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Periodical volume 2. April 1919

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1919

Sitzung am 2. A oril 1919 0 0
den, und dann  ist m inu ten lang  M aschinengewehr- haben. Ich  w eiß nicht, ob S i e  d ie  drei F ä lle , d ie  
und G ewehrseuer auf sie abgegeben w orden. der R echtsanw alt W ittn s r  im B e r lin e r  T ag eb la tt ge­
schildert hat, kennen.
(Lebhafte P fu iru fe  bei den unabhängigen S o z ia l­
dem okraten.) (Lebhafte R u fe : J a ! )
E in e r  von diesen 32 hatte  eine R eihe von B e in ­ A u s ihnen geht hervor, daß h ier P e rso n e n , die 
schüssen bekommen, er ist sofort zu B oden gesunken, durchaus nichts S t r a f b a r e s  auch im  S in n e  der­
die anderen  T o ten  fielen über ihn, und so hat er jenigen, die diesen E rla ß  angeo rdne t haben, be­
a ls  nicht T o te r  eine ganze Z e it lang u n te r  diesem gangen  haben, standrechtlich hingerichtet w orden sind.
H aufen  von T o ten  gelegen, b is m an  nachher die A ber genau so schlimm wie die F ä lle , die ich 
Leichen auseinandergenom m en und gesehen ha t, daß I h n e n  eben darleg te , ist w ohl der F a l l ,  in  dem e s  
einer von diesen 32 noch nicht einm al to t w ar. schon genügt ha t, daß in  e in e r  W ohnung  zwei H and- 
V erehrte  Anwesende, ich habe keine W orte , um  g ranatenstie le  gefunden w orden sind, um  V a te r  und 
dem noch e tw as hinzuzusetzen. Ich  kann nicht ver­ S o h n  in s  J e n s e i ts  zu befördern. D ie  B e rlin e r  
stehen, w ir irgend jem and , und sei es der verbohr­ V olkszeitung  ha tte  d a m a ls  bei der E rö r te ru n g  dieses 
teste G egner der A rbeiterbew egung, solche D inge  F a lle s  folgendes geschrieben:
auch n u r zu rechtfertigen versuchen kann m it den 
W o rte n : d a s  sei der E in flu ß  der E rregung . — W ir ha tten  am  S o n n a b e n d  restlose A u f­
klärung gerade über diesen F a l l  verlang t, und
(Glocke des V orstehers.) zw ar sehr bald. A ber keine der am tlichen 
S te lle n , die doch so schnell bereit w aren , die 
Vorsteher Dr. Borchardt (un terb rechend): H err unw ahre  -S chauer- und  Mordgeschichte a u s  
Kollege, darf ich S ie  darau f aufmerksam  machen, daß L ichtenberg der Presse zu u n te rb re ite n , hat es 
I h r  A n tra g  la u te t:  den B elagenm gs,zustand au f­ b is  jetzt fü r n ö tig  befunden, auch n u r  ein W o rt 
zuheben. B ish e r  haben S ie  sich in  A usfüh rungen  über diese u n erhö rte  B ehaup tung  verlau ten  zu 
ergangen, die dahin zielen, daß die E in fü h ru n g  des lassen. N icht einm al die Zusicherung w urde b is  
B elagerungszustandes ein Unrecht, e tw as nicht N o t­ jetzt von -amtlicher S te lle  gegeben, daß m an  
wendiges gewesen sei. Ic h  kann nicht bestreiten, daß w illens sei, diesen F a l l  aufzuklären . A uf 
- Ih re  A usführungen  darüber, daß die E in fü h ru n g  G ru n d  der m itge te ilten  neuen E inzelhe iten  
des B elagerungszustandes nicht notw endig gewesen ü b e r den F a l l  Henschel fragen w ir  d ie  N e­
sei, sa einen gewissen Z usam m enhang m it dem Z iel gierung, ob sie auch jetzt noch die S t i r n  hat, 
des A n tra g s , den B elagerungszustand  aufzuheben w eiter zu schweigen.
und die T ruppenverbände zurückzuziehen, haben. 
Ic h  möchte S i e  aber doch b itten , der Geschäftslage V ierzehn T age sind seit dieser Z e it vergangen, und 
Rechnung zu tragen  und e tw as m ehr au f das Z ie l die R eg ie ru n g  schweigt im m er noch.
d es  A n tra g s  selbst einzugehen. I n  einem  anderen  F a l l  h a t d e r Besitz eines 
