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Periodical volume 15. April 1919

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1919

Ltynng am 5. April 1919
werden soll, Rücksicht daraus genommen wird, dasi fee hatten, der bedauerlicherweise zugeschüttet wor­
der Schloßpark ein beliebter Erholungsplatz nameni- den ist, was das Bedauern weitester Kreise der Be­
lich für alte und kranke Einwohner Charlottenburgs, völkerung hervorgerufen hat. Dort war die E r­
insbesondere aus der Gegen) dorr oben, ist, daß holungsstätte für Charlottenburgs Einwohnerschaft, 
also der Park nicht ausschließlich der Jugend über­ dorthin pilgerten allsommerlich die Wasser-, Luft- 
liefert wird, sondern daß auch die alten Charlotten­ und Sonnenbrüder, dort kamen die Schwimm­
burger ihre Erholungsstätte nicht verlieren. sportler zusammen, dort wurden jährlich einige 100 
Schüler im Schwimmen ausgebildet und maßen im 
Stabtu. Blum: Beide Anträge liegen in der Wettschwimmen dann ihre Kraft und ihr Können. 
Richtung jener Ausführungen, die meine Partei W ir alle stimmen wohl darin überein, daß die kör­
schon in der Sitzung vom 12. März durch mich hier perliche Ertüchtigung der Jugend angestrebt werden 
gemacht hat. W ir stehen deshalb den Anträgen sehr muß. Das Baden und Schwimmen im Freien bie­
sympathisch gegenüber und werden ihnen zustimmen. ten eine gute Gelegenheit zur Förderung dieses Zie­
les. Tie körperliche Ertüchtigung gilt aber auch für 
(Tie Versammlung stimmt mit großer Mehrheit die Erwachsenen, nachdem alt und jung durch eine 
beiden Anträgen zu.) mehr als vierjährige Unterernährung an körperlicher 
Tüchtigkeit große Einbuße erlitten haben.
Borsteher-Stellv. Dr. Frentzcl: Punkt 15 der Deshalb sind wir der Meinung, daß eine drin­
Tagesordnung: gende Notwendigkeit vorliegt, die baldige Errich­
tung einer Badeanstalt im Freien in Angriff zu 
Antrag der Stabtu. Pein unb Gen. betr. Badean­ nehmen. Die veränderten Verhältnisse lassen es 
stalt im Freien. — Drucksache 62. wohl möglich erscheinen, daß die großen Schwierig­
keiten, die sich früher boten, eine Lösung finden. 
Der Antrag lauter: Ich kann mir beispielsweise denken, daß der große 
Karpfenteich im Schloßgarten oder die Wiesen nörd­
Der Magistrat wird ersucht, die Vorarbei­ lich des Schloßgartens, die zu diesem gehören, jetzt 
ten für die im Jahre 1913 in Aussicht ge­ vielleicht leichter erreichbar sind, als das früher der 
nommene Errichtung einer Badeanstalt im Fall war.
Freien unter den veränderten zeitlichen Ver­ Es ist noch ein anderer Punkt, der die baldige 
hältnissen sofort in Angriff zu nehmen. Inangriffnahme der Badeanstalt wünschenswert 
macht: das ist die Notstandsarbeit, die dadurch ge­
Antragsteller Stabtu. Pein: Meine Damen und schaffen würde und die einigen 100 Erwerbslosen 
Herren! Eine der hervorragendsten Lebensbedin­ Beschäftigung geben würde, wodurch wiederum der 
gungen ist die Gesundheitspflege. I n  der Gesund­ Arbeitsmarkt und die Erwerbslosenfürsorge eine 
heit ist das Lebensglück der Menschen begründet. Entlastung erfahren dürften.
Deshalb ist es Pflicht eines jeden, nach Möglich­ Aus dieien Erwägungen heraus haben w ir den 
keit alles das zu tun, was zur Förderung der Ge­ Antrag gestellt und bitten Sie, dafür zu stimmen.
sundheit beiträgt, den Körper gesund macht und ge­
sund erhält. Als ein M itte l zur Förderung dieser 
Lebensnolwendigkeit ist das Baöen im Freien an­ Stabtu. Wilk: Meine Herren! I n  Anbetracht 
zusehen. Wo Wasser, Luft und Sonne auf den der vorgerückten Zeit w ill ich nicht allzulange Aus­
Körper, in vernünftiger Weise angewandt, einwir­ führungen macken. W ir schließen uns selbstver­
ken können, wird er widerstandsfähiger gemacht. ständlich dem Antrage der Herren Antragsteller an 
Die Schaffensfreudigkeit, Willenskraft und Lei­ und bitten ebenfalls den Magistrat, die Arbeiten 
stungsfähigkeit werden wesentlich gestärkt und der für den Bau einer öffentlichen Badeanstalt in schnell 
Mensch dadurch befähigt, die Pflichten des Lebens wie möglich vorzunehmen. M it dem Fortfall des 
leichter zu erfüllen. Aus dieser Erwägung heraus Kocksiees hat sich in'Charlottenbnrg das lebbarte Be­
suchen t-lljährlich Tausende Erholungsbedürftige in dürfnis gellend gemacht, dafür einen Ersatz zu 
den Sommermonaten Aufenthalt an den Leebädern, schaffen.
an der Nord- und Ostsee, zur Kräftigung ihrer Ge­ W ir haben jede Gelegenheit wahrgenommen, 
sundheit und kehren mit einem gewissen Ueberfluß um darauf hinzuweisen, daß die Badeanstalt in der 
an körperlicher Widerstandsfähigkeit zurück. Die Krummen Straße in allernächster Zeit entsprechend 
Daheimgebliebenen, die nicht in der glücklichen Lage erweitert werden sollte. Tos wurde dann auckr ge­
sind, ein Seebad aufzusuchen, müssen sich mit einem macht. Lener mußten durch den Krieg die Arbei­
Ersatz in der Heimat begnügen und in Ermangelung ten eingestellt werden. Dst große Schwimmhalle in 
einer 'näheren Badegelegenheit an die Ufer der der Badeanstalt Krumme Straße war während b*s 
märkischen Seen hinausziehen. Das sind aber auch Krieges nicht in Benutzung. Dadurch Hot sich ein 
nur verhältnismäßig geringe Kreise, die täglich großer Mißstand ergeben. Dieser Mißstand wird 
dorthin geben können, beispielsweise die entfernter letzt, nachdem Tausende von Männern ans dem 
liegenden Bäder am Wannsee oder Tegeler See auf­ Felde zurückgekeb't sind, mich um so schlimmer 
suchen können: die Fahrt dorthin ist m it Geld- wrben. Ach möchte an den Magistrat das dringende 
und.'Zeitopfern verknüpft. Der größte Test der Ersuchen richten, in irgendeiner Stwrm dafür zu sor­
werktätigen Bevölkerung muß aus diese körperliche gen. daß endlich ein Freibaö für Charlottenburg 
Erholung aus Zeitmangel verzichten. Allerdings geschaffen wird.
könnte nach Beendigung der Arbeit am Abend eine 
kurze Badeerholung möglich sein, wenn die Gele­ Staistv. Dr Feilchenfeld: Meine Freunde
genheit dazu in der Nabe vorhanden wäre. Es schließen sich auch den Wünschen, die in M n  An- 
fehlt aber an einer Badeanstalt innerhalb der Stadl­ trage zum Ausdruck kommen, an. Ob der Teich im 
grenzen, wie w ir sie bis zum Jahre 1912 im Koch­ Schloßgarten gerade zur Ausbildung einer Bade-
        
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