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Periodical volume 19. März 1919

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1919

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Sitzung am 19. März 1919
keinem Menschen, also auch nicht dem Hausbesitzer, Der Magistrat wolle beschliesien, dasi eine 
zuzumuten sei, dass er freiwillig an seinem Besitze, bessere Müllverwertung in der Bürgerschaft an­
von dem er Vorteil haben mutz, um leben zu können, gestrebt und angeregt wird, und wolle in der zu­
Verluste erleidet. „Wir wenden es deshalb nur als ständigen Kommission vorbereitende und prak­
etwas Natürliches anzusetzen tzaben, wenn er diese tische Schritte dazu empfehlen:
Verluste auf dem normalen Wege der Mietsteigerung 1. Hebung der Kleinviehzucht, wie Kanin­
auszugleichen strebt." chen, Meerschweinchen.
Cs kommt hinzu, meine Damen und Herren, 
dass bei dieser Abwälzung auf die Mieter Ungerechtig­ — Ich möchte bemerken, dasi dieses Tier in Süd­
keiten und Härten nicht zu vermeiden sind. Denn nur amerika als Nahrungsmittel in grossem Umfange ge­
aus diejenigen Mieter kann ein Teil der Mehrzahlung braucht wird und dass in Südamerika bei jeder Küche 
abgewälzt werden, deren Kontrakte kündbar oder am ein Stall dafür vorhanden ist, in dem Meerschwein­
Ablaufen sind. Auf Liese Weise wird also leicht ein chen durch Verfütterung von Küchenabfällen gezogen 
mehr als üertzältnismäsicher Teil, von dem der ein­ werden, die ein Volksnahrungsmittel erster Güte bil­
zelne durch die Mieterhöhung betroffen werden sollte, den, ein Fleisch geben, 'dessen Wertung zwischen 
denjenigen aufgebürdet, die gerade vor dem Ablauf Huhn- und Kaninchenfleisch schwankt: kulinarisch ist 
oder vor der Kündigung ihres Mietskontraktes stehen. es einivandfrci. W ir haben eben ein Vorurteil da­
Die Folge könnte daher sein. dasi eine allgemeine gegen, weil wir es in bakteriologischer Beziehung zu 
Mietsverteuerung eintritt, die nach unserer Ansicht viel brauchen. Wenn Sie aber solche Einrichtung 
ein Unglück für die Bevölkerung und ein Unglück für träfen, würde sich schon allmählich der Nutzen bei der 
das städtische Gemeinwesen bedeutet, das Gegenteil in Zukunft nur geringen verfügbaren Fleischquelle 
von dem, nach dem wir streben. herausstellen. —
Deshalb haben wir es uns im Ausschuss energisch ausserdem Ziegen durch Mehrverfütterung von 
angelegen sein lasien, zu prüfen, ob nicht diese Er­ frischen und getrockneten pflanzlichen Abfällen.
höhung der Gebühr zu vermeiden oder wenigstens in — Wir müssen auch anstreben, dass die frischen Kar­
geringerer Höhe festzusetzen ist. Da fanden wir unter toffelschalen usw. nicht verkommen, sondern dasi man 
den Ausgaben einen Posten, über den heute schon zu sie trocknet, was besonders dort, wo Zentralheizun­
Ansang der Tagesordnung gehandelt worden isst, näm­ gen sind, leicht durch Anbringung von Hürden ge­
lich den Posten für das Defizit aus der Müllbeseiti­ schehen könnte. —
gung im vorigen Jahre, der mit 250 000 dl dem Etat 
zur Last geschrieben ist. Es erwies sich jedoch nach 2. Einrichtung von Sammelstellen für 
langen Debatten als unmöglich, diesen Posten her­ Metall, Flaschen, Papier und Abfälle aller 
auszubringen und durch irgendeine 'andere Einnahme Art.
zu ersetzen. Meine Freunde in der Demokratischen Diese Sammelftellen müssten vom Magistrat einge­
