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Periodical volume 2. April 1919

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1919

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Sitzung am 2. April 1919
— Sie glauben, daß man Maschinengewehre an dieses Mannes sind die Unabhängigen aus der Re­
Stelle von Uhrberlocks mit sich führt. gierung ausgetreten.
(Zuruf bei den Unabhängigen: Sie haben Beifall (Unruhe und Zurufe bei den Unabhängigen.)
rechts!)
Weyen dieses Mannes haben sie das einheitliche Zu­
— Herr Kollege, Sie dürfen sich darauf verlassen, sammenwirken des Proletariats zerstört.
es wird die Gelegenheit kommen, wo ich Ihren Bei­
fall habe und den Beifall von rechts gar nicht, (Unruhe und lebhafter Widerspruch bei den Unab­
hängigen.)
(Zuruf: Nie!)
— Am 24. Dezember war ein bewaffneter Konflikt 
und ich werde mich dann selbst I h r e s  Beifalls nicht zwischen Volksmarinedivision und Regierungstrup­
schämen. pen. I n  diesem bewaffneten Konflikt haben Sie der 
(Wiederholter Zuruf: Nie!) Regierung schuld gegeben und Dorenbach recht ge­
geben. Nachher hat die Volksmarinedivision ein­
— Es ist ia möglich, daß Sie mir nicht Beifall stimmig erklärt, sie sei von Dorenbach betrogen und 
zollen als Person. Aber es werden Gelegenheiten durch Lüge in das Blutbad hineingehetzt worden. 
kommen, bei denen Sie fachlich meine Stellungnahme Das ist Ihre Verurteilung. Deswegen sind Sie 
vollkommen billigen müssen, und wenn Sie es aus aus der Regierung ausgetreten.
persönlicher Gehässigkeit nicht tun, so freut es mich 
doppelt als Beweis dafür, daß Ihnen Ihre Partei­ (Ruse bei den Unabhängigen: Schwindel!)
gehässigkeit über jede sachliche Rücksicht geht. Und 
das sind dieselben Leute, die immer von der Einigung — Sie sind wegen der Vorgänge-------
der Arbeiterschaft und den sozialistischen Parteien 
reden! (Große Unruhe und Zurufe bei den Unabhängigen. — Glocke des Vorstehers.)
(Unruhe nud Zurufe bei den Unabhängigen.) Vorsteher Dr. Borchmdt: Ich muß bitten, den 
Ich fahre in meiner Darstellung der Sachlage Redner nicht dauernd zu unterbrechen. So können 
fort. Es kamen die Tage, da die Spartakisten vor die Verhandlungen nicht geführt werden.
das Reichskanzlerhaus zogen und drohten: wir werden 
an einem der nächsten Tage dieses ganze Nest aus­ Stadtv. Heilmann (fortfahrend): Ich weiß 
nehmen. Und Anfang Januar fing man wenigstens nicht, ob es Menschen gibt, die so schlver von Begriff 
damit an. Am 5. Januar wurde der Vorwärts und sind, daß sie nicht verstehen, was ich sage. Am 24. Dezember
eine Reihe anderer Zeitungen bürgerlicher Richtung 
besetzt, es wurden die Reichsdruckerei und eine (Erneute Zurufe bei den Unabhängigen)
Anzahl Regierungsgebäudc in Beschlag genommen.
— Sie schreien die Wahrheit doch nicht tot — war 
(Zuruf: Den 23. und 24. Dezember nicht vergessen!) ein bewaffneter Konflikt zwischen Regierung aus der 
einen, Volksmarinedivision unter Führung Doren- 
— Am 23. und 24. Dezember war ein Konflikt bachs auf der andern Seite. Weil die Unabhängigen 
zwischen der Leitung der Volksmarinedivision und glaubten, daß Dorenbach -im Rechte sei und daß die 
der Regierung. Die Leitung der Volksmarine­ Regierung zu Unrecht Gewalt gegen ihn angewendet 
division hatte der Leutnant Torenbach, der im Na­ hatte, darum sind sie aus der Regierung ausge­
men der Volksmarine auch die Verhandlungen schieden.
führte. Dieser Leutnant Dorenbach ist inzwischen 
als Betrüger und Räuber entlarvt worden. (Sehr richtig! bei der Sozialdemokratischen 
Fraktion.)
(Zurufe bei den Unabhängigen: freigesprochen 
worden!) Wenige Tage später hot die Volksmarinedivision er­
klärt, dieser Dorenbach habe sie nur durch Lügen 
— Von krimineller Schuld freigesprochen worden, dazu bewogen, den Anordnungen der Regierung nicht 
folge zu leisten: sie hat gebeten, diesen Mann zu 
(Zuruf des Stadt v. Dr. Hertz) verhaften und für das am 24. Dezember vergoltene 
Blut zur Verantwortung zu ziehen. Die Volks­
von seiner sonstigen politischen Schuld in  keiner marinedivision hat also selbst erklärt: Dorenbach 
Weise freigesprochen. trägt an dem Blutvergießen schuld. Nachdem die 
Volksmarinedivision das selbst erklärt hat, fangen 
(Erneuter Zuruf des Sradtv. Dr. Hertz.) Sie jetzt an, es zu bestreiten! Sie sind ja wahrhaft 
heldenhafte Verteidiger des edlen Dorenbach!
— Aber Herr Dr. Hertz, wollen Sie denn den Mann 
verteidigen? (Stadtv. Dr. Hertz: Erzählen Sie von der Stellung­
nahme des Zentralrats!)
(Stadtv. Dr. Hertz: Nein!)
— Wenn ich noch von der Stellungnahme des Zen­
— Auf einstimmigen Beschluß der Volksmarine­ it alrats rede, wird es noch länger.
division ist Dorenbach 'eines Armes entsetzt, unter 
Anklage gestellt worden. Das ist Dorenbach. Wegen (Zuruf: Die Wahrheit!)
        
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