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Periodical volume 19. März 1919

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1919

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Sitzung am 19. März 1919
Eine andere Frage, die ia auch in unserem An­ gewiesen sind, ist überlastet. Immerhin wird aber 
trag angeschnitten ist, betrifft die Errichtung eines zu prüfen sein, ob wir uns in Rücksicht auf die schlech­
Krematoriums. Auch diese Frage war in Char­ ten Finanzen a l l e i n  ein Krematorium werden 
lottenburg eine brennende. Als wir seinerzeit unse­ leisten können. Es empfiehlt sich deshalb vielleicht, 
ren ©emeindefricdbof nicht bekamen, wurde von allen mit Wilmersdorf und Schöneberg Fühlung zu neh­
Seiten des Hauses betont: dann wollen wir doch men. Meine Fraktion legt großen Wert auf die 
wenigstens einmal die Frage des Krematoriums Schaffung eines i n t e r k o n f e s s i o n e l l e n  
anschneiden. Auch hierbei haben wir mit außer­ F r i e d h o f e s  und die Errichtung eines Krema­
ordentlichen Schwierigkeiten und Widerwärtigkeiten toriums und wird geschl ossen für den Antrag 
kämpfen müssen. W ir konnten aber einesteils auf stimmen.
Grund der Gesetzgebung und andernteils der sonsti­
gen Schwierigkeiten wegen auch diese Frage nicht Stadtv. Dr. Luther: Meine Damen und
verwirklichen. Dann haben wir die Frage des Herren! Ich bin wesentlich anderer Meinung wie die 
Urnenhaines oder der Urnenhalle angeschnitten, die Herren Vorredner. Ich habe seinerzeit auch zu den­
aber auch auf sich beruhen blieb. Kurz und gut, jenigen gehört, die eine Friedhofsanlage in un­
die Begräbnisfrage ist hier für uns in Charlotten­ mittelbarer Nähe der Stadt Chanlottenburg ge­
burg außerordentlich dringend. wünscht haben, und habe seinerzeit mit dem Bürger­
Wir möchten daher heute bitten, daß unser meister Motting selbst die Regierung in Potsdam 
Antrag von allen Seiten des Hauses einstimmig an­ aufgesucht, um sie dazu zu bewegen. Die Regierung 
genommen wird. Wir schaffen damit gleichzeitig war damals nicht dazu zu bringen, und sie hat die 
auch ein Stück soziale Arbeit, indem wir durch die Kirchenbehörden, wie ich hiermit richtigstelle, ge­
Herstellung eines derartigen Friedhofes mit den zwungen, den Friedhof in Stahnsdorf in so weiter 
von uns noch beantragten Einrichtungen vielen Entfernung, wie er tatsächlich liegt, anzulegen. Aber 
Menschen wieder Arbeit geben. 'A n  Grund und dadurch haben sich die Dinge wesentlich verändert.
Boden,, glaube ich, mangelt cs uns wohl nicht, und Das, was Sie setzt wünschen, einen kommunalen 
ich wage heute zu behaupten, daß uns einen derarti­ Friedhof, ist in Wirklichkeit in Stahnsdorf vorhan­
gen Widerstand, wie ihn uns die alte Regierung be­ den. Denn es ist nicht an dem, was Herr Kollege 
reitet bat. die neue nicht eintaeaeu-sitzen wird. und Gebert gesagt hat, daß irgendwelche Schwierigkeiten 
daß wir setzt mit allen diesen Widerwärtigkeiten in bezug auf die Aufnahme Andersgläubiger be­
nicht zu kämpfen haben. Darum wird nach meinem stehen: im Gegenteil, w ir besitzen außer den Blocks 
Dafürhalten diese Frage außerordentlich leicht zu für die einzelnen Kirchengemeinden einen großen, un­
lösen iein, und sie ebnet auch gleichzeitig die Wege mittelbar neben der Kapelle liegenden Block zur Auf­
zur Lösung der anderen Fraaen, die mit der Be- nahme jedes Charlottenburgers, der dort beerdigt zu 
gräbnissrage eng verbunden sind. Ich bitte Sie, werden wünscht. Dieser Block ist in keiner Weise 
aus allen diesen Gründen dem Antrage zuzu­ anders ausgestattet wie die Blocks der evangelischen 
stimmen. Kirchengemeinde, die zuerst nach Stahnsdorf ver­
wiesen worden ist. Es ist auch nicht richtig, daß 
Stadtv. Bollmann: Der Herr Antragsteller er­ besondere Geldickwieriakeiten bei der Aufnahme 
wähnte bereits, daß hier kein neuer Antrag vorliegt. Andersgläubiger gemacht werden: im Gegenteil, 
Ich möchte meinerseits feststellen, daß der gleiche An­ auch die Andersgläubigen bezahlen in Stahnsdorf 
trag bereits vor 17 Jahren, im Jahre 1902, von der genau dieselben außerordentlich billigen Sätze.
liberalen Fraktion eingebracht worden ist, allerdings 
nur in Bezug auf den Gemeindefriedhof. Regel­ Meine Damen und Herren, bei der Anlage eines 
mäßig haben sich dann die Anfragen über den Stand Friedhofes gibt es acwisie Gesichtspunkte, auf die 
der Angelegenheit wiederholt! w ir haben im Laufe ich Sie hinweisen möchte, um Sie darauf aufmerk­
der Jahre fünf- oder sechsmal angefragt, wie weit die sam zu macken, daß Sie voraussichtlich die Dinge nicht bester gestalten können, als sie in Stahnsdorf 
Förderung dieses Projektes gediehen sei. Tatsache setzt tatsächlich bestehen. Die erste Bedingung für 
ist. daß die frühere Regierung uns stets Schwierig­ einen Friedhof ist, daß er leicht und bequem er­
keiten gemacht hat, und daß. wenn uns der Magistrat, reichbar ist. Ich behaupte, daß die Bequemlichkeit 
der sich die allergrößte Mühe in der Friedhofsfrage und Erreichbarkeit etwa nach der Jungfernheide oder 
gegeben hatte, ein geeignetes Terrain vorschlug, uns mach der Döberitzer Heerstraße keineswegs besser ist 
dann stets von der Regierung ein Knüppel zwischen als die nach Stahnsdorf. Man fährt vom Bahnhof 
die Beine geworfen wurde. Allerdinas standen ja Friedrichstraße in 50 Minuten und vom Bahnhof 
immer die K i r c h e n b e h ö r d e n  dahinter, die na­ Charlottenbvrg in 29 Minuten bis vor die Pforten 
türlich mit allen Mitteln verhindern wollten, daß mit des Friedhofs. W ir haben vor dem Kriege 20 Füge 
Rücksicht auf das Fentralfriedhofsprofekt hier e i n täglich dorthin gehabt: der Kriegszustand kann 
K o m m u n a l f r i e d h o f  errichtet werden sollte. natürlich da nickt maßgebend sein. Wir werden, 
Meine Damen und Herren, die Stadtverord­ nachdem der Friedenszustand endgültig eingetreten 
netenversammlung hat stets auf dem Boden des An­ ist. Pendel-üae einrichten — das ist uns pon der 
trags gestanden, und ich hoffe, daß sie auch heute Cistnbahndirektion schon zugesagt worden — , so 
wieder zu einem einstimmigen Votum gelangen wird. daß ein halbstündiger Verkehr von Wannsee noch 
Ich fürchte nicht, daß uns die Regierung diesmal Stahnsdorf besteht. Leicht und billig ist dieser 
wieder die Sache erschweren wird. da ja in unserer Friedhof also zu erreichen.
Mitte der preußische Ministerpräsident und auch der Wer wie ich berufsmäßig immer auf Friedhöfe. 
Herr Polizeipräsident sitzen. Die Feuerbestattung muß, der iavt Ihnen ganz offen, daß ich hundertmal 
findet immer mebr Anklang, trotz der leider noch lieber noch Stahnsdorf fahre, als in einer elenden 
immer so selF erschwerten Formalitäten, d ie  ba l d Kutsche, wie wir sie setzt nur haben, nach einem Ber­
b e s e i t i g t  we r d e n  müssen. Das Berliner liner Friedbof. Cs ist auch kein Vergnügen und 
Krematorium in der Gerichtstraße, auf das wir an­ spart keine Feit, von der Tauentzienstraße nach dem
        
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