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Periodical volume 22. Januar 1919

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1919

Eitzung am 22. Januar 1919
spekior im Hauptamte. Nach mei. cm Dafürhalten die Stimmbezirke viel zu groß waren, so daß es sehr 
muß aber in jeder amtlichen Organisation der vor­ schwierig war, bei der unendlichen Fülle der Wähler 
nehmste Träger des Amtes int Haup amte angestellt zur rechten Zeit, nämlich bis abends um 8 Uhr, mit 
sein, während ihm Gehilfen kommisiat ich beigegeben der Abfertigung der Wählermassen fertig zu werden. 
werden können. Also auch von diesem Gesichtspunkt Weiter ergaben sich auch noch Mängel in der Auf­
aus müßte der Direktor bewilligt werdn und nicht stellung der Liste, namentlich dadurch, daß das A l­
'der Inspektor. phabet nicht richtig innegehalten war und daß die 
Nachträge — wofür freilich der Magistrat nichts kann 
Berichterstatter Stadtv. Dr. Stadthag. n (Schluß­ —  einen ungeheuren Umfang angenommen hatten. 
wort): Meine Herren! Der Antrag Wag.ier ist auch Alles dies hatte sehr viele Mißstände zur Folge, die 
int A sschussc gestellt worden. Man hat -agegen ein- zu begreiflichem Unwillen der Bevölkerung führten.
gewan t, daß es bei einem derartige: technischen 
Unternehmen viel wichtiger sei, eine vol ' Inspektor- (Zustimmung.)
kraft zu haben als einen Direktor. S o llt ' sich der I n ­
spektor i  -währen, so ist der Magistrat immer in der Insbesondere stellten sich diese Mißstände in dem 
Lage, ihi,: den Titel Direktor nach r> Jahren, oder W a h l l o k a l  Ma r c h  st r. N r .  23 heraus, wo ich 
wann er a ll, zu geben, wie das .a anderen Ver­ die Ehre und das etivas zweifelhafte Vergnügen hatte, 
waltungen a. h der Fall gewe'- . ist. Wahlvorsteher zu sein. Dort wurde all das, was ich 
Wenn der " r r r  ..icister einen Vergleich eben geschildert hatte, durch den Umstand noch er­
mit den heutigen Lögnen zieht, so möchte ich doch heblich erschwert, daß die Insassen von nicht weniger 
davor dringend warnen', denn dann muß er diesen als drei großen Reservelazaretten mitwählen mußten. 
Vergleich bei allen Beamten ziehen. Der Vergleich Die ungeheuer große Zahl der Wähler von 2500 Per­
hinkt vollkommen. Darüber sind w ir uns klar — sonen konnte nicht abgefertigt werden, weil fortwäh­
das sage ich ganz offen — , daß alle Beamtengehälter rend in  das Wahllokal durch einen Nebeneingang 
gelegentlich erhöht werden müssen; es geht unmög­ Tragbahren m it kranken Soldaten hereingebracht wur­
lich an. daß sie so bleiben, wie sie jetzt sind. Aber den und außerdem Hunderte von Soldaten auf 
w ir können nicht einem Beamten, der jetzt angenom­ Krücken hereinkamen: und gerade bei der Abfertigung 
men werden soll, deswegen eine höhere Stelle geben, dieser Soldaten stellte sich heraus, daß sie sehr mangel­
weil w ir den Vergleich mit den Arbeiterlöhnen ziehen haft in die Wählerliste aufgenommen waren. Man 
müssen. kann sagen, daß fast jeder Soldat 5 Minuten min­
Ich bitte Sie also, dem Antrage des Ausschusses destens zur Abfertigung brauchte. Sehr viele Sol- 
beizustimmen und den verlesenen Ausschußantrag an­ daten-Wähler waren in der Liste nicht zu finden, sie 
