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Periodical volume 14. Mai 1919

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1919

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Sitzung am 14. M ai 1919
der Friedeusbedin-gungen a ls  notleidende vertriebene D er  A ntrag  lau tet:
Deutsche gelten, doch im wesentlichen eine S t a a t s a u f ­
gabe ist. E s  heisst von einer einzelnen Gemeinde D ie  S tad tverordnetenversam m lung ersucht 
oder überhaupt von den Gemeinden zu viel zu ver­ den M agis tra t ,  ein städtisches Nachtwach- und 
langen. wenn man glaubt, daß sie für diese zahl­ Schließwesen einzurichten.
reichen Personen ausreichend sorgen können. I m m e r ­
hin, w ir  sind dam it  einverstanden, wenn vor M a -  1 Antragsteller S tad tv .  Skaller: M eine  D am en  
gistrat nach den G r u n d s ä t z e n  verfährt, die der u n d  H erren! D a ß  in  der Z e i t  eines Krieges, in  dev 
H err  Oberbürgermeister hier auseinandergesetzt hat, die -schlechten Inst inkte  Gelegenheit haben, sich so w eit  
nämlich daß die Fürsorge für die vertriebenen w'ie möglich auszubilden, i n  der die Gegensätze 
Deutschen erst nach der Fürsorge für die Kriegsbe­ .zwischen M e in  und D e in  sich veiwisckM und selbst 
schädigten einzusetzen hat. D a s  darf natürlich nicht die höchsten Gebote wie „ D u  sollst nicht tö te n !"  a u f  
so aufgefaßt werden, a ls  ob d a s  in jedem Falle  ge­ den Kopf gestellt werden, nicht erwartet werden bann, 
schehen muß, sondern es kann n u r  a l l g e m e i n e  daß die Unsicherheit in  S t a d t  und Land abnim m t, 
N i cf> t i ch n u  r des H and e lns  sein. W ir  sind der w i r d ' wohl kaum bestritten werden. D aß  nach 
M einung , daß die Kriegsbeschädigten, besonders die­ einem Kriege, der sich fast fünf J a h r e  hingezogen 
jenigen, die in Charlottenburg oder in G roß -B erlin  ifW, Vas i n  besonders «erhöhtem M a ß e  der  F a ll  ist, 
seit langem ihren Wohnsitz haben, in allererster Linie u t S  daß  es in noch stärkerem M aß e  au ftre ten  mußte 
Anspruch au f  die Versorgung durch die S t a d t  und nach einem verlorengegangenen Kriege, bei dem w ir  wirtschafliiich völlig ru in ie r t  sind, w a r  zu e rw arten . 
die Hilfe der S t a d t  bei der Beschaffung von A rbe its ­ •Ick) muß sagen, daß ich persönlich sogar e twas a n ­
gelegenheiten besitzen. genehm enttäuscht bin. Nach den Voraussetzungen, 
Ich möchte aber auch nicht unterlassen, auf eine d ie  hier vorlägen, mußte m an  erwarten, daß in  noch 
G e f a h r  aufmerksam zu machen, die entstehen toeiit größerem M aße , a l s  es der Fa ll  war, die per­
würde, weint jetzt in größerem Umfange nach dem sönliche Unsicherheit Platz greifen würde. Ich  glaube, 
A ntrage verfahren würde. Nach meiner Ueber- daß  die gesetzlichen M aß n ahm en , die gegen d ie  S t e l ­
euguug würde dadurch eine Erschwerung der ohne­ lungslosigkeit ergriffen worden sind, ein gu t T e i l  
dies sehr ' drückenden W o h n u n g s n o t  eintreten, d a r a n  schuld sind, daß die Befürchtungen nicht in so 
die w i r  keineswegs irgendwie zu fördern haben. I m  hohem M aße , Wie e s  vielfach angenommen wurde, 
Gegenteil, in einem Augenblick, in  'dem wir die zur T a t  geworden sind. Trotzdem lä ß t  sich nicht 
allergrößten Schwierigkeiten haben, der bereits hier leugnen, daß  speziell i n  der  Großstadt d ie  Unsicher­
wohnenden Bevölkerung überhaupt W ohn ungs­ heit außerordentlich zugenommen hat.
gelegenheit zu verschaffen —  die zudem in sehr vielen W en n  w ir  nun prüfen, w as  bisher geschehen ist 
