag des Statist). Dr. Liech mann erfolgt halle, wo 22 Wahlbüros eingerichtet waren, in denen 
die Besprechung der Anfrage.) die ganze Stadt nebeneinander wählte. Eine Stunde 
nach Abschluß des Wahlaktes konnte das Ergebnis 
ctabtv. Dr. Licpniann: Meine Herren! E - ist für die ganze Stadt mitgeteilt werden. Ein solches 
mit Genugtuung anzuerkennen, daß der Herr Ver­ Lokal haben w ir nicht in Charlottenburg, unsere 
treter des Magistrats die Vornahme derartiaer Aen­ Stadt ist auch wesentlich größer. Es wäre aber sehr 
derungen für den nächsten Sonntag in Aussicht stellt, wohl möglich, für die einzelnen Stadtteile große 
daß solche unerträglichen Zustände, wie sie am vori­ Räume, sagen w ir Lchulaulen oder Turnhallen zu 
gen Sonntag geherrscht haben, nicht wieder vorkom­ verwenden, in denen dann mehrere Wahlbüros neben­
men. Es ist aber nicht allein, wie der Herr 2?er- einander eingerichtet werden könnten. Auf diese 
tret er des Magistrats hier ausgeführt hat, erforder­ Weise würden sich die Mißstände, die sich in 'den vielen 
lich, daß einige zu große Bezirke geteilt werden, kleinen Wirtschaften herausstellen, wob! vermeiden 
sondern cs ist auch meiner Ansicht nach zunächst not­ lassen.
wendig, dafür zu sorgen, daß da, wo zu gewissen (Sehr richtig!)
Stunden ein Ansturm der Wähler erfolgt — und 
ein solcher wird sich trotz aller Vorkehrungen in be­ Stadtv. Braune: Meine Herren! Zwei
stimmten Stunden ergeben, da der Andrang einmal Wünsche möchte ich hierbei zum Ausdruck bringen. 
nicht so ab- und zugeleitet werden kann, wie es, wenn Der erste wäre, daß den einzelnen Wählern die üb­
auch unvollkommen, beim Abholen der Lebensmittel lichen Karten zugesandt werden mit Angabe der 
möglich war — , diese Wähler nicht schutzlos im Nummer der Wählerliste. Das würde die Abferti­
Freien dem Wind und Wetter preisgegeben sind. Das gung bedeutend beschleunigen.
ist für viele, besonders weibliche Wähler, verhängnis­ Zweitens möchte ich empfehlen, in den größeren 
voll, namentlich bei dem jetzt herrschenden nicht allzu Wahllokalen statt einer Wahlzettelabgabe deren zwei 
guten Gesundheitszustand. Es muß vermieden wer­ einzurichten. Das würde die Abfertigung der Wäh­
den, daß Wähler, die erkältet oder sonst in ihrem Ge­ ler doppelt beschleunigen.
sundheitszustand nicht allzu fest sind, Gefahr laufen, Ich verweise auf die Uebelstände, die Herr Kol­
sich durch das Warten in der Winterlust eine ernstere lege Dr. Lievmann erwähnte. Auch vor der Turn­
Erkrankung zuzuziehen. Ich habe mit meiner Frau halle der Schule Bleibtreustr. 43 haben die Wähler 
Stunden in dem Hofe der Kaifer-Friedrich- bis zu 2 Stunden bei dem Winterwerter auf dem 
Schule vor der Turnhalle Spalier stehen müssen, wo zugigen Schulhofe anstehen müssen; sie sind mißmutig 
gerade der Wind besonders heftig um die Ecke strich. geworden, es sind Erkrankungen eingetreten. Ich 
Hier war cs leicht möglich, eine Aenderung zu treffen. möchte empfehlen, diese beiden vorerwähnten Wünsche 
Diese Turnhalle ist nämlich so groß, daß man sehr möglichst für die nächste Wahl zur Förderung reger 
wohl die Wähler, statt sic draußen warten zu lasten, Wahlbeteiligung zu berücksichtigen.
ganz »der truppweise, sagen w ir immer 900 auf ein­
mal, auf der einen Seite der Turnhalle hätte an­ Stadtv. Zietenzigcr: Meine Herren! Ich
treten und warten lassen können, um von dort aus glaube, es ist nicht ganz richtig, wenn w ir hier mit 
der Reihe nach zum Wühltisch zu gelangen. Das Durchschnittszahlen operieren. W ir können nicht 
tat man aber nicht, sondern Hunderte mußten sagen, daß die Einteilung korrekt ist. wenn im Durch­
draußen stehen und wurden durch den Frost und den schnitt jeder Wahlbezirk nur so und so viele Wähler 
Wind stark belästigt. hatte, sondern müssen die Frage prüfen, ob nicht die 
Eine zweite Bitte, die ich an den Herrn Ver­ einzelnen Wahlbezirke zu aroß sind. Wenn z. B. in 
treter des Magistrats habe, gebt dahin, doch reckst aus­ einem Wahlbezirk 2500 Wähler sind und nur 660 
giebig bekannt zu machen, nicht nur durch Veröffent­ Minuten zur Verfügung stehen, so würden im Durch­
lichung in der „Neuen Zeit", sondern auch auf an­ schnitt in jeder Minute etwa 4 Wähler abzufertigen 
dere Weise, wie etwa durch die Berliner Zeitungen, sein. Wer bei der jetzigen Wahl Erfahrungen ge­
auch vielleicht durch Anschlag, daß in  weitgehendem macht hat, muß einsehen, daß die Abfertigung von 
Maße für eine Besserung am nächsten Wahltag ge­ 4 Wählern in 'der Minute, namentlich wenn noch be­
sorgt wird. Wenn das nicht geschieht, meine Herren, sondere Legitimationsprüfungen vorzunehmen sind, 
so fürchte ich nach den Mitteilungen, die m ir Wähler ganz unmöglich ist.
        
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