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Periodical volume 2. April 1919

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1919

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Sitzung am 2. April 1919
des Lebens und der F reiheil  der großen M ehrheil entfernt wird. Ich  bitte den D iener, denjenigen, 
der Menschen, die nicht zu I h r e r  P a r te i  gehören. der jetzt eben den Z u ru f  getan hat, von der T r i ­
Indessen, wenn H err Kollege Dr. Hertz sagt, er ver­ büne zu entfernen.
urteile  jede Gewalttätigkeit, so darf ich sagen, dass 
i ch das mit v o l l e r  Ehrlichkeit tue, und darf (S e h r  richtig!)
H e r rn  Dr. Hertz bitten, zu glauben, daß er die S o ­
zialdemokratie nicht dabei ertappen wird, wobei man S tob tu . H eilm ann  «fortfahrend): Ich  möchte
die Unabhängigen jeden Tag antrifft, das; sie G e­ n u r  folgendes sagen: w ir  bedauern außerordentlich, 
walttätigkeiten und Gew alttä ter schützen. daß der mutmaßliche M ö rd e r  Liebknechts noch nicht 
T ie  Regierungstruppen sind alles andere eher gefaßt worden ist. Aber die Verfolgung dieses 
a l s  lau ter Engel. H err  Kollege Dr. Hertz hat zur M ö rd e rs  ist m it  sehr viel mehr Energie und E rnst  
Verteidigung der R egierungstruppen ihre große betrieben worden, a ls  die Verfolgung des M ö rd e rs  
Nervosität geltend gemacht. T a s  lasse ich auch gei­ Lindner,  der a ls  M itg lied  des revo lu tionären  
len. Häujerkämpfe, S traßenkämpfe, Kämpfe mit A rbe iterra ts  Auer, Osel und den M a jo r  von G are is  
eigenen Volksgenossen müßen immer nervös machen. erschossen hat. W enn S ie ,  meine Herren, wirklich 
Aber das ist für kalte M o rd ta ten ,  für Abjchlachtung menschlich denken, dann sollten Sie»doch dafür sorgen, 
von Gefangenen und all das andere, w as H err  daß in I h r e n  Reihen wenigstens das M a ß  von Ernst 
Dr. Hertz u n s  vorgetragen hat, keinerlei Entschuldi­ zur Bekämpfung der G ew alt an den Tag gelegt w ird, 
gung. W ir  sind absolut einmütig und fest darin, daß I h n e n  wenigstens der Harmlose glauben sann, 
zu fordern, daß eine rücksichtslose Untersuchung fest­ daß S ie  keine G ew alt  wollen.
stellt, ob diese Fälle  sich so zugetragen haben, und Ich  sage also: daß die R eg ierung strup pen  A u s ­
daß,, wer im m er a ls  schuldig überführt wird, rück­ schreitungen begangen haben, ist sehr wohl glaubhaft; 
sichtslos zur V erantw ortung gezogen wird. diese Ausschreitungen müssen bestraft werden. D a ß  
Schwindelnachrichten in die Welt gesetzt worden sind, 
(S e h r  richtig! bei den Sozialdemokraten.) ist ohne weiteres zuzugeben. H e r r  Kollege Dr. Hertz 
ist, glaube ich, auch einmal Pressemensch gewesen, und 
W ir  glauben gern, daß von den R egierungstruppen er weiß, wie wenig selbst die größte S o rg fa l t  einen 
T a ten  der Uebereilung, der Nervosität, des Leicht­ Redakteur davor schützen kann, gelegentlich auf 
sinns begangen worden sind. T a s  ist zu entschuldi­ Schwindelmeldungen, auf falsche M eldungen nam en t­
gen. Auch kleine Eigentumsverletzungen soll man lich über Kämpfe, in aufgeregten Zeiten Hereinzu­
nicht allzu hart nehmen. fallen. Ich  erinnere daran , daß vor ein p aa r  Tagen 