'.Fällen noch außoioidentlich mangelhaft ist — , und w as  geschehen kai'u, um dieser Unsicherheit ein 
müssen w ir  alles tun, um den Z u z u g  weiterer B e ­ Gegengewicht zu bieten, so m uß ich sagen, daß das 
wohner zu verhindern. Ic h  wünsche keine M a ß ­ recht wenig ist. Schon 'in früheren  Zeinen, wo wir 
nahmen, wie sie eine Reihe von Großstädten  getroffen n u r  auf d ie  Hilfe der Po l ize i  angewiesen w aren , hat 
hat, daß eine Absperrung des Zuzuges durch eine diese vielfach versagt. D a ß  d a s  w ährend  des Krieges 
Po lizeivcrordnung erfolgt. Ich  glaube, es genügt, in steigendem M aß e  w ah rzu n eh m en 'war, ist Tatsache. 
wenn w ir  M aß n ah m en  u n t e r l a s s e n ,  die den W i r  haben zu untersuchen, ob nicht die S t a b t  die 
Zuzug fördern, besonders auch deshalb, weil gegen­ -Verpflichtung ha t ,  -dafür zu sorgen, daß in weit 
wärtig  eine großzügige Aktion eingesetzt hat, G roß- höherem M äße , a l s  -es b i s  jetzt der Fall  ist, diese 
B erl in  zu entvölkern. E ine  M aßnahm e , die die b is ­ -Sicherheit geboten w ird.
herigen Absichten durchkreuzen würde, kann doch wohl W enn ich von einer Sicherheit spreche, jo kommt 
kaum im Interesse -unserer S t a d t  liegen. in erster Linie  in  F rage  die Sicherheit  fü r  Leben und 
Wie gesagt, den Zweck, die guten -Absichten -Gesundheit. S i e  weiden häufig gelesen haben, daß  
dieses A n tra g s  unterstützen w ir  vollkommen; aber in den letzten M o naten  d e s  Krieges dauernd von 
diese Absichten durchzuführen ist in erster L in ie  eine R aubzügen berichtet wurde, trnd daß die P o lize i  ga r  
Aufgabe des S t a a t e s .  W enn sie besonders von einer nicht in  der Lage w ar ,  selbst wenn sie den besten 
Großstadtgemeinde im Z en trum  des Reiches F ö r ­ W illen hatte , in allen F ä llen  -tatkräftig dagegen e in ­
derung erhielten, würden wahrscheinlich für diese G e ­ zuschreiten. A ls  e inm al bpi m ir  eingebrochen churde 
meinde wie für G ro ß -B e rl in  sehr schwer' Schäd - und ich am nächsten Tage der Polizei  die M eldung 
giingeni d a ra u s  erwachsen. machte, mußte ich dort gleich hören, daß in ihrem 
Bezirk heute der 15. Fa ll  gemeldet wäre. D a ß  die 
(D ie  Versamm lung stimmt dem Antrage zu.) Polizei  un te r  solchen Umständen nicht viel machen 
kann, versteht sich von selbst. Inzwischen haben sich 
Borsteher-Stellv. Dr. Frentzel: A ls  Ausschuß­ die Dienste, die die Polizei  zu leisten in der Lage ist, 
mitglieder für den P u n k t  10 werden in Vorschlag qualita tiv  nicht gerade verbessert. D azu  kommt, daß 
gebracht die S-tadtv. Dr. Borchmdi, von Eberhard!, w ir selbst gar nicht in der Lage sind, bei der jetzigen 
G roß , Dr. .Hertz, I a o iu s ,  F ra u  K lockern, allgemeinen E n tw affnung , u n s  persönlich zu 
Dr. Lieprnann, Marcuse, Richter, Dr. Rosenfeld, schützen, wenn unser Leben gefährdet ist. J e d e r  
Skaller, Dr. S tad thag en ,  Suse, T roebs  und Zielen­ einzelne wird in diesem F a lle  wahrscheinlich den 
ziger. —  E in  Widerspruch gegen den Vorschlag er­ befielen Teil  des M u te s  dadurch beweisen, daß er 
hebt sich nicht; die Herren sind gewählt. zurückhaltend ist und es nicht zum A ngrif f  kommen 
läßt. Benachrichtigt er aber die Po l ize i ,  dann ist 
P u n k t  12: diese gar nicht imstande, schnell Abhilfe zu leisten.
I n  zweiter L in ie  möchte ich die F rag e  aus­
Antrag der Stadtv. Bade und Gen. betr. Rachtivach- werfen: wie schützt man sich überhaupt gegen die 
und Schließwesen. —  Drucksache 104. Gefahr des Einbruchs, welche M ö glichkeiten .sind
        
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