Fraktion sehen sich deshalb genötigt, dem Etatvoran­ richtet. dann vielleicht verpachtet werden. Ich habe 
schlag, wie er Ihnen vorliegt, zuzustimmen. Wir tun eine solche Sammelstelle ein Jahr lang zur Probe 
das aber mit dem Vorbehalt, 'dass wir bei der Bera­ durch vier Vereine errichtet. Diese hat sich durchaus 
tung der anderen Etattitel eine ernste Prüfung an­ rentiert. Das Kapital ist verdoppelt und 5% extra 
stellen werden, ob es nickt möglich ist, für die Be­ verdient. Wenn eine Pachtung einträte, würden sich 
messung der Lasten des .Hausbesitzes eine anderweite die Einnahmen wahrscheinlich reduzieren, aber wir 
Verteilung eintreten zu lasien. Wir werden dann, würden doch diese grossen Mengen M üll nicht weg­
wenn wir das Gesamtergebnis der Ausgaben und der zutransportieren haben und dadurch Geld sparen, auf 
zu Gebote stehenden Einnahmen übersehen können, der andern Seite immer noch eine Einnahme schaffen.
versuchen, ob es nicht möglich ist, durch Bemessung 3. Einrichtuna von Plätzen zur Sortierung 
der Grundsteuer oder anderweit die erhöhte Belastung, von Kohle und Asche kunausgenutzte Kohle für 
die mit Annahme dieser Vorlage dem Hausbesitz auf­ Freibrand Unbemittelter) und Schaffung von 
erlegt wird, in billige Rücksicht zu ziehen. Eid magazinen.
Stadtv. Frau Hehl: Geehrte Anwesende! Die Es sind seinerzeit Stichproben in der Kohlenverwer­
Frauen sind in einem Augenblick in die Verwaltung tung vom Kriegsamt gemacht worden, und man hat 
eingetreten, wo die sieben mageren Jahre einsetzen. vielfach 40% unausgenutzte Kohle in den Zentral­
Deswegen erlauben Sie mir, eine Anregung zu geben, heizungen gefunden. Diese unausgenutzte Kohle schaf­
die von meiner Fraktion für würdig befunden worden fen wir mit grossen Mitteln aus der Stadt und 
ist, hier ausgesprochen zu werden. lassen hier unsere armen Leute frieren. Ebenso ist es 
Ich glaube, dasi es durchaus notwendig ist; dasi mit der Asche. Es ist verwunderlich, dass man alle 
wir in der Zukunft — ich spreche nicht von diesem diese mineralischen Bestandteile wegtut, während wir 
Etat, denn daran wird ja nichts zu ändern sein — eine Fuhre Erde mit 20 dl bezahlen müssen. Wir 
eine Selbsthilfe durch Verminderung des Mülls haben grosse Plätze, wo man Stellen schaffen könnte, 
schaffen müssen. Wir haben Millionen ausgegeben, um mit Hilfe von Strassenmüll und Asche die Erde 
um diese Millionenwerte aus der Stadt zu schaffen. zu präparieren. Wir müssen die Abfallsioffe mög­
Das kommt uns Frauen ganz sonderbar vor, die wir lichst hygienisch ausnutzen und die Kosten der Abfuhr 
gewohnt sind, mit Kleinem zu arbeiten und aus 'dem verringern. M ir  kommt dieser ganze Etat vom 
Kleinen Grosses zu schaffen. Ich meine, dasi teilweise Fvauenftandpunkt aus einfach unmöglich vor.
die Verbesserung in einer Erziehung des Volkes be­ Ich bitte, diese kleine Anregung freundlich auf­
stehen musste, die wir Frauen ja durch unsere Ver­ zunehmen und sie gelegentlich durch die richtigen 
eine und durch die Schulen vorzunehmen haben, dasi Stellen in der Bevölkerung wirken zu lassen, welche 
aber anderseits feer Magistrat feie Bestrebungen zur angesichts der höheren Kosten feer Müllabfuhr sicher 
Müllersparnis unterstützen sollte. Ich möchte also darin Mittel finden kann, sie künftig wieder niedriger 
folgende Anregungen geben: zu halten.
        
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