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Periodical volume 18. Juni 1919

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1919

Sitzung am 8. Jnnt 1919
Stadtv. Gebert: Die Ausführungen der letzten tett Seite dieses Hauses dem Antrage zustimmen 
Vorrednerin drängen doch dazu, etwas zu sagen. wird. Im  Ausschuß sind ja aucĥ  alle möglichen 
Wenn auf die ungeheuer schwere, außerordentlich Bedenken laut geworden, und die Frage ist reiflich 
schicksülsreiche Zeit, in der -sich unser deutsches Vater­ und eingehend hin- und herdiskutiert worden. Zum 
land befindet— in dem Sinne war es ja gemeint— , Schluß wurde von allen Ausschußmitgliedern erklärt, 
hingewiesen wotden ist, so möchte ich doch der Vor­ daß man der Vorlage in der Form. wie sie Ihnen 
rednerin sagen: es wäre praktisch gewesen, wenn die hier vorliegt, zustimmen könne. Das Stimmen­
Vorrednerin vor dem Kriege genau so gesprochen und verhältnis zeigt uns ja auch, daß die weit über­
warnend ihre Stimme echöben hätte, 'damit 'diese wiegende Mehrzahl der Ausschußmitglieder m it dem 
unglückselige Zeit nicht über uns hereingebrochen Antrage einverstanden gewesen ist.
wäre, daß sie viel nicht -vor einem Krieg gewarn Ich  mochte hierbei noch wünschen, daß der M a­
hätte. gistrat aus diesem Antrage, wenn er angenommen 
wird, die Konsequenz dahin ziehen möge, die Vor­
(Stabtu. Frau K lockow  : Vor dem Kriege haben teile dieses Beschlusses nunmehr auch den unbesol­
die Frauen nichts zu sagen gehabt!) deten Stadttäten zugutekommen zu lassen und uns 
in der Beziehung eine.Vorlage zu machen. Das ist 
Da haben Sie Hurra gerufen! der Wunsch, den ich diesem Antrage m it auf den 
Weg zu geben hätte. Im  übrigen bitte ich Sie, den 
(Rufe bei der Bürgerlichen Fraktion: Zur Sache!) Antrag wenn möglich einstimmig anzunehmen.
—  Ja, gewiß, zur Sache, meine Herren. Stadtv. Dr. Luther: Ich w ill nur einige wenige 
Es ist -dann weiter gesagt worden, daß diese Bemerkungen machen. Es ist keineswegs so, daß 
Entschädigung -den Charakter einer ehrenamtlichen ich mich auf das persönliche Gebiet begeben habe, 
Tätigkeit verwischt. Dem ist nicht so; es ist das als ich Herrn Dr. Hertz erwähnte. Herr Dr. Hertz 
keine Besoldung. Es ist das in keiner Form für ist für mich der Vertreter einer Weltanschauung, 
den Betreffenden ein Erwerb noch sonst ein Einkom­ und ebenso wie Herr Dr. Hertz für sich in Anspruch 
men, aus dem er seinen Unterhalt bestreiten kann. nimmt, als Vertreter dieser Weltanschauung hier 
Dieses Entgelt ist weiter nichts als eine Aufwands­ seine Ideen auszusprechen, halte ich mich auch für 
entschädigung, um das allernotwendigste daraus zu berechtigt, meine Weltanschauung geltend zu machen. 
bestreiten und seinen -Verpflichtungen gegenüber der Aus dieser Weltanschauung heraus erkläre ich noch­
Stadtverwaltung, die aus seiner Tätigkeit entstehen, mals, daß w ir ein Ehrenamt bezahlter A rt nicht 
nachkommen zu können. Der Kollegin, die hier so anerkennen können.
warm für Sparsamkeit eingetreten ist, möchte ich 
nur das eine mit auf den Weg geben: wenn Sie nur Herr Dr. Hertz hat als Vertreter dieser Welt­
ein Jahr Ih re  Tätigkeit ausüben, werden Sie fest­ anschauung davon (gesprochen, daß die Interessen 
stellen müssen, daß Sie ein ungeheures finanzielles der Stadt bester gewahrt werden, wenn eine Be­
Opfer im Interesse der Stadt zu bringen haben, für zahlung eintritt. Er hat das aber im Gegensatz zu 
das diese Aufwandsentschädigung in keiner Weise damals m it der Notlage und der Arbeitsleistung 
einen Ausgleich Ih re r persönlichen Ausgaben dar­ der Arbeiterklasse begründet. Ich bin der Meinung, 
stellt. Das ist eine altbekannte Tatsache, und gerade daß w ir im Interesse der Allgemeinheit, von 'der er 
diejenigen Kollegen, die jahrzehntelang in diesem damals gesprochen hat, jetzt zu alleräußerster Spar- 
Hause gesessen haben, werden mir ohne weiteres zu­ -arnkeit absolut verpflichtet sind. Es wird auf allen 
geben müssen, daß nach der Richtung meine Auf­ Seiten, auch auf der Seite, zu der Sie dort drüben 
fassung wohl stimmt. W ir werden nach wie vor gehören, in öffentlichen Tagungen 'immer wieder 
unsere Tätigkeit als ehrenamtlich betrachten und mit aller Energie gesagt: es muß endlich einmal 
ehrenamtlich ausüben. Ja, ich gehe sogar noch wei­ in Deutschland aufhören, daß alles zu einem Ge­
ter: durch diese Entschädigung werden die einzelnen genstand des Lohnes und der Bezahlung gemacht 
Kollegen und Kolleginnen noch viel eher in der Lage wird. Hier haben w ir ein Beispiel, wo w ir einmal 
sein, ihr Amt auszuüben, ja sogar viel leichter, und zeigen können, daß w ir bei allen großen persön­lichen Opfern doch bereit sind, aus Rücksicht auf 
das liegt durchaus im Interesse der Stadt selbst. So die Schwere unserer Zeit auf eine persönliche Be­
mochte ich bitten, das aufzufassen; die ehrenamtliche zahlung zu verzichten, und ich würde mich freuen, 
Tätigkeit wird durch diese Aufwandsentschädigung in 
keiner Weise berührt. wenn die Herren die Güte hätten, m it m ir im all­gemeinen vaterländischen Interesse diesen Stand­
Wenn nun Herr Kollege Dr. Luther glaubte, sich punkt einzunehmen. Ich gebe gern zu, daß das 
gegen Herrn Kollegen Dr. Hertz wenden zu müssen, Amt des Stadtverordneten Opfer verlangt. Aber. 
so möchte ich sagen: wenn Herr Kollege Dr. Hertz in meine Damen und Herren, w ir alle, die w ir länger 
der erwähnten Sitzung, als die Uhr (41 zeigte, dar­ ehrenamtlich tätig sind, wissen ganz genau, daß 
auf hingewiesen hat, man solle doch im Interesse der w ir unzählige Opfer gebracht haben, viel mehr als 
Stadt solange warten, bis die Tagesordnung er­ mancher Herr, der neu in ein Ehrenamt eingetreten 
ledigt sei, so muß man doch in Betracht ziehen, daß ist. Das hat uns niemals abgehalten, trotzdem 
die Tätigkeit, die der einzelne Stadtverordnete aus­ immer diesen Idealismus zu verteidigen und zu 
übt, nicht 8 Stunden, nicht 9, sondern 14 Stunden verkörpern. Aus dieser idealistischen Weltanschau­
in Anspruch nimmt, denn Sie dürfen nicht vergessen, ung heraus habe ich und mußte ich meinen Gegen­
daß seine Arbeitskraft auch noch für die Erledigung satz geltend machen.
seiner persönlichen Aufgaben in Anspruch genommen 
wird. So liegt nach meinem Dafürhalten die Dache, Stadtv. Dr. Löwenstein: Ich möchte zunächst 
und ich glaube, ich kann wohl sagen, daß die Mehr­ Frau Kollegin Klockow antworten, daß w ir in die 
heit der Stadtverordneten -mit Ausnahme der tröst Stadtverordnetenversammlung hineingekommen
        
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