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Periodical volume 14. Mai 1919

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1919

Sitzung am 4. Mai 1910
Eingegangen ist dann ferner ein Schreiben gen in privaten Unternehmungen gemacht wurden, 
unseres früheren Herrn Bürgermeisters Dr. Maier, die in dem, was die Honorierung betrifft, weit 
das ich Ihnen zur Verlesung bringen möchte: über das hinausgingen, was die Stadt ihrem Bür­
Bei meinem Ausscheiden aus der Ver­ germeister gewähren konnte, aber in dem, was an 
waltung der Stadt Charlottenburg ist es mir Anforderungen in bezug auf die Arbeitskraft eines 
ein herzliches Bedürfnis, Ihnen und den Mannes gestellt wurde, weit hinter dem zurück­
Mitgliedern der Stadtverordnetenversamm­ blieben, was die Stadt von ihrem Bürgermeister 
lung ein dankerfülltes Wort des Abschiedes zu verlangte. Es ist naturgemäß, daß Herr Bürger­
sagen. Nach fast sechzehnjähriger Tätigkeit meister Dr. Maier bei solchen Anerbietungen zu- 
verlasse ich den Dienst der Stadt Charlotten­ ivoilen die Frage aulftverlfen mußte, ob er nicht im 
burg, dem ich mit Freude und Genugtuung Interesse seiner Familie eine solche Stellung an­
den größten Teil meiner besten Lebensjahre nehmen sollte, und als er einst mit unserm früheren 
gewidmet habe. Ich tue dies, um das mir an­ Oberbürgermeister Schustehrus bei Gelegenheit 
getragene Staatsamt zu übernehmen, in einem eines solchen glänzenden Anerbietens darüber 
Augenblick, in der die so schwierige Frage sprach, sagte ihm Oberbürgermeister Schustehrus 
der kommunalen Neuordnung der Groß-Ber- — damals war Herr Dr. Maier noch unser Syndi­
liner Verhältnisse anscheinend vor ihrer un­ kus — : „Lieber Herr Syndikus, eine foilche Stellung, 
mittelbaren Erledigung steht. Dies erleich­ >tn ber Sie wenig 'zu arbeiten haben, äst nichts für 
tert mir meinen Schritt und erfüllt mich mit Sie; das hatten Sie ja gar nicht aus." Das kenn­
dem lebhaften Wunsche, daß der mit prak­ zeichnet den Mann.
tischer Gestaltungskraft gepaarte Geist ent­ Arbeit hat er bei uns gefunden, reichlich und 
schiedenen Fortschreitens auf allen Gebieten überreichlich, erst als Syndikus, später als Bürger­
kommunaler Fürsorge, der ein auszeichnendes meister, in welcher Stellung er den Oberbürger­
Merkmal der städtischen Verwaltung Char- meister Schustehrus nach seinem Hinscheiden lange 
lottenburgs ist, und besten Mitträger in her­ Zeit vertreten mußte, und in der er weiter bei 
vorragendem Maße die Stadtverordneten­ Kriegsbeginn, als unser Oberbürgermeister Dr. Scholz 
versammlung war, als wertvollstes Vermö­ ins Feld rücken mußte, ebenfalls noch die Amts­
gensstück auf das neu zu gestaltende Gesamt- geschäfte des Oberbürgermeisters mit zu erledigen 
gebict Groß-Berlin übergeht und dort lebendig hatte.
bleibt. Diese Arbeit hat Herr Bürgermeister Dr. Maier 
Für alles persönliche Wohlwollen und stets nicht nur als eine Pflicht angesehen, sondern 
freundliche Verständnis danke ich jedem M it- die Arbeit ist ihm Lebenselement, damit zugleich 
gliede des Stadtverordneten-Kollegiums, mit auch Grundquell der Lebensfreude. Freilich dazu, 
dem mich gemeinsame Arbeit zusammen­ daß die Arbeit auch der Duell de.r Lebensfreude 
geführt hat, aufrichtigst. ist, gehört, daß die Arbeit wenigistnes einiger­
Meine Damen und Herren! Wir alle be­ maßen auch von Erfolg gekrönt sein muß, 
dauern das Scheiden des früheren Bürgermeisters und von Erfolg gdkrönt war die Arbeit 
und bedauern, daß wir uns von ihm nicht persön­ des Bürgermeisters Dr. Maier in Charlotten- burg. Die Spuren seines Wirkens in Charlotten­
lich verabschieden konnten. Wir bedauern auch sein burg werden sich nicht verwischen, und wie er des­
Scheiden überhaupt, wenn wir ihn auch für sein halb mit Freude und Genugtuung auf seine in 
neues Amt und den größeren Wirkungskreis, in den Charlottenburg verbrachte Wirksamkeit zurückblicken 
er eintritt, beglückwünschen. Die neuen Herren kann und zurückblicken wird, so werden auch wir 
dieser Versammlung, die erst seit 2% Monaten mit 
Herrn Bürgermeister Dr. Maier zusammen gear­ an diesen Mann stets mit freundlicher Gesinnung denken.
beitet haben, werden auch innerhalb dieser kurzen 
Zeit schon die ruhige und absolute Sachlichkeit, die (Lebhafter Beifall.)
den Herrn Bürgermeister auszeichnete, seine schnelle 
Auffassung und sein schnelles Hineinarbeiten in die Weiter ist eingegangen ein Schreiben von der 
verschiedensten Angelegenheiten schätzen gelernt Vereinigung akademisch gebildeter Lehrer und 
haben. Die älteren Kollegen, die eine Reihe von Lehrerinnen ChaAottenburgs, das ich Ihnen eben­
Fahren, beinahe lf> Fahre, mit Herrn Bürgermeister falls zur Verlesung bringen möchte:
Dr. Maier gearbeitet haben, schätzen außerdem noch Die Vereinigung akademisch gebildeter 
seinen gerechten und aufrechten Charakter, mit dem Lehrer und Lehrerinnen Charlottenburgs har 
er, abhold jeder Schmeichelei, sowohl nach oben als sich in ihrer Vereinssitzung vom 2. Mai d. F. 
nach unten, unbeirrt den Weg geht, den'er als den mit dem Beschluß der hiesigen Stadtverord­
rechten erkannt hat. Dazu kommt die außerordent­ netenversammlung vom 15. April, betreffend 
liche Selbstlosigkeit, mit der Herr Bürgermeister den Geschichtsunterricht, befaßt.
Dr. Maier stets seine Person hinter die Sache zu­ Der Vertreter des Magistrats hatte in 
rückgestellt hat. dieser Versammlung der Stadtverordneten 
mit Recht erklärt, die Stadtverwaltung könne 
(Sehr richtig!) keinen Einfluß darauf ausüben, in welchem 
Geiste der Geschichtsunterricht erteilt Würde, 
Weiter haben wir auch die außerordentliche da hierfür nur das Ministerium zuständig 
Arbeitskraft und Arbeitsfreudigkeit dieses Mannes wäre. Wenn trotzdem die Versammlung den 
anzuerkennen. Herr Bürgermeister Dr. Maier ge­ oben genannten Beschluß gefaßt hat-, so steht Äe 
hört nicht zu den'Leuten, die mit Glücksgütern reich­ Vereinigung akademisch gebildeter Lehrer und 
lich gesegnet sind, und so war es nicht verwunder­ Lehrerinnen Charlottenburgs darin einen Ver­
lich, daß ihm lockende Anerbietungen auf Stellnn- such, durch eine örtliche Verwaltungsbehörde
        
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