zunehmen. mußten unverrichteter Sache wieder abgehen. Nun 
war es doch begreiflich, daß aus menschlichen Gründen, 
(Die Versammlung beschließt entsprechend dem um die armen zerschossenen Soldaten nach Möglich­
Antrage Wagner, wie folgt: keit zuerst heranzunehmen, der Wahlvorsteher dem 
Ersuchen des Führers der Soldaten entsprechen tnußfe, 
Der Neuschaffung folgender Beamtenstellen: diese Leute zuerst abzufertigen. Daraus ergab sich, 
a) eines Direktors der Müllabfuhr Klasse daß stundenlang das Zivilpublikum fast gar nicht zur 
F I I  c, Abgabe der Stimmen kam, und das hatte einen immer 
b) eines Verwalters des Müllabladeplatzes mehr gesteigerten Unwillen des Publikums zur Folge, 
Klasse F I I I  b des Normalbesodungsplaus der sich zum Teil in heftigen Ausdrücken gegenüber 
vom 1. Januar 1919 ab wird zugestimmt. dem ganz unschuldigen Wahlvorsteher und den Wahl- 
beisitzern entlud. Die Zustände waren bei dem Men­
Der für das Rechnungsjahr 1918 erforderliche schenandrang in dem engen Lokal derart fürchterlich, 
Betrag ist aus laufenden M itte ln zu ent­ daß viele Ohnmachtsanfälle in dem Lokal und auf 
nehmen.) der Straße vorkamen. Viele Wähler haben 4 bis 
5 Stunden warten müssen, bis ihnen die Ausübung 
Borstcher-Stcllv. Dr. Borchardt: Bevor wir ihres Wahlrechts möglich war. Dazu kam, daß sich 
weitergehen, möchte ich zur Information derjenigen Hunderte von Wählern, nachdem sie eingesehen 
Herren, die dem Ausschüsse für Beratung der Vor­ hatten, daß sie unmöglich zum Wahllokal vorrücken 
lage über die Erhöhung der Gaspreise angehören, m it­ konnten, entfernt und sich dadurch selbst ihres Wahl­
teilen, daß dieser Ausschuß am nächsten Montag um rechts beraubt haben. Ich muß gestehen, meine 
6 llh r zusammentreten soll. Herren, daß mir wenigstens dieses Sichentfernen der 
W ir kommen nun zu der eingangs der Sitzung Wählerschaft sogar eine gewisse Beruhigung gebracht 
mitgeteilten hat. Denn nach Lage der Dinge mußte ich damit 
X rechnen, daß ich mit den Hunderten und aber Hunder­
Anfrage der Stadtv. Erdmannsdörfcr und Gen. betr. ten von Wählern, die sich aufgestaut hatten, bis zum 
Abhilfe von Mißständen bei den Wahlen. Schlüsse der Wahl um 8 Uhr nicht fertig werden würde, 
und die Szene, die sich dann abgespielt hätte, wenn 
Fragesteller Stadtv. Erdmannsdörffer: Meine Hunderte von Leuten ihr Wahlrecht nicht hätten aus­
Herren! Am vergangenen Sonntag strömte die Be­ üben können, mögen Sie sich selbst ausmalen. Gott 
völkerung zu den Wahlurnen, um das Wahlrecht zur sei Dank stand ich ja unter dem Schuhe von M ilitä r.
deutschen Nationalversammlung auszuüben. Der 
Ausübung dieses Rechtes stellten sich aber hier in (Heiterkeit.)
Charlottenburg vielfach e r h eb l i c h e  H i n d e r ­
n i s s e  in den Weg. Es ergab sich, daß eine große Meine Herren, es ist notwendig, daß hier A b ­
Anzahl der Lokale ungenügend groß war, so daß eine h i l f e  ges c h i eh t ,  und diese Abhilfe müßte, 
Stauung der Wählerschaft stattfand, vielfach bis weit glaube ich, nach folgenden Richtungen erfolgen: erstens, 
auf die Straße hinaus. Ferner stellte sich heraus, daß die zu großen Bezirke müssen a u s e i n  a n d e r g e -
        
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