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Periodical volume 19. März 1919

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1919

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Sitzung am 19. März 1919
I c h  sagte schon e in m a l : in  hygienischer B ez ie ­ allen  U m ständen  der V o r lä u fe r  fü r  die künftige S o ­
hung  und  in  bezug a u f  d ie  Beschaffenheit d e s  B r o te s  z ia l is ie rung  sein w ird ,  u n d  die S o z ia l i s ie ru n g  —  da­
kann bei der musrergüUigen E in r ich tu ng  der G r o ß ­ gegen können S i e  sich nicht s träu ben  —  ist e ine N a ­
bäckerei —  und so m u ß  natürlich auch ein  kom m u­ turnotw end igke it ,  und  sie w ird  im  L aufe  der E n t ­
na ler  B e tr ieb  eingerichtet werden —  die G esam theit  wicklung komm en, dessen können S i e  sicher sein. I c h  
der Bevölkerung n u r  g u t  aufgehoben sein. b in  überzeugt, daß  auch S i e ,  die S i e  heute e ine so 
W e n n  hier von  verschiedenen S e i t e n  K lagen  furchtbare A b ne ig un g  gegen die S o z ia l i s ie ru n g  an  
darüber  anges tim m t worden sind, wo d a n n  die klei­ den T a g  legen, sich u n te r  der W irku ng  der S o z i a l i ­
nen Existenzen bleiben, so stehen w ir  doch a u f  dem sierung glücklicher fühlen w erden  a l s  jetzt u n te r  dem 
S ta n d p u n k t ,  daß  w ir  d a s  A llgem einw ohl zu fördern  privatwirtschaftlichen S y s te m .
haben und  das  A llgem einw ohl steht u n s  u n te r  allen 
U m ständen  höher a ls  d a s  W oh l  einer bestimmten (Lebhafter  Widerspruch bei d e n  bürgerlichen 
G ru p p e  von  Existenzen inn e rh a lb  e iner  K o m m u n e .  P a r t e ie n . )
E s  m u ß  u n s  natürlich in  allererster L in ie  a m  H e r ­
zen liegen, d a ß  die G esam theit  in  bezug a u f  die —  M i t  n e in  ist nichts gesagt. G e ra d e  deshalb  wollen 
B e lie fe rung  m it  N a h ru n g s m i t te ln  g u t  und  muster­ w ir  ja  sozialisieren, w e i l  W a re n  e rzeug t  werden 
gült ig  aufgehoben ist. D a s  kann sie natürlich n u r ,  müssen, weil w i r  gezwungen sind. W a re n  zu erzeugen 
wenn sie von  einer le is tungsfähigen  Bäckerei in  einer und  d ie  P r o d u k t io n  a u f  d a s  Höchste zu steigern. D a s  
K o m m u ne  bedient werden w ird . kann n u r  wirksam au f  der G ru n d la g e  der S o z ia l i s ie ­
W e n n  n u n  gesagt w ird ,  daß  diese staatlichen ru n g  geschehen.
und kom m unalen  B e tr ieb e  te u re r  a rbe i ten ,  —  sa, so E s  ist m ir  na türlich  inn erha lb  des S c h lu ß w o r t s  
will ich d a s  unterstreichen. D e n n  die L öhne  und  die nicht möglich, a u f  alle  d ie S ch ie fhe i t in ,  d ie  h ie r  ge­
E inkom m ensverhältu issc  in  solchen m ustergültigen ä u ß e r t  w o rden  sind, von  m e inem  S t a n d p u n k t  a u s  
B e tr ieb en  sollen natürl ich  grundverschieden von  den- einzugehen. I c h  m u ß  mich deshalb  d a m i t  bescheiden, 
senigen L öhnen  sein, die in  solchen kleinen Bäcke­ dtp B i t t e  auszusprechcn und  unseren  A n t ra g  a n z u n e h ­
reien  gezahlt werben. D o r t  sollen L öhne gezahlt men, d ie F r a g e  in e in e r  gemischten D e p u ta t io n  zu 
werden, die u n te r  allen U m ständen  a l s  vorbildlich behandeln . S e i e n  S i e  überzeugt, daß  w i r  innerha lb  
Zu gelten  haben  u nd  die e s  dem e inzelnen  Bäcker- der D e p u ta t io n  so a rb e i te n  werden, d a ß  w ir  in  dieser 
gehilfen ermöglichen, ein menschenwürdiges D ase in  F r a g e  sehr ba ld  g re ifbare  R esu l ta te  v o r  u n s  sehen, 
zu führen. und ich stehe nicht au f  dem S ta n d p u n k t  des  H e r rn  
D a n n  möchte ich S-re b i t ten ,  d a ra n  zu denken, O berbü rge rm eis te rs ,  der mich so freundlich anlächelt, 
verehrle i  H errK o l lege ,  w a s  diese g roßen  Bäckereien im d aß  noch viele Wochen i n s  L a n d  gehen werden, ehe 
In te re sse  der Reinlichkeit leisten. D ie  reinlichen A r ­ in  bezug a u f  die wirksame K o m m u na lis ie ru ng  irgend  