! R ah m en s russischer P a tro n e n , a lso  ohne die P a ­
Stadtv. Dr. Hertz (fo r tfa h re n d ): T o s  werde ich tro n en  selbst, einfach der R ah m en , aus den die 5 P a ­
ohne w eiteres tu n ;  ich m uß aber betonen, daß auch tt onen aufgezogen w erden, genüg t, um  den  B e tre f­
nach m einer A uffassung die M e in u n g  des H errn  fenden zu erschießen. —  I n  einem  w eiteren F a lle  
Vorsitzenden richtig ist, d aß , um  begründen zu kön­ hat e s  genügt, daß der B etreffende verdächtige 
nen, daß  die A ufhebung des B elagerungszustandes S ch riften  in  seinem H ause ha tte . W a s  w aren  d as  
notw endig  ist, zunächst e inm al gezeigt w erden m uß, fü r verdächtige S c h rif te n ?  E in  M itg liedsbuch  oder 
a u s  welchen nichtigen G rü n d en  er verhängt wurde. eine M itg lied sk a rte  der unabhängigen  sozialdem o­
kratischen P a r te i ,  e ine  N u m m er der Z eitschrift „D er 
( S e h r  richtig! bei den unabhängigen  S o z ia l ­ S o z ia lis t" , die von  dem bekannten Dr. Breitscheid 
dem okraten.) herausgegeben w orden  ist, u nd  ähnliche D in g e .
A ber auch der „ V o rw ä rts "  h a t  sich ja  endlich 
D e n n  a u s  der Tatsache e rk lä rt sich und begründet sich gezw ungen gesehen, eine R eihe von solchen F ä lle n  
die F o rd e ru n g  der A ufhebung des B e lagerungszu ­ m itzu te ilen . E r  h a t besonders den F a ll  aufgedeckt, 
standes ebensogut wie a u s  re in  juristischen D e­ in  dem da draußen  in  Lichtenberg a u f  dem  O stbahn ­
duktionen. hof drei L eute, die gefangengenom m en w orden 
D iese r F a l l  m it  den M atro sen  in  der F r a n ­ w aren , in  e in e  Ecke gesperrt und  durch ein  F en ste r 
zösischen S t r a ß e  ist, wie ich sagte, durchaus nicht der von den P o sten  d raußen  h ingem ordet w orden  sind.
einzige, und ich m uß  denjenigen  H erren , die neulich V erehrte  Anw esende, ich w ill e s  m ir  versagen, 
b e re its  bei der E rö rte ru n g  unseres A n tra g s  über die alle die anderen  zahlreichen F ä lle , in  denen die 
Zurückziehung der T ru p p en  a u s  den S chu len  be­ D inge  genau so liegen , w ie in  den von m ir  be re its  
to n te n , daß durch diese T ru p p en  erst die S icherheit m itge te ilten , vo rzu füh ren . A ber ich bin jederzeit 
in  den S tr a ß e n  gew ährleistet sei, doch die F ä lle  d a r­ dazu bereit, u n d  jeder R e d n e r von I h n e n ,  der be­
legen. a u s  denen ganz deutlich hervorgehr, daß auch stre iten  wollte, daß  solche D in g e  in  g roßem  U m fange 
d as  durchaus nicht richtig ist. vorgekom m en sind, d aß  H underte  von M enschen a u f 
U n te r den M atrosen  befanden sich, w ie ich sagte, G ru n d  dieses ungesetzlichen S ta n d re c h ts  ih r  Leben 
bürgerliche E lem ente. A ber u n ter denjenigen, die verloren  haben, w ürde  mich zw ingen , a u s  dem  reich-- 
-außerdem an  die K ugeln der R e a ie ru n g s iru p p e n  haltigen  M a te r ia l , d as  m ir  noch zu r V erfügung  steht, 
haben glauben müssen, befinden sich eben fa lls  eine Dutzende von ähnlichen F ä lle n  m itzu te ilen , auch 
ganze R eihe  von P ersonen , die w eder m it der u n ­ F ä lle , die I h n e n  durch die Presse b isher noch nicht 
abhängigen , noch m it der kommunistischen, noch m it bekannt gew orden sind. D e n n  w enn  S ie  g lauben, 
der rechtssozialistischen P a r te i  irgend e tw a s  zu tu n daß „D ie  F re ih e it"  a lle s  m itg e te ilt h a t, io irren  S ie
        
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