durch alle deutschen Zeitungen, auch durch I h r e ,  die 
(Lebhafte Zurufe  bei den unabhängigen S o z ia l ­ M eldung ging, der König von I t a l i e n  sei, erschossen. 
demokraten.) J e d e r  hat es geglaubt.
—  T ie  Spartakisten haben au s  meinem eigenen «Widerspruch bei den Unabhängigen.)
B ü r o  fü r  über 1000 J( Bürogegenstände gestohlen; 
lassen S ie  mich nu r m it  diesen Leuten zufrieden. — M eine  Herren, haben S ie  in den ersten Tagen der 
(Heiterkeit.) R evolu tion  auch nicht die Nachrichten verbreitet: auf der englischen F lo t te  sei die rote F ahne  gehißt, in 
I
Ich  sage: Leute, die 5 M in u ten  vorher in Lebens­ Frankreich seien Arbeiterräte  gewählt 'w orden?  W ir  
gefahr waren, sind 5 M in u ten  nachher nicht sehr re­ haben es am 9. und 10. November alle geglaubt. 
spektvoll gegen das bürgerliche E igentum , und ich T u n  S i e  doch nicht so, a ls  ob S i e  nie auf eine falsche 
bitte die Herren von der Unabhängigen Sozialdem o­ Nachricht hereinfallen können.
kratie. die im Felde waren, sich ehrlich zu prüfen, Aber w as  n u n  die Tatsachen angeht, so sind t a t ­
ob wir draußen immer sehr respektvoll m it  fremdem sächlich während der jüngsten U nruhen in B erlin  
E igen tum  umgegangen sind, wenn w ir  gerade etwas 'Grausamkeiten scheußlichster A r t  verübt worden, ehe 
brauchten. D a s  alles ist zu verstehen, und meinet- die R egierungstruppen  eingegriffen haben.
halben sogar zu entschuldigen. Nicht zu entschuldi­
gen sind B ru ta l i tä ten ,  sind M orde. Dagegen ver­ (S e h r  richtig!)
langen w ir  strengstes Einschreiten, und w ir  haben 
das V ertrauen  zur Regierung, daß sie es an ernstem S ie  haben jetzt die Gerichtsverhandlung gelesen, 
Nachdruck nicht fehlen lassen wird. in der ein M a n n  zu 10 J a h r e n  Zuchthaus veru rte i l t  
worden ist. Ich  möchte d ie .G räß lichkeiten  nicht 
(Lebhafte Zurufe  bei den unabhängigen S o z ia l ­ schildern, wie m an den Negierungssoldaten do r t  lang­
demokraten.) sam zu Tode gehetzt und gefoltert hat, einen M a n n ,  
der nichts weiter getan hat, a ls  daß  er R e g ie ru n g s ­
—  F m  F a l l  Liebknecht, verehrter H err  Kollege, — soldat w ar und wagte, durch die F ra n k fu r te r  Allee 
zu gehen. D er  F a l l  ist durch Zufa ll  aufgehellt 
(R ufe  von der Z uhörertr ibüne  —  Glocke des V o r ­ worden, dadurch, daß die S zene  photograph iert  
stehers.) worden iß .  E s  bestehen von etwa einem Dutzend 
solcher F ä lle  Pho to graph ien ,  in  denen einzelne R e ­
Vorsteher Dr. Borchardt (unterbrechend): E s  gierungssoldaten p lanm äß ig  qualvoll zu Tode ge­
ist eben von der T r ibüne  ein Z u ru f  gefallen; es m arte r t  worden sind. Und, meine H erren , da frage 
wird m ir  auch mitgeteilt, daß das schon öfter ge­ 'ch, wenn solche D inge  möglich sind: das wollen S i e  
schehen ist. Ich  werde unnachstchtlich dafür S o rg e  nicht, daß so etwas vorkom m t? Aber die Schuld 
tragen, daß jeder, der sich auf d e r .T r ib ü n e  einer tragen L ie ,  daß S i e  I h r e  A nhänger nicht genug 
Kundgebung schuldig macht, sofort au s  dem Hause warnen vorüber Gew alt,  nicht genug davor w arnen .
        
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