beitskleider der G eh ilfen , die B adeein r ich tungen  für e tw a s  P o s i t iv e s  geleistet w orden  ist.
die Bäckergesellen und  verschiedene an de re  san itäre  
E in r ich tu ng en ,  d ie S i e  in  I h r e n  kleinen B etr ieben  ( B r a v o !  bei den S o z ia ld e m o k ra te n . )
g a r  nicht haben können, die a b e r  gerade au f  die H e r ­
stellung der P ro d u k te  der L ebensm it te l in du s t r ie  von B o rs tehc r-S te l lv .  Dr. Frentzel:  H e r r  Kollege,
entscheidendem E in f lu ß  sind, fallen bei I h n e n  voll­ S i e  haben  in  I h r e n  A u s fü h ru n g e n  gegen d en  V o r ­
kom m en fort, d ie können S i e  sich nicht leisten. I c h  r ed ne r  Um Ausdruck n ie d r ig e s  N iv e a u  gebraucht. 
b in  überzeugt, daß  sich mancher kleine Bäcker a l s  L e i ­ Ic h  d a r f  an neh m e n ,  d a ß  S i e  d a m i t  durchaus  nicht 
te r  e ines  genossenschaftlichen B e t r ie b e s  wahrscheinlich haben  sagen w ollen: moralisch n ie d r ige s  N iv e a u ?
viel w ohler  fühlen w ird  a l s  in  seinem kleinen K r a m ­
laden. D a s  ist so selbstverständlich w ie  n u r  irgend ( S t a d t v .  Horli tz :  N e in ! )
möglich.
D a n n  ha t  H e r r  S t a d t v .  Z ic lenz iger  h ier eine E s  f reu t  mich, daß  ich d a s  feststellen kann.
sehr n ah rh a f te  R ede  gehalten ,
A ntragste l le r  S t a d t v .  Dr. Hertz ( S c h lu ß w o r t ) :  
(H eite rke i t)  . M e in e  D a m e n  u nd  H e r re n !  W i r  sind nicht ü be r ­
rascht, daß  unser A n t ra g  eine so eingehende D i s ­
lindem e r  von  H u m m e rw a y o n n a is o  u nd  Leberpaste ten  kussion hervorgerufen  h a t :  w i r  sind auch nicht davon  
gesprochen und  v or  gefährlichen E x p er im en ten  a u f  überrascht, d aß  H e r r  Dr. Frentzel im N a m e n  e ines  
dem G eb ie te  der K o m m u na lis ie ru ng  g e w a rn t  hat .  g roßen  T e i le s  der V e rsam m lu n g  grundsätzlich gegen 
Auch w i r  stehen a u f  dem S ta n d p u n k t ,  d aß  w ir  u n s  S t e l lu n g  genom m en  hat .  W i r  haben d a s  er­
keine gefährlichen E xp er im en te  machen sollen, auch w arte t ,  und  w ir  wissen genau , d aß  w ir  bei der S o ­
w ir  stehen grundsätzlich a u f  dem S ta n d p u n k t ,  d a ß  w ir  zialisierung m i t  dem entschiedenen W iders tand  des 
n u r  die B e tr iebe  kom m unalis ieren  wollen, —  und  ich gesamten B ü r g e r tu m s  zu rechnen haben, d a s  sich der  
sage ausdrücklich: kom m unalisieren , weil w i r  u n te r  S oz ia l is ie ru n g  widersetzt. A ber  dieser W iders tand  
S oz ia l is ie ru ng  e tw a s  g a n z  a n d e re s  verstehen, d a s  sind ist fü r  u n s  kein M o m e n t ,  u m  von  der D a r le g u n g  
D in g e ,  die m i t  e in and e r  n ichts  zu  tu n  haben , denn  unserer Anschauung und  der E rh e b u n g  unserer F o r ­
S o z ia l i s ie ru n g  ist Vergesellschaftung, S o z ia l i s ie ru n g  derungen  Abstand zu nehmen.
ist G ü te re rzeu gu ng  ohne den C harak te r  der W a r e ;  d a s  I c h  will  d a s  S c h lu ß w o r t  nicht zu langen  A u s ­
ist e tw a s  ganz  G rundverschiedenes von  dem, w a s  w ir  füh rungen  gebrauchen; ich will  n u r  feststellen, daß 
a l s  K o m m u na lis ie ru ng  zu betrachten haben, —  diese es m i r  anscheinend noch nicht gelungen ist, restlos 
K o m m u n a lis ie ru n g  soll also kein E x p e r im e n t  sein, K la rh e i t  d a rü b e r  zu schaffen, welcher Unterschied 
sondern sie soll a u f  streng durchdachter logischer zwischen S o z ia l i s ie ru n g  u n d  K o m m u na lis ie ru ng  be­
G ru n d la g e  in  die T a t  umgesetzt werden. S ic h e r  aber steht. S oz ia l is ie ru n g  ist gleichbedeutend m it  V e r ­
ist, d aß  d ie  K o m m u n a lis ie ru n g  der  B e tr iebe  u n te r gesellschaftung, und  w enn  der H e r r  O berbürge r-
        
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