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Periodical volume 14. Mai 1919

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1919

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Sitzung am 14. Mai 1919
—  T ie  Gemeindeschule liegt ungefähr in der M itte  Bevor w ir fortfahren, teile ich m it, daß das 
des Bezirks, zu dem bestimmte Straßen gehören. T ie Protokoll der heutigen Sitzung vollziehen die Stadt 
Minder haben ringe sah r 5 bis 7 M inuten bis zur verordneten Heidrich, Heilmann und Heise.
Schule.
W ir kommen zu Punkt 14:
Erneuter Widerspruch und Zuruf: % Stunde!)
Antrag der Stadtv. Blum und Ge», betr. städtische 
—  Ich lese doch die Bezirke immer, jedes halbe Jahr Angestellte. —  Drucksache 100.
fliehen sie in der Zeitung; inan bann sich überzeugen, 
welche Straßen zu den Schulbezirken gehören, und Ter Antrag lautet:
kann sich darüber orientieren, ob das weit ist.oder 
nicht. Die Stadtverordnetenversammlung absucht 
den Magistrat, alle -diejenigen Angestellten und 
(Unruhe und Widerspruch.). Beamten beiderlei Geschlechts aus städtischen 
Diensten zu entlassen, soweit diese ihre Tätig­
Ganz anders ist cs bei den höheren Schulen. keit nur als Nebenbeschäftigung resp. Neben­
T ie  Eltern schicken ihre Minder nach der Schule, die erwerb betrachten.
ihnen gerade genehm scheint. Z. B . gehen von I n  die freiwerdenden Stellen find A r­
Westend Mirabell nach der Kaiserin-Augitsta-Schulc beitslose und in erster Linie Mriegsverletzte 
und nach der Schule in der Wormser Straße; andere einzustellen.
fahren auch nach Berlin  zum Französischen Gymna­
sium. Das sind so weite Wege, oaß man sie nicht in Antragsteller Stadtv. Horlitz: Meine Tarnen
kurzer Zeit machen kann. Daher kann die Schule und Herren! W ir haben eine große Reihe Arbeits­
nicht schon um 7 Uhr anfangen, und der Schulbeginn loser, und unter den Kriegsbeschädigten sind eine 
muß später gelegt werden. Reihe von Leuten nicht beschäftigt. Sie wissen, wie 
S o erkläre ich m ir den Unterschied für den notwendig es ist, daß gerade die Krilegsbelschädigten 
Schulanfang in den höheren und den Gemeinde- wieder eine Beschäftigung erhalten, die sie irdisch 
schulen. Ich habe das auch in meiner eigenen Schule aufrichtet. Ich w ill mich darüber nicht weiter ver 
durchgemacht. Ich habe zuerst um 7 Uhr angefangen. breiten. Nun bedauern w ir, 'daß innerhalb unserer 
Nachdem ich die Wichtfortbildungsschule übernom­ Stadtverwaltung noch eine ganze Anzahl Stellen mit 
men hatte, ließ sich dieser frühe Schulanfang nicht Leuten besetzt sind, die 'sich in guten sozialen Verhält­
aufrecht erhalten. Es kamen Mädchen aus Cöpenick, nissen befinden und infolgedessen nicht unbedingt 
aus Potsdam, aus dem Norden von Berlin, es waren auf eine Beschäftigung bei der Stadt angewiesen 
weite Wege zu machen. Infolgedessen mußte der find. Das Hilfsdienstgesetz hat ja damals die Stadt­
Schulanfang verlegt werden und ist auch auf 8 Uhr verwaltung gezwungen, eine ganze Reihe Rentner 
verlegt worden. einzustellen. Leute, die gut situiert sind. Dieser 
Zwang tr if f t  heute nicht mehr zu, und w ir sind des­
Antragsteller Stadtv. Blum (Schlußwort): Ich halb der Ansicht, daß diese Leute Ulster allen Um­
bin m it der Uederweisung des Antrags an die Tchul- ständen ihre Stellungen räumen und Arbeitslosen 
depntalion einverstanden, und zwar schon deshalb, und Kriegsbeschädigten Platz machen müssen. Es 
weit uns ein scheinend kein anderer Weg übrig bleibt, war m ir besonders sympathisch, heute bei einer andern 
der fü r uns praktisch gangbar Wäre. Ich bin auch Gelegenheit vom Herrn Oberbürgermeister zu hören, 
darum damit einverstanden, w eil 'die nächste Schul- daß er auch fü r die Kriegsbeschädigten ein sehr 
depurationssitzung bereits kommenden Dienstag tagt warmes Herz hat und auf dem Standpunkt steht, 
und die Gefahr der Verschleppung oder Verzögerung daß zunächst die Kriegsbeschädigten untergebracht 
dieser sehr wichtigen Angelegenheit nickst besteht. weiden müssen.
Ich hätte allerdings mancherlei Veranlassung, Meine Damen und Herren, uns ist bekannt ^ge­
noch auf die sachlichen Einwände gegen unseren An worden, daß sich im  Dienste der Stadt sogar Leute 
trag einzugehen, sowohl auf das, was der Herr L täg l­ befinden, die Hausbesitzer sind. Ich w ill damit nicht 
ich ul rat, als auch auf das, was die Frau Borredne­ gesagt haben, daß die Hausbesitzer unter allen Um­
rin  gesagt hat. M it  Rücksicht auf die vorgerückte Zeit ständen auf Rosen gebettet sind und keine gewinn- 
und auf die Wünsche, die hier geäußert worden sind, bringende Beschäftigung nebenbei mehr anzunehmen 
möchte ick von weiteren Ausführungen Abstand gezwungen sind. Aber ich meine, bei der großen 
nehmen. W ir haben- ja in der nächsten Schuldeputa- stahl von Arbeitslosen und Kriegsbeschädigten kämen 
tionssitzung hinreichend Gelegenheit, die innere Be­ die Hausbesitzer doch erst in allerletzter L inie fü r eine 
rechtigung unseres Antrages nach allen Richtungen Stellung innerhalb der Stadtverwaltung in Frage. 
zu beleuchten und dort den Beweis zu erbringen, Ich w ill, gerade weil ich die Tätigkeit der Hausbe­
daß der 8-Nhr-Anfang eine dringende Notwendigkeit sitzer hier hervorgehoben habe, darauf hinweisen, daß 
der jetzigen Zeit ist. einige Hausbesitzer im Obern hau ic sogar die Tä tig ­
keit eines Logenschließers nicht verschmähen. Nach 
Vorsteher Dr. Bcrcharbt: Der Antragsteller hat den Berichten, die m ir zugegangen sind, sind zurzeit 
den Antrag dahin abgeändert: 4 oder 5 Hausbesitzer im Charlottenburger Opern­
haus als Logenschließer tätig. Sofern der Magistrat 
Die Stadtverordnetenversammlung wolle irgendeinen Einfluß- auf die Verwaltung des Opern­
beschließen, den Magistrat zu ersuchen, alsbald hauses hat. möchte ich doch dringend bitten, diesen 
erneut in eine Prüfung der Frage der E infüh­ Einfluß auszuüben und dafür zu sorgen, daß eine 
rung des allgemeinen 8-Uhr-Schulbeginns ein­ Aenderung ein tritt.
zutreten. Ich glaube, ich brauche nichts mehr zur Begrün­
(Die Versammlung beschließt demgemäß.) dung meines Antrags zu sagen. Ich hoffe, daß der
        
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