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Periodical volume 27. Februar 1918

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1918

2 0  etgimg am S . Fcbruar 1018
daß wir über diese vomussich-tliche Jfteinmhme er­ einigen Worten eingehen, indem ