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Periodical volume 15. April 1919

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1919

Sitzung am 1 >. April 1919 Bei dem Abschnitt Stadtärzte wurde angeregt, Gesinnung an den Tag gelegt. Ich appelliere wieder daß neben den Stadtärzten noch eine Aerztin zur an ihre Mildtätigkeit, zeigen Sie ihren Patriotis­ Behandlung kranker Frauen angestellt werden Zollte. mus in verstärkter Form dadurch, daß Sie dem Ich bitte Sie, mit den auf dieser Seite an­ Magistrat aufgeben, diese Kündigung wieder rück­ gegebenen Aenderungen den Vorschlag des Aus­ gängig zu machen. Es geht nicht an, daß man in schusses in bezug auf Kapitel V anzunehmen. der heutigen Feit einem Mitglied unserer großen Gemeindefamilie, wenn es sich ein Leiden zugezogen hat, sagt: du kannst nicht mehr als Pförtner bei Stadtv. Mickler: Meine Damen und Herren! uns tätig sein, und ihn einfach auf die Straße wirft. Das Armcnwesen erfordert eine liebevolle Pflege. Ich gebe zu, daß der Magistrat versucht hat, ihm Ich zweifle nicht daran, daß der Leiter unseres eine andere Arbeit zu verschaffen; aber ich kann nicht Armenwesens ein liebevoller Mensch ist. Aber so untersuchen, ob ihm nicht eine Arbeit angeboten liebevoll unser Herr Stadtrat Goeritz auch ist, so hat worden ist, die er eventuell nicht mehr ausführen man ihm doch ein kleines Kreuz anzubammeln, konnte. Wenn der Staat dem Privatkapitalisten Ich muß in diesen süßen Wein doch etwas Wermut vorschreibt, daß vor Mitte Juni kein Kriegsbe­ gießen und, so wenig lieb mir das ist, ein gutes schädigter entlassen werden dürfe, dann geht es doch Wort für diejenigen einlegen, die unter dem Szepter nicht an, daß die Stadt nun ganz einfach sagt: die des Herrn Stadtrat Goeritz leben. Vorschriften des Deutschen Reiches kümmern mich Im Bürgerhaus war ein Kriegsbeschädigter nickt, daran-halte ich mich nicht, ich setze mich darüber angestellt, der dort 2 Jahre tätig gewesen ist. Der hinweg und entlasse die Kriegsbeschädigten. Eine Mann ist Epileptiker und leidet an krankhaften An­ solche Auffassung können wir hier im Stadtparla- füllen. Er hat vor dem Kriege im Bürgerhaus die mcnt nicht billigen. Ich bewundere auch, daß sich Tätigkeit eines. Hausdieners ausgeübt, ist dann vom die Deputation des Armenwesens so ohne weiteres preußischen Staat als felddienstfähig befunden und darüber.hinweggesetzt hat. Hätte sie die Geschichte eingezogen worden. E r hat seiner militärischen näher untersucht, dann wäre sie zu der Ueberzeugung Dienstpflicht genügt, ist entlassen und dann wieder gekommen, daß der Meilchen als Charlottenburger dem Bürgerhospital überwiesen worden. Er' konnte Bürger genau so ein Mitglied unserer großen Ge- aber seine Hausdienertätigkeit wegen seiner Dienst­ meindefamilie ist wie wir alle, die wir hier an­ beschädigung nicht wieder aufnehmen. Als Kriegs­ wesend sind. Wir haben alle ein Anrecht darauf, beschädigter im eigentlichen Sinne des Wortes ist wenn wir kriegsbeschädigt sind, daß der Staat und er aber nicht anerkannt worden. Denn Sie alle die Gemeinde für uns aufkommt. Deshalb ver­ werden ja wissen, daß unsere Professoren und lange ich jetzt, daß die Kündigung rückgängig gemacht Doktoren, die im Dienste des Deutschen Reiches sich und dem Meilchen, wenn er den Posten als Pförtner befinden, bis dato auf dem Standpunkt standen, daß nicht mehr versehen kann, eine andere Beschäftigung ein Mensch, der eventuell mit einem Nervenleiden Zugewiesen wird. Ich bitte Sie, meinem Antrage behaftet ist, oder ein Mensch mit Schwindelanfällen zuzustimmen. oder überhaupt ein Mensch, der kriegsbeschädigt ist, innerhalb kurzer Feit wieder hergestellt wird, daß Ttadtrat Goeritz:-Meilchen ist im Jahre 1913 also mit anderen Worten sein Leiden nur als eine bei uns im Bürgerhause eingetreten and zunächst als vorübergehende Erscheinung zu betrachten ist, das Hausdiener beschäftigt worden, und zwar etwa -sich in allerkürzester Feit bessert. 1% Jahre lang. Er hat damals allerdings schon Es ist festgestellt -worden, daß der Hausdiener eine Schwächung seiner linken Extremitäten aufge- Meilchen, der vor dem Kriege im Bürgerhaus be­ wiesen, aber seine Dienste schließlich zur Zufrieden­ schäftigt war, etwas unter epileptischen Anfällen litt. heit erfüllt. Er >var dann ins Heer eingetreten und Wenn die Aerzte ihn aber als für den Heeresdienst kam im Jahre 1917 wieder. Ich bemerke, daß er tauglich befunden haben, dann müssen doch, meine bei seiner ersten Einstellung lediglich zur vorüber­ ich, die Anfälle zu damaliger Feit nicht so heftig gehenden Beschäftigung, aber nicht als Stadtarbeiter gewesen sein, sonst hätte man ihn sicherlich nicht angenommen worden war. Als er wiederkam, war genommen. Aber der Krieg hat derartig auf den eine wesentliche Verschlechterung seiner Hontierungs- Mann eingewirkt, daß er seelisch sehr herunterge­ fähigkeit festgestellt worden, so daß eine Beschäftigung kommen ist. E r ist dann aus dem Heeresdienst ent­ als Hausdiener nicht mehr möglich war. W ir haben lassen und, wie gesagt, dem Bürgerhaus wieder über­ ihn trotzdem übernommen und haben in Aussicht ge­ wiesen worden. Es ist ihm aber nicht wieder eine nommen, ihn als Stadtarbeiter anzustellen. Wir Hausdienerstelle übertragen worden, weil er sie nicht haben ihn versuchsweise als Hilfspförtner beschäftigt. inehr versehen konnte, sondern er übt jetzt die Tätig­ Es ergab sich nun. daß sich sein früheres epileptisches keit eines Pförtners aus. Es hat sich nun in letzter Leiden sehr störend bemerkbar machte, indem wieder­ Feit gezeigt, daß der Meilchen mehrfach wieder unter holt Fälle eintraten, in denen er mehrere Minuten Anfällen litt. Die Leitung des Bürgerhauses steht lang — 8 Minuten sind in einem Falle festgestellt nun auf dem Standpunkt, daß die Insassen des worden — bewußtlos war und von der Umwelt Hauses dadurch gefährdet seien. Ich will das nicht nichts wußte. I n einem Fall, der beobachtet worden untersuchen und es dahingestellt sein lasten. Dem ist, hat er -auf Anruf nicht reagiert, so daß er also Mann ist aber mitgeteilt worden, daß er sich zum den Dienst als Pförtner kaum wahrnehmen kann. 30. April nach einer anderen Stellung umsehen solle; Es kommt hinzu, daß dieser Hilfspförtnerdienst mit es ist ihm also gekündigt worden. Ich stehe aber der Bedienung der Telephonzentrale verbunden ist, auf dem Standpunkt, daß diese Kündigung rück­ so daß es natürlich zu den größten Unzuträglich- gängig gemacht werden muß. leiten führt, wenn diese Zustände im Dienst auftre­ ten. W ir stoben damals gleich erklären müssen, daß Meine Herren, Sic haben vorhin, als mein er für eine Beschäftigung als Hilfspförtner nicht ge­ Kollege Heilmann sprach, alle eine recht patriotische eignet sei, und daß wir es eigentlich nicht verant-
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