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Periodical volume 4. September 1918

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1918

Sitzung um 4. September 1918
sagen zu dürfen, daß die Schwierigkeiten der äußeren Gebiete durchaus im Interesse Groß-Berlins liegt. 
Organisation, der Frage, wer den Verbaiw nach W ir wünschen das Zustandekommen, des Verbandes 
außen vertreten soll, wie die Kompetenzen in dom also nicht nur im Interesse der Stadt Charlotten­
Organismus des Verbandes abgegrenzt werden burg. sondern im Interesse der ganzen Groß-Berliner 
sollen, solche sind, daß man aus ihre Bewältigung Gemeinschaft.
unter allen Umständen wird rechnen dürfen. Zwar Ich möchte aber auch keinen Zweifel daran 
glaube ich, wenn z. B. die Meinung vertreten wor­ lassen, daß für den Fall, daß ein solches Zusammen­
den ist, daß der Oberbürgermeister von Berlin der arbeiten nicht möglich wäre, Charlottenburg dann eben 
geborene Vorsitzende dieses Groß-Berliner Woh- für sich allein das Erforderliche tun muß, um ins­
nungsveibandes sei, daß das nicht ganz so selbstver­ besondere derjenigen Bevölkerung, die in Charlotten­
ständlich ist, zumal gerade bei Wohnungsfragen das burg selbst erwerbstätig ist, die Möglichkeit einer 
Schwergewicht nicht im Zentrum, sondern an der Unterkunft innerhalb des Weichbildes von Char­
Peripherie, Lei den Vororten, liegt. Ich will mich lottenburg zu geben. Ich hoffe, es wird nicht dazu 
positiver Vorschläge nach dieser Richtung hin ent­ kommen, sondern es werden dieselben Gedanken, die' 
halten, da ja darüber auch vielleicht die Ansichten uns hier leiten, auch in  anderen Groß-Berliner Ge­
geteilt sind. Ich begnüge mich damit, zu sagen, daß meindevertretungen mächtig sein, so daß die E ini­
das eine Frage ist, über die -man jedenfalls bei gutem gung erzielt wird, die erzielt werden muß.
Willen sich schon einigen könnte. Tatnit möchte ich mich zu dem zweiten Teil 
Wesentlich schwieriger liegt die andere Frage: unserer Anfrage wenden. Diese Frage geht dahin, 
der Verteilung der finanziellen Lasten unter den ein­ ob bereits Schritte eingeleitet sind, um die Bewilli­
zelnen Gemeinden. Soweit man hört.Zst der Disfe- gung von S t a n t s ni i t t e l  n zu Maßnahmen der 
renzpunkt der, daß von der einen seile verlangt Wohnuugssürsorge zu erwirken. Meine Herren, ich 
wind, es soll der Maßstab der Belvohnerzah^ zu­ darf sie kurz an die Tatsachen erinnern, die vor­
grunde gelegt werden, während die andere Seite liegen und jedermann bekannt sind. Durch den 
als den einzig richtigen Maßstab den des Steuer- Krieg sind die Baukosten außerordentlich gesteigert 
ausbringens ansieht. Man braucht keine besondere worden. Um wieviel, darüber schwanken die An­
Sachkunde zu besitzen, um sich zu sagen, daß der sichten. Haberland, der auf diesem Gebiete sicherlich 
letztere Standpunkt vorzugsweise von den östlichen sachkundig ist, nimmt an, daß sie 150 % höher sind 
Gemeinden vertreten wird. Gs_ scheint nach dem äks vor dem Kriege. Daß bei Friedensschluß sofort 
Bericht, als ob insbesondere die stabt Neukölln ge­ ein Sinken der Baukosten eintreten wird, ist nicht 
wisse Schwierigkeiten nach dieser Richtung macht. anzunehmen. Wollte man unter diesen Umständen 
N e u k ö l l n  soll den Standpunkt vertreten haben, abwarten, bis der Privatunternehmer allein auf sein 
daß es kein besonderes Interesse an dem Zustande­ eigenes Risiko den Bau von Wohnungen aufnimmt, 
kommen des Verbandes habe, da das Angebot von so würde das nach zwei Richtungen sehr erhebliche 
I und ’2 Zimmer-Wohnungen den Bedarf über­ Gefahren mit sich bringen. Einmal würde das ge­
steige. Nun, wer die Statistik liest, der wird sich über samte Mietsniveau gesteigert werden; die Mieten, 
die' Begründetheit dieses Entwurfs nicht im Un­ die in solchen Häusern bezahlt werden, müßten eine 
klaren sein. Wenn aber gar die stabt S p a n d a u -  Höhe erreichen. die nicht nur der Bevölkerung außer­
erklärt, daß sie fein wesentliches Interesse an dem ordentliche Lasten auferlegen würde, sondern auch 
Zustandekommen des Wohnungsverbanves habe, in den alten Häusern automatisch ein steigen der 
weil sie selbst Millionen zur Bekämpfung der Woh­ Mieten zur Folge hätte, und damit wahrscheinlich 
nungsnot aufgewendet hat, so wissen w ir nicht nür auch den sehr notwendigen Sanierungsprozeß des 
o ä s '  der Statistik, daß die Zahl der leerstehenden Hausbesitzes hindern würde. Noch aktueller ist, wohl 
Wohnungen nirgends so gering gewesen ist wie in die zweite Folge. Wer unter den gegenwärtigen 
Spandau, sondern es weiß auch jeder, der die Ver­ Umständen bauen würde, der müßte einen Kapital­
kehrs- und Wohnungsverhältuissc kennt, daß ein verlust riskieren, der einfach unerträglich ist. Denn 
großer Teil derjenigen Bevölkerung, die in Spandau du der Wert des Hauses im Verhältnis des Sinkens 
arbeitet, in Spandau keine Unterkunft mehr findet der Baukosten sich ermäßigt, da eine Ermäßigung der 
und' Der in Charlottenburg Wohnung suchen muß. Mieten allmählich eintreten würde, so würde das in 
Ich glaube aber, daß es überhaupt keinen rechten solche Bauten gesteckte Kapital sich auf die Dauer 
Sinn hat, wenn die einzelnen Gemeinden gegen­ nicht verzinsen können. Nehmen w ir z. B. an, daß 
seitig abwägen, ob die eine oder andere ein um ein die Baukosten in dauerndem Zustande nach dem 
halbes oder ganzes Prozent «höheres Interesse an dem Kriege etwa 50 bis 70 % höher sind, als sie vor dem 
Zustandekommen des Verbandes hat. Für Char­ Kriege waren, so würde sich eine Differenz von min­
lottenburg bejahen wir die Wichtigkeit und Notwen­ destens 80 % ergeben, die natürlich dem Unterneh­
digkeit des Zustandekommens; und wenn etwa der mer zur Last fiele und die allerunerträglichsten Folgen 
Zudrang nach Charlottenburg stärker sein sollte als haben würde. Daß die Bautätigkeit in der Ueber* 
nach anderen Gemeinden, so liegt es vielleicht nicht gangszckit deshalb durch Zuschüsse! jaus äffe tätlichen 
nur daran, daß unsere Stadt eine besonders schöne Mitteln gefördert werden muß, ist eine Notwendig­
ist, sondern daß sie " auch einer besonders popu­ keit, von der man sich aus allen Seiten überzeugt 
lären Verwaltung erfreut. Doch ich will das da­ hat. Insbesondere hat der R e i c h s t a g  aus An­
hingestellt sein lassen. Ich halte die Fmge für durch­ trag der Wobnungskommission 500 Millionen aus 
aus ungeeignet, solche kleinlichen Zänkereien zu ver­ Reichsmitteln bewilligt zwecks Gewährung von Bau- 
anstalten. Wenn w ir für Charlottenbura bejahen, zuschüssen und billigen Darlehen sowie zur Bildung 
daß ein Wohnungsmangel herrscht, der sich, wie es eines Bürgschastsfonds.
in der Natur der Sache liegt, verschärfen kann, so So weit kann man damit durchaus zufrieden 
wissen wir aus den anderen Gemeinden, daß die sein. Aber zweifellos wird die Verteilung dieses 
Dinge dort genau ebenso liegen und daß deshalb ein Zuschusses Angelegenheit der Gemeinde sein. Das 
i'jusammenarbeiten sämtlicher Gemeinden auf diesem ist nun der Punkt, der uns hier interessiert. Ich
        
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