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Periodical volume 19. März 1919

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1919

Sitzung am 19. März 1919
es würde wahrscheinlich überhaupt k-ein Unterschied setzen versucht haben, durchaus nicht im m er m it den 
aus diesen Bänken, w enigstens in  w irtschaftspoliti­ gleichen wirtschaftlichen Anschauungen durch eben 
scher B eziehung, sein. diese Z e it vergesellschaft sein m üß en , ich daß es  viel­
I m  übrigen  sind w ir  gegen diese w irtschaftspoli- leicht auch möglich ist, daß die, die auf S ie  folgen, 
tijchen Ansichten nicht etwa deswegen, weil sie von die I h r e  politischen Anschauungen w eiter ausb ilden  
sozialdemokratischer S e ite  herrühren, sondern w ir be­ wollen und werden, in  wirtschaftlicher Beziehung zu 
kämpfen sie von unserem S tan d p u n k te  auS  a ls  u n ­ anderen Id e e n  und Id e a le n  gelangen.
richtig, a ls  u n h a ltb a r auch dann , wenn sie von a n ­ N u n , davon abgesehen, liegt es m ir ob —  ich 
derer S e ite  Herkommen, von anderer S e ite , die po­ m uß um  Entschuldigung b itten , daß ich diesen 
litisch von Ih n e n  zum» T e il viel w eiter en tfe rn t ist kleinen historischen Exkurs gemacht habe — , unsere 
a ls  von un s, und gewisse A usführungen, die H err H altung , die Ih n e n  ja bekannt ist, n u r  m it einigen 
Dr. Hertz gemacht hat, lassen mich d arau f schließen, wenigen W orten zu begründen. S ie  ist Ih n e n , wie 
daß S ie  nicht ganz unbeeinflußt von Büchern und gesagt, nicht unbekannt, sie ist Ih n e n  aus der 
Schriften  sind, die in  den letzten J a h re n  erschienen W ahlbew cgung und unzähligen Büchern und Z e it­
sind, und die ich a ls  von anderer S e ite  a ls  von so­ schriften geläufig. Aber w ir halten n u n  einm al den 
zialdemokratischer S e ite  herstam m end bezeichnen sozialistischen W irtschaftsstaar nicht für den richtigen, 
möchte. und zw ar erstens e in m al deswegen, w as H err Dr. 
E s  ist ja  überhaupt eigentümlich, daß sich diese Hertz ganz richtig a ls  unseren G run d  angeführt hat, 
politischen G edanken, Id e a le  und Bestrebungen im w eil w ir in  demselben nicht die nötige wirtschaft­
Laufe der Geschichte so sehr verschieden m it w irt­ liche B ew egungsfreiheit fü r den einzelnen erblicken, 
schaftspolitischen Id e e n  und Id e a le n  vergesellschaftet die w ir au f G ru n d  unserer Lebensanschauungen, auf G run d  unserer politischen Anschauungen für den ein- 
haben. Am  instruktivsten ist die englische W ir t­
schafts- und politische Geschichte, a u f  die ich aber nicht teilten beanspruchen müssen, w eil w ir glauben, daß 
eingehen w ill. Ich  möchte n u r a u s  unserem P re u ß e n  in ihm  diese CIlbogcnfreiheit, diese M öglichkeit, sich nach eigenem  Wunsch und W illen wirtschaftlich zu 
einen einzigen F a ll  hervorheben. Z w ei preußische betätigen —  a lle rd ings und im  vollen Gegensatz zu 
K önige, absolute K önige im vollsten S in n e  des W or­ dem, w as H err Dr. Hertz ausgefüh rt hat — , nicht 
tes, w aren absolute G em einw irtschaftber; d a s  w ar vorhanden  ist und nicht die G ew ähr gegeben ist, daß 
Friedrich W ilhelm  I .  und sein S o h n  F riedrich I I .  der einzelne d a s  leistet, w as er zur B efriedigung 
S ie  w aren in  ihren wirtschaftspolitischen Tendenzen seines eigenen M enschengefühls und zur B efried i­
ungefähr so, wie sich jetzt die wirtschaftspolitischen gung dessen, w as der S t a a t  und die A llgem einheit 
F lu g b lä tte r der sozialdemokratischen P a r te i  beider v o n  ihm  erw arten  kann, wirklich zu leisten in  der 
S e ite n  lesen. S ie  w aren  starke S ied lu n g sp o litik e r Lage ist. W ir sind der M ein u n g , daß die Menschen, 
—  d as  w ird  I h n e n  bekannt sein — , sie beschäftigten die H err Dr. Hcitz sich konstru iert hat, n u r in  sehr 
sich m it dem K leinw ohnungsw esen und K le in ­ seltenen A usnahm en auf der W elt herum laufen . W ir 
w ohnungsbau im  In teresse  der ärm eren  B evölkerung; sind v ielm ehr der Ansicht, daß die größte M ehrzahl 
sie w aren  ab er vor a llen D in g en  G cm einw irte  auf «aller Leute, aller A rbeiter und U nternehm er, und 
dem G ebiet der B etriebe. S i e  haben eine große A n ­ 'was sie sein m ögen, zum Höchstmaß ih rer Leistungen 
zahl von F abriken  und W erken gegründet —  m an dadurch gebracht werden, daß eben auf dieses Höchst­
n ann te  das dam als M an u fak tu ren  — , in  ih rer mer- m aß eine besondere B elohnung gesetzt w ird, die sie 
kantilistischen Auffassung von d e r I d e e  ausgehend, sich erwerben und die sie in  F o rm  von E ig en tu m  
daß im  preußischen S t a a t ,  der d a m a ls  noch viel klei­ d a n n  auch behalten können.
ner w ar, möglichst a lles d a s  hergestellt w erden sollte, 
w as irgendwie hergestellt w erden könnte, dam it nicht W ir  sind w eiter der Ansicht, daß das R esultat de r W irtschaft nicht das sein w ird , w as sich die 
etw a d as  G eld in s  A u slan d  w andere und der P ro f i t  H erren  von ih re r O rd n u n g  versprechen, nämlich die 
davon dem  Staatssäckel verlo ren  gehe. S i e  haben größere  F ü lle , der größere Reichtum  an G ü tern  und 
eine große A nzahl von solchen W erken gegründet, und dam it ein  bequem eres, schöneres und reicheres 
das Eigentüm liche ist, d aß  eine ganze R eihe dieser L eben  fü r alle Menschen und alle A rbeiter. W ir  
Fabriken , von denen sich auch manche in  unserer N ähe sind nicht dieser Ansicht, sondern w ir glauben —  
befinden, z. B .  am  F in o w -K an a l, andere  in  Schlesien, und  ich stehe da gestützt auf persönliche E rfah rungen  
u n te r der E inw irkung  der R ev o lu tio n  des J a h r e s  in  m einer In d u s tr ie  — , daß die Zusam m enlegung, 
1848 a u s  dem  S taatsbesitz  w ieder abgestoßen w erden die ja gerade die Id e e , die H err Dr. Hertz vorgebracht 
m ußte. D am a ls , in  der ersten Z e it, a l s  die W elle hat, erfo rdern  w ürde, die Z usam m enballung der 
der R ev o lu tio n  eine R eihe von M ä n n e rn , die später B etriebe in große, unendlich schwer zu übersehende 
ihre M acht und ih ren  E in flu ß  w ieder verloren ha t­ Massenbekne're zunächst e inm al zu e iner E rs ta rru n g , 
ten, a n  die Spitze brachte, a ls  diese M ä n n e r an  d e r später A btö tung und dadurch zu einem  w irtschaft­
M acht w aren  und die S tim m u n g  nam entlich auch in  lichen Rückschritt führen m üßen. Auch in der P r i ­
der Gesetzgebung auf der ersten N atio n a lv e rsam m lu n g  vatwirtschaft sehen w ir schon, daß die K onzen tra tion  
eine dera rtige  w ar, hatte  m an andere  Id e e n . M a n  und die V ergrößerung der B etriebe, ihre F usion ie­
glaubte, es 's e i  zweckmäßig und richtig, w enn der ru n g  und sonst etw as ih r  A ehnliches, vom S ta n d ­
S t a a t  eine nicht zu aroße M acht dadurch au sü b te , punkt der Wirtschaftlichkeit ihre G renzen  ha t. W erden 
daß e r auch selbst große B etriebe hä tte . Diese F a ­ diese G renzen überschritten, so e rs ta rrt e in  B etrieb , 
briken. existieren zum T eil heute noch; in der N ähe und e s  tre ten  die F o lg en  ein, von denen ich vorher 
von Ebersw alde können S ie  sie sehen. Ich  erinnere gesprochen habe —  d as  habe ich selbst beobachten 
auch a n  die Königliche E isengießerei, die Fabriken  können — , und es t r i t t  nam entlich d an n  e in  und 
in  W üste-G iersdorf. Ic h  w ill d a ran  n u r  beweisen, m uß e in tre ten , w enn die M acht e ines solchen B e ­
daß politische Anschauungen, die sich jah rhunderte­ triebes so groß w ird , daß  er von der Peitsche des 
lang in  einer R ichtung bewegt, die sich jah rhunder­ W ettbew erbs m it anderen befreit ist oder w enigstens 
telang  in  einer R ichtung durch K äm pfe durchzu­ fü r eine gewisse Z e it  befreit erscheint. D a n n  er-
        
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