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Periodical volume 2. April 1919

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1919

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Sitzung am 2. April 1919
Ich möchte vor allen Dingen jagen: heule wer­ daß dies Angelegenheiten hier zur Srache gebracht 
den die Dinge jo dargestellt, als wenn der General­ werden. Das wissen w ir ja «längst, daß Ihnen diese 
streik. der hier von den Arbeitern erklärt worden ist, Dinge unangenehm sind. Aber w ir lassen uns das 
unter Zustimmung der rechtssozialistischen Arbeiter- Recht nicht nehmen, hier darauf einzugehen.
räte, wie ich ausdrücklich feststellen möchte,
(Rufe bei den Bürgerlichen: Zeitvergeudung! — 
(Zuruse: T rifft nicht zu!) Rufe bei den Unabhängigen: W ir haben Zeit!)
daß dieser Generalstreik mit den Straßenkämpfen in Ich muß, um alle die Tinge zü kennzeichnen, 
unmittelbarstem Zusammenhange steht, ja, daß die die sich im Laufe dieser Zeit abgespielt haben, vor 
Straßenkämpfe mit aus dem Programm dieses Ge­ allen Dingen darauf eingehen, wie systematisch die 
neralstreiks gestanden hätten. Ich will demgegenüber ganze öffentliche Meinung irregeführt worden ist. 
nacht aus die Ausführungen der Arbeiter und Ar- Man hat in der gesamten Berichterstattung das Be­
beirersührer verweisen, die das bestreiten, sondern streben verfolgt, die Macht der Aufständischen unge­
ich will Ihnen als Zeugen, der wahrscheinlich auch heuer groß zu schildern. Man hat weiter immer 
Ihnen unverdächtig erscheint, den Hauplmann von den Eindruck zu erwecken gesucht, als wenn ihr Vor­
Molizhsowicz vom Generalkommando Lüttw iy gehen das denkbar gemeinste und grausamste gegen 
nennen, der in einer offiziellen Besprechung mit der die Regicrungstruppen gewesen sei.
Berliner Presse erklärt hat: „Der Generalstreik ist 
scharf zu trennen von dem bewaffneten Aufruhr" (Zurufe: War es auch!)
und weiter sagt:
Die Führer und Anhänger der Unab­ W ir stehen nicht an. wie ich eingangs bereits sagte, 
hängigen waren gegen den Aufruhr. Ebenso jede Gewalttätigkeit zu verurteilen,
hielten die Führer der Kommunistischen Par­
tei die Zeit für den von langer Hand vorbe­ (Stadtv. Heilmann: Jede?!)
reiteten Aufruhr zur Durchsetzung ihrer Ziele 
fetzt noch nicht für gekommen. — jede Gewalttätigkeit zu verurteilen. W ir haben 
Die Vorgänge, die sich am Dienstag nach der E r­ auch kein Hehl daraus gemacht und tun es auch an 
klärung des Generalstreiks auf dem Alexanderplatz dieser Stelle nicht, daß die Grausamkeiten, die gegen 
abgespielt haben, verdanken ihre Ursache der R iva li­ die Regierungstruppen verübt worden sind, niemals 
tät zwischen den Regierungstruppen und der Re­ unsere Billigung finden werden. Aber gerade die 
publikanischen Toldatenwehr bzw. der Volksmarine­ Dinge, die den Spartakisten und überhaupt den Auf­
division. Aber wenn bisher nur darauf hingewiesen rührerischen zur Last gelegt worden sind, haben sich 
worden ist, daß rein materielle Motive in dieser ja $um allergrößten Teil als der größte Schwindel 
R ivalität eine Rolle gespielt haben, so möchte ich erwiesen,
demgegenüber doch darauf Hinweisen, daß viel wich­
tiger als diese Motive das Motiv war. daß bei den (Sehr richtigst! bei den Unabhängigen)
freiwilligen Truppen der alte mlitaristische Geist 
wiederhergestellt worden ist, während bei der Re­ den es jemals gegeben hat.
publikanischen Toldatenwehr und Volksmarinedivi­
sion die Wahl der Führer durch die Mannschaften (Zurufe: Siehe Lichtenberg!)
selbst vorgenommen wurde. Schon über den Umfang und die Heftigkeit der 
(Unruhe.) Kämpfe sind Tag für Tag Berichte in die Zeitun­
gen gekommen, die durchaus den Charakter der Un­
wahrheit an der S tirn  trugen.
— Es handelt sich, genau wie bei dem Konflikt, der 
zwischen den Berliner Schutzleuten und.dem Polizei­ (Sehr richtig! bei den Unabhängigen.)
präsidenten in Berlin ausgebrochen ist. um m ili­
taristische Motive. Eines Tages hieß es, die Bötzowbraucrci sei von 
(Zuruf bei der Bürgerlichen Fraktion: Gehört >a den Spartakisten zu einer wahren Festung ausge­
gar nicht zur Sache!) staltet worden.
Diese Berliner Schutzleute sollen jetzt auch in  ein 
militaristisches Verhältnis hineingespannt werden, (Zuruf bei der Bürgerlichen Fraktion: Und das 
weil sie sich damals an den Straßenkämpfcn nicht Volksmarinehaus?)
beteiligt haben.
I n  derselben Nummer, in der das Berliner Tageblatt 
(Wiederbolte Rufe: Zur Sache! — Glocke des Vor­ diese Mitteilung, die aus einer Korrespondenz 
stehers.) stammte, brachte, mußte es die Berichtigung des 
Oekonomen der Bötzowbraue^ei veröffentlichen, daß 
Vorsteher Dr. Borchardt. Ich bitt-, den Redner das Gebäude weder von den Spartakisten besetzt noch 
nicht zu unterbrechen. von den Regierungstrupen erstürmt worden sei. 
Das Berliner Tageblatt, und natürlich auch der 
Stadtv. Dr. Hertz: Verehrte Anwesende, Sic Vorwärts, brachten an diesem Tage ebenfalls die 
brauchen mir gar nicht zu sagen und durch Ihre Zu­ Mitteilung, daß die Volksbühne, das von den A r­
rufe zu beweisen, daß Sie unangenehm davon be­ beitern mit aller Inbrunst, m it aller Begeisterung 
rührt sind, geschaffene große Kunstwerk, von den Spartakisten 
besetzt sei und gegenwärtig Gegenstand des er­
(Lachen bei den bürgerlichen Parteien)' bittertsten Streites fei. Im  Vorwärts hat sogar
        
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