Path:
Periodical volume 15. April 1919

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1919

190 Sitzung am 15. Aprii 1910 W ir kommen zu wir selbstverständlich unsere Pflicht weiter erfüllen, und w ir würden dann versuchen, die Geistlichen, die Kapitel V I Krankenanstalten. wir brauchen, dadurch zu erhalten, daß w ir das Geld erbetteln. Aber ich meine, es wäre eine Schande für Berichterstatter Stadtv. Panjchow: Namens die Stadt, wenn man das den armen Kranken antut, des Ausschusses habe ich die Annahme dieses Ka­ die in diesen Krankenhäusern liegen und die, weil pitels zu beantragen, und zwar mit den auf den sie doch im Besitze einer Seele,sind, wohl auch das Druckseiten 110, 111 und 118 der Vorlagen ange­ gebenen Aenderungen. Im Ausschuss fand eine leb­ Recht haben, dass man auf ihre seelischen Bedürf­nisse Rücksicht nimmt. hafte Aussprache darüber statt, ob es angebracht sei, die Sätze für die Verpflegung der Kranken I I I . Klasse in der gleichen Höhe wie im vorigen Jahre zu be­ Stadtv. Dr. Löwenstein: Ich mochte nur kur? lassen oder dem Magistratsantrag entsprechend zu einige Missverständnisse beseitigen. Es ist nichts von erhöhen. Der Ausschuss hat sich auf den Standpunkt uns dagegen gesagt worden, dass vielleicht später gestellt, dass es richtig sei. die Sätze in der bisherigen und auch jetzt religiöse Bedürfnisse vorhanden sind. Höhe bestehen zu lassen, also von einer Erhöhung Hier handelt es sich aber nicht um allgemeine religiöse abzusehen. Bedürfnisse, sondern um die Befriedigung ganz be­stimmter Formen des religiösen Bedürfnisses, um Stadtv. Dr. Löwenstcin: Meine Freunde stehen konfessionelle Bedürfnisse. Diese konfessionellen Be­ auf dem Standpunkt, dass die Gemeinde als solche dürfnisse sind aber immer nur Sache einer besonderen nicht für religiöse Betätigung innerhalb der Kranken­ Gemeinschaft, die für sie zu sorgen hat. Das ist zu anstalten zu sorgen hat. W ir haben auch im Aus­ gleicher Zeit die Antwort an die Herren Vorredner. schuss bereits Gelegenheit genommen, einen Antrag Wenn die Kirche Anhänger har und diese Anhänger zu stellen, dass die Gelder, die die Gemeinde dafür Kultusbedürfnisse haben, so ist es Pflicht und Schul­ vorsieht, gestrichen werden. W ir stellen erneut diesen digkeit der Kirche, dafür zu sorgen, dass diese Be­ Antrag hier in der Versammlung, nicht weil w ir dürfnisse befriedigt werden, aber nicht Sache der A ll­ glauben, dass kein Bedürfnis dafür in den Kranken­ gemeinheit. Es würde auch keinesfalls der 'Ge­ anstalten vorhanden wäre, dass der eine oder andere meinde oder irgendeiner staatlichen Institu tion ein eine religiöse Seelsorge haben w ill, sondern deswegen, fallen, wenn irgendeine religiöse Sondergemeinschaft weil w ir glauben, dass nur ein privates Bedürfnis ein besonderes Bedürfnis hat, unterrichtet zu werden, vorliegt, wofür die Kirchen zuständig sind, auch in für sie nun einen solchen Unterricht einzuführen. W ir lehnen daher lebe konfessionelle Unter.veisung ab. bezug auf die Ausgaben. und es handelt sich hier nur um eine konfessionelle Unterweisung. Da.um lehnen w ir die Geldmittel Stadtv. Frau Klockow: Ich habe ja den .Haus­ dafür ab und bitten Sie, das gleiche zu tun. haltsausschuss-Titzungen beigewohnt und weiss, in welcher Weise auf der einen und auf der anderen Stadtv. Blum: Es ist uns gar nicht eingefallen, Seite begründet worden ist. Ich möchte aber doch zu denken und zu sagen, dass w ir denen, die religiöse hier in der Versammlung noch einmal darauf hin­ Bedürfnisse haben, die Befriedigung denselben ver­ weisen, dass, wenn die Seelsorge in den Kranken­ weigern wollen. Herr Kollege Lichtenberg ist da >im häusern wirklich auch als Privatbedürfnis aufzufassen Irrtu m , und Herr Kollege Dr. Löwenstein hat diese wäre, doch vielfach gerade die Minderbemittelten missverständliche Auffassung schon nachgewiesen. Ich dieses Bedürfnis haben, und ich glaube, dass w ir in für meine Partei möchte nur zum Ausdruck bringen, bezug auf die religiösen Bedürfnisse jedes Bekennt­ dass w ir auf demselben Standpunkt stehen. Wer nisses hier nicht einfach auf den augenblicklichen Zug religiöse Bedürfnisse hat, darf sie befriedigen, soll der Zeit, der sich der Religion gegenüber mehr oder aber auch für alle die Lasten aufkommen, die diese minder abwehrend verhält, Rücksicht nehmen dürfen, Bedürfnisse verursachen. W ir sehen nicht ein, sondern w ir müssen uns klarmachen, daß, wenn wir, warum die Allgemeinheit für dergleichen spezielle die w ir hier sitzen, längst vergangen und vergessen Bedürfnisse der einzelnen eintreten soll, auch wenn sein werden, immer noch die Religion da sein wird. sie in den persönlichen Wünschen der einzelnen noch Unter diesem Gesichtspunkte möchte ich meinen, dass so gut begründet sein sollten. von einer Stadtgemeinde, die doch Kulturaufgaben im höchsten Ä nne zu erfüllen hat, zumal dieser Stadtv. Lichtenberg: Der Herr Vorredner sagt: Posten in dem grossen Haushalte der Stadt so wenig wer diese religiösen Bedürfnisse hat, soll sie befriedi­ ausmacht, gerade diese ethischen Bedürfnisse — so gen, soll aber auch die Kosten dafür tragen. Diese will ich sie einmal nennen, um sie den hier An­ religiösen Bedürfnisse haben die Kranken: also wesenden von der Linken näherzubringen — min­ müssen nach seiner Ansicht die Kranken auch die destens zu berücksichtigen sein dürften. Kosten dafür tragen. Stadtv. Lichtcnberg: Ich glaube, dass wohl (Zuruf bei den Sozialdemokraten: Die Kirche!) jeder Arzt zugestehen wird, daß eine Verschlimme­ rung im Befinden eines Schwerkranken eintreten — Hier handelt es sich an erster Stelle nicht um die wird, wenn man seine Seele so beunruhigt, daß man Kirche, sondern um die Patienten, die dort 'liegen,und ihm den geistlichen Trost, nach dem er verlangt, ver­ die den ausdrücklichen Wunsch haben: ich will, dass weigert. Selbstverständlich wird jeder Priester ein Geistlicher kommt und mich versieht. Der Herr einem Kranken, der ihn verlangt, feine Hilfe an­ Vorredner hat gesagt: wer diese religiösen Bedürfnisse gedeihen lassen, auch wenn er dafür nicht bezahlt hat, der soll auch die Kosten dafür tragen. Also wird. Wenn auch die 200 off, die das katholische seiner Meinung nach sollen die armen Patienten im Pfarramt im Jahre für die Pastoration von 1482 Krankenhause die Kosten tragen. Das scheint m ir Kranken erhält, gestrichen werden würden, so würden wenig menschenfreundlich!
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.