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Periodical volume 15. April 1919

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1919

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Sitzung am 15. A p ril 1919
Antragsteller Ttadtv. Dr. Luther: Meine | 15 Personen zu überweisen, der die weiteren 
Herren! Ich werde mich ganz für* fassen. Ich Schritte zu beraten hätte. Ich ersuche ^ie, un­
glaube, wir find alle in diesem Saale darin ein ig,, serm Antrag zuzustimmen.
dass in der schweren Zeit, die w ir au durchleben 
haben, die Jugend unsere Hoffnung ist. W ir sind; Oberbürgermeister Dr. Scholz: Der Magistrat 
aber auch darin einig, daß w ir eine Jugend milchen steht selbstverständlich durchaus auf dem Boden der 
müssen, die körperlich, geistig und sittlich ertüchtigt Tendenz beider Anträge. Auch ist er davon über­
wird. Wenn w ir das wollen, dann braucht unsere zeugt, daß augenblicklich für die geistige und kör­
Jugend geeignete Plätze und geeignete Räume.i perliche Ertüchtigung unserer Jugend gar nicht 
Jugendpflege kann man nicht treiben in der Enge,; genug geschehen kann. Ich möchte aber einer Hoff­
denn Jugend will austoben; Jugend muß frische,! nung, die von beiden Seiten geäußert worden ist, 
freie Luft haben, um sich körperlich so tummeln au! doch einen gewissen Dämpfer aufsetzen. Räume im 
können, wie es ihrem Empfinden eptspricht. W ir : Schlosse, meine mehrten Herrschaften, werden w ir 
verfügen in Charlottenburg nicht über genügend leider zu diesem Zwecke nicht zur Verfügung be­
Spielplätze. Zwar haben w ir Westend und haben den kommen. Die Sache liegt sogar so, daß diejenigen 
Grunewald; aber beide sind schwer au erreichen. Räume, die-augenblicklich von uns selbst zu Büro- 
Darum wäre es schön, wenn es uns gelänge, Spiel­ awecken in Anspruch genommen sind, uns voraus­
plätze im Schloßgarten von Charlottenburg au er­ sichtlich in kurzer Zeit wieder deshalb entzogen wer­
halten. . . den, weil das Schloß noch in erheblich größerem 
Zum andern bedarf die Jugend, wenn sie ihrer Umfange als bisher zu Lazarettzwecken in Anspruch 
Behaglichkeit leben und sich wohlfühlen w ill, geeig­ genommen werden wird.
neter Räume. W ir haben wohl Räume für unsere Im  übrigen darf ich die inneren Verhältnisse 
Jugend. Das sind aber Mietsräume, in denen die des Schlosses als bekannt voraussetzen. Soweit das 
Jugend das nicht findet, was sie möchte. Darum 
sehnen w ir uns. die w ir Praktiker in der Jugend­ nicht der Fall sein sollte, möchte ich hier feststellen, daß die Räume im Schlosse m it ganz wenigen Aus­
pflege sind, seit langem danach, dasi in etwas größerer nahmen weder zu beheizen noch zu beleuchten sind. 
Weise für die Jugendpflege Räume aur Verfügung Es würde also ein Umbau m it enormen Kosten 
gestellt werden. Solche geeigneten Räume scheinen nötig sein, um überhaupt die Räume diesen Zwecken 
mir die im Charlottenburger Schloß au fein, und ich zu adaptieren. Aber wie gesagt, es ist zurzeit 
gebe mich der Hoffmma hin. dasi mein älter Traum, 
dieses Schlosi in den Dienst des Volkes au stellen, wenigstens ausgeschlossen, denn das Lazarett dehnt 
endlich aur Wirklichkeit wird. Ich hoffe, mit Ihnen sich außerordentlich aus, und w ir müssen selbst aus 
allen in dem Gedanken einverstanden au sein, dasi den Räumen heraus.
w ir keine bessere Verwendung für diese Räume finden Was die geschäftliche Behandlung betrifft, so 
können", als wenn w ir sie denen aur Verfügung stellen, möchte ich bitten, von der Ueberwcijung an einen 
die unsere ganze Hoffnung für die Zukunft sind. besonderen Ausschuß abzusehen.
(Bravo!) (Sehr richtig! und Zuruf: Ter Antrag wird zu­
rückgezogen!)
Antragsteller Stadtv. Heidrich: Werte Anwe­
sende! Ich kann mich nur den Ausführungen mei­
nes Vorredners anschließen. Räume sind genügend — Dafür bin ich sehr dankbar. — W ir haben zu­
im Schlosi vorhanden. Ich sehe aber nickt ein. dasi nächst den sogenannten Spielplatzausschuß. Außer­
nur die Jugend dg Platz finden soll. T ie Stadt dem kann ich mitteilen, daß ick bereits vor etwa 
Charlottenburg hat bereits städtische Kurse zur Wei­ drei Wochen eine Aktion in die Wege geleitet habe, 
terbildung von Arbeitern eingerichtet, welche, mit die sich voraussichtlich auch zu einer Vorlage an die 
mangelhafter Volksschulbildung ausgerüstet, im Le­ Stadtverordnetenversammlung verdichten wird und 
ben stehen. Diese Kurse sind in durchaus ungenü­ im.wesentlichen, wenn auch nicht Spiel-, so doch 
genden Räumen untergebracht und bedürfen eines Sportplätze — was aber auch selbstverständlich einen 
weiteren Ausbaues. W ir wünschen, das; in den Teil der Wünsche der Herren Vorredner betrifft — 
Räumen des Schlosses, vor allen Dingen in dem' zum Gegenstände hat. Ich glaube also. Sie können 
linken Teile desselben und in dem Schlosislügel am versichert sein, daß seitens des Magistrats nichts 
Luisenplatz und in der Spandauer Straße 'eine unterlassen wird, im Sinne der Anträge, die ja von 
Volkshochschule errichtet wirb, J)ic vorbildlich sein beiden Seiten gleichermaßen gestellt sind, vorzu­
soll. Der rechte Teil des Schloßparkes kommt gehen.
meines Erachtens hauptsächlich für den Sportplatz 
und für Turnplätze in Betracht. Der linke Teil Ttadtv. Heise: Meine Damen und Herren!
des Schloßparkes, in dem sich auch das Mausoleum Meine Freunde stimmen den beiden An trägen zu. 
befindet, müßte der Ruhe erhalten bleiben. Außer­ W ir geben der Hoffnung Ausdruck, daß die Lchw'.c- 
dem sind im Schlosse noch Räume vorhanden, ich rigkeiten, die uns der Herr Oberbürgermeister eben 
denke z. B. an das Speichergebäude, aus dem sich dargelegt Hai, sich in späterer Zeit werden überwin­
wohl ein Raum für Konzerte, vielleicht auch für den lasten und daß Räume für die gewünschten 
Kinoveranstaltungen, in dem Sinne natürlich, wie Zwecke im Schlosse freigemacht werden können. W ir 
sie in der Urania setzt schon stattfinden. Herrichten setzen natürlich als selbstverständlich voraus, daß 
ließe. Dadurch, daß dem Volke hier künstlerische dabei a-'f Räumlichkeiten und Gegenstände, die von 
Genüsse m it städtischer Unterstützung geboten wür­ historischem Werte sind, pietätvoll Rücksicht genom­
den, würden die Vergnügungen, wie sie sich jetzt men w ild und daß man im allgemeinen schonend 
breitmachen, etwas Abbruch erfahren. verfährt.
W ir sind der Meinung, es würde das Beste Persönlich möchte ich den Wunsch aussprechen,
sein, die ganze Angelegenheit einem Ausschuß von daß, wenn der Park für Iugendzwecke freigegeben
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