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Periodical volume 18. Juni 1919

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1919

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Sitzung am 18. Juni 1919
lief) nicht, weshalb hier nun auf einmal ein ganz Charlottenburgs, ist an die Stadt herangetreten — 
neuer Weg beschritten werden soll, als ob der Reichs­ trotzdem das erst zu einem Antrage in der nächsten 
ausschuß eine höchst verdächtige Gesellschaft wäre, itzung der Stadtverordnetenversammlung gehört, 
der man nicht ein halbes Jahr über den Weg traute. sehe ich mich doch gezwungen, hier ein Dokument 
niederzulegen — , um eine Beihilfe vom Magistrat 
Ttadtv. Dr. Löwcnstein: Ich w ill deswegen zu erlangen. Als die Kommissionsmitglieder zum 
nochmal das Wort ergreifen, weil bislang der Freien Kämmerer kamen und einen Wunsch aussprachen, 
Turnerschaft und der Freien Schwimmerschaft der wurde diesem Wunsche in der jovialsten Weise Rech­
Weg zum Stadion gerade seitens der Verwaltung nung getragen, nur m it dem Unterschiede, das; die 
außergewöhnlich schwer gemacht worden ist. Ich Gelder, die bewilligt werden sollten, nicht die Freien 
weiß nicht, ob unter den veränderten Umständen — Schwimmer bekamen, sondern ein bürgerlicher 
w ir erleben heute noch so mancherlei — das Sta­ Schwimmverein, der während des Krieges die Un­
dion, wenn es erst die 5000 J( bewilligt bekommen terstützung nicht erhalten hatte. Aber das O rig i­
hat, nicht doch wiederum von neuem Schwierigkeiten nellste und Kurioseste an der Geschichte ist, daß an 
machen wird. Hin diesem allen vorzubeugen, be­ den Stadtverordneten Herrn Mickler am 13. Mai 
sonders auch bei der Höhe des Betrages, den die 1919 geschrieben wurde:
Stadt Charlottenburg im Vergleich z. B. zu Groß- Unter Bezugnahme auf Ihre Unterre­
Berlin bewilligen soll, möchten w ir von vornherein dung mit dem Herrn Kämmerer Scholtz, be­
die Sicherheit haben, daß der Reichsausschuß immer treffend Zahlung von 500 Jt Beitrag an den 
weiß: w ir werden nur dann bewilligen, wenn uns Schwimmverein von 1887, teilen w ir Ihnen 
-der Reichsausschuß den Nachweis führen kann, daß mit, daß von 1915 bis 1918 der Beitrag zwar 
er loyal in jeder Hinsicht für die Charlottenburger im Haushaltsplan geführt, aber nicht ent­
gehandelt hat. richtet werden konnte, weil in diesen Jahren 
seitens des Vereins Schwimmunterricht an 
(Zuruf.) Schulkinder, der bis zum Kriegsausbruch in 
— Das ist leider nicht selbstverständlich. Die Freie der Schwimmanstalt des Elisabeth-Regiments 
Turnerschaft und die Freie Schwimmerschaft sind stattfand, nicht erteilt worden ist. Da eine 
leider bislang sehr schlecht behandelt worden. B is Aenderung der Sachlage auch in diesem Jahre 
dahin hatten sie allerdings kein Sprachrohr, um ihre nicht zu erwarten war, hat der Magistrat be­
Wünsche hier geltendzumachen, oder sie sind viel­ schlossen, den Beitrag für 1919 im Haushalts­
leicht hier geltendgemacht worden, jedenfalls aber plan zu streichen. W ir sind deshalb nicht in 
nicht m it der Wirkung, daß sie berücksichtigt worden der Lage, dem Ersuchen um Auszahlung des­
sind. Um das zu verhüten, möchten w ir diesen Weg selben zu entsprechen.
einschlagen, der unseres Erachtens durchaus kein Damit hätten w ir ein schriftliches Dokument in Hän­
Novum ist, denn sehr viele Beihilfen und Unter­ den, daß man hier m it zweierlei Maß mißt.
stützungen für Privatunternehmen — ein solches ist 
es doch hier immerhin auch — werden von Jahr zu Meine Damen und Herren, das ist schon immer 
Jahr gegeben. Ich bemerke, daß w ir neulich erst so gewesen, wenn es sich um die sportlichen Vereini­
eine derartige Vorlage verabschiedet haben. gungen der Arbeiterschaft in Charlottenburg han­delte. Welche Kämpfe haben w ir hier führen müssen, 
Stadtrat Dr. Spiegel: Es ist zunächst nicht ganz um nur den Turnern die Turnhallen freizumachen! 
richtig, daß w ir verhältnismäßig viel zahlen, wenn I n  der bescheidensten Weise hat man dem Arbeiter­
man das mit der Leistung von Groß-Berlin ver­ turnverein eine Turnhalle zugestanden. Herr 
gleicht. Groß-Berlin zahlt allerdings nur 10 000 Stadtrat Dr. Spiegel wird sich dieser Kämpfe wohl 
Mark, jbekoknmt aber dafür nur 300 Freikarten, erinnern.
während w ir 200 für die Zahlung von 5000 
    
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