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Periodical volume 14. Mai 1919

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1919

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Sitzung am 14. Mai 1818
smb vor dem Sriefle nicht bekanntgewovden. Ich bin liegenden Antrag mit der Einschränkung zustimmen, 
nuch nicht davon überzeugt, daß die Verhältnisse sich daß er zur weiteren Bearbeitung zunächst der Schul- 
inzwischen derartig geändert haben sollten, daß diese Deputation übergeben werde.
Bestimmung nun nicht mehr zweckmäßig ist. Wohl 
aber bin ich bereit, da Zweite! laut geworden sind, Stadtv. Dr. Luther: Nach den letzten Worten
in eine neue Prüfung der Angelegenheit einzutreten, von Fräulein Reinold erübrigt sich das, was ich
insbesondere will ich auch den Schulärzten nochmals sagen wollie, und bei der vorgeschrittenen Zeit ver­
Gelegenheit geben, sich zur Sache zu äußern. Ich zichte ich darauf, aus die Gründe und Gegengründe 
nehme an, Laß w ir alDc auf demselben Standpunkt einzugehen. Die Ausführungen des Herrn Stadt­
stehen, es muß alles geschehen, daß die Minder den schulrats haben mich aber noch mehr, als ich das schon 
nötigen Schulunterricht haben, daß womöglich an vorher war. davon überzeugt, daß die ganze Materie 
dem planmäßigen Unterricht nichts gekürzt wird. außerordentlich schwierig ist, und ich würde es be­
Tann muß aber in denjenigen Klassen, in denen dauern. wenn w ir hier zu einem Entschluß kämen. 
5 Stunden Unterricht erteilt werden, die fünfte Ich schließe mich den Ausführungen von Fräulein 
Stunde entweder früh momeus von 7 bis 8 Uhr Reinold an, daß die ganze Frage zur näheren E r­
oder mittags von 12 bis 1 Uhr gelegt werden. Was örterung zunächst in die Tchuldeputation kommt.
ist nun das Bessere oder —  wie der Herr Vorredner 
vielleicht lieber fragen w ird —  was ist das weniger Stadtv. Dr. Löwenstein: Auch an mich sind aus
Ungünstige? Es wird ohne weiteres zuzugeben sein, den Kreisen der Elternschaft sowohl als der Lehrer­
daß es den Eltern manchmal schwer wird, das KinÄ schaft verschiedene Klagen gekommen. Ich würde 
schon um 7 Uhr in Lie Schule zu schaffen, und dem einen gleichen Antrag, wie ihn Herr Kollege Blum ge­
Minde, so früh in der Schule zu sein- Aber es ist stellt hat, hier auch eingebracht haben, wenn mich nicht 
doch eine sehr viel mißlichere Sache, des Sommers dieselben Bedenken, die der Herr Stadtschulrat ge­
in der Mittagshitze in  einer gefüllten Mlaste die äußert hat, davon zurückgehalten hätten. Ich hatte 
fünfte Unterrichtsstunde entgegennehmen und dabei die Absicht, dieselbe Sache in der Schuldeputation 
noch geistig frisch sein zu sollen. Ich persönlich meine ausführlich zur Sprache zu bringen.
— und ich habe Loch lange Zeit als Schüler wie als 
Lehrer Beobachtungen gemacht — , daß im allgemei­ Die Ausführungen des Herrn Stadtschulrats 
nen im Sommer der Unterricht von 7 bis 8 Uhr zwingen mich, noch auf etwas aufmerksam zu machen, 
vor dem von 12 bis 1 Uhr den Vorzug verdient. was er doch so stillschweigend übergangen hat und was durchaus nicht als Kleinigkeit übersehen werden 
Bezüglich der kleineren Minder wird man ja darf, sondern immer wieder hervorgehoben werden 
ohne weiteres den Wünschen des Herrn Vorredners sollte, daß nämlich die höheren Schulen anders be­
nachgeben können. Hier handelt es sich um Minder, handelt werden als die Gemeindeschulen. Das er­
die an einem Tage weniger als 5 Stunden Unter­ regt —- und nicht ganz unberechtigterweise —  das 
richt haben. Es ist hier ein Entgegenkommen gegen­ Mißtrauen, daß man den Gemeindeschülern etwas 
über dien Wünschen des Herrn Vorredners wohl mög­ zumuten will, was man den höheren Schülern nicht 
lich. Tie Schuldepulation wird nächsten Dienstag zumutet. Denn der fünfstündige Unterricht trifft für 
tagen, und dabei soll ihr auch diese Frage vorgelegt die höheren Schulen genau in derselben Weise zu wie 
werden. bei den Gemeindeschulen, und das wird nicht dadurch 
Ich möchte deshalb den Herrn Vorredner bitten, aus der Welt gsschafst, Idaß man nur die ersten 
doch einstweilen abzuwarten, was die Schuldeputa- Jahrgänge der Genieindeschulen erst um 8 Uhr an­
lion, die doch in dieser Beziehung sachverständig ist., fangen läßt, während die anderen um 7 Uhr be­
dazu sagt. ginnen.
I n  einem Briefe wurde außerdem auch noch 
Stadtv. Fränkin Reinold: Der Herr Antrag­ darauf hingewiesen, daß sehr häufig durch den ver­
steller hat den Antrag in so ausführlicher Weise be­ schiedenen Anfang der höheren und der Gemeinde» 
gründet, daß nur noch wenige Worte zu sagen bleiben. 
W ir werden stets .dafür'eintreten, den Schülern in schulen gleichsam eine Kollision in den Familien her­vorgerufen wird, in denen ein Teil der Kinder die 
der Schule Erleichterungen zu verschaffen, soweit nicht höhere, ein anderer Teil die Gemeindeichule besucht. 
der Schul bet rieb und die Schulleisiung darunter lei­
den. Ich kann mir aber trotz der Ausführungen des Ein gemeinschaftliches Mittagessen ist bei dem ver­schiedenen Schulanfang und der dadurch hervorgerufe­
Herrn Stadtschulrats nicht denken, daß die Schulten nen verschiedenen Beendigung des Unterichts un­
stungei! schlechter würden, wenn wir den Schulunter­
richt von 8 bis 1 Uhr statt von 7 bis 12 Uhr er­ möglich gemacht, und gerade' diese Kreist wünschen 
teilten. Daher würde ich mich freuen, wenn w ir den ausdrücklich, daß ein Gleiches für die höheren wie 
körperlich geschwächten Mindern — und das sind jetzt für die Gemeindeschulen gilt.
leider alle Großstadrkinder — durch den späteren I n  der Frage selbst ist der Standpunkt des 
Schulanfang eine Stunde mehr Schlaf verschaffen Herrn Stadtschulrats, daß der Morgenunterricht 
könnten. Selbstverständlich erwarten wir, daß die wegen der Frische der Kinder und nach dem S w  
Lernanfänger dann auch eine Stunde später begin­ wort, daß Morgenstunde Gold im Munde habe, vor 
nen, daß der Unterricht bei dieien dann also erst um zuziehen sei, glaube ich. nicht mehr gerechtfertigt. Ich 
9 Uhr beginnt. Durch den einheitlichen Schulanfang berufe mich da auf Untersuchungen, Me von Schul- 
würden die Wünsche weiter Kreise der Lehrerschaft hpgienikern gemacht worden sind. Ich denke vor 
in Erfüllung gehen, deren begreifliches Bestreben da­ allen Dingen an Baginskv in Berlin. Schrnidt-Mon- 
hin geht, daß sich der Schulbetrieb einheitlicher und nard in .Halle und Kemsies in München, die alle dar­
ruhiger gestalten möge und die Schulleistmng allmäh­ auf hingewiesen haben, daß für die städtischen Ver­
lich wieder mehr zu der Höhe kommt, die w ir vor hältniße, vor allen Dingen in den industriellen Groß­
dem Kriege gehabt haben. W ir werden dem vor­ städten, 4sie Dinge etwas anders liegen. Dort hat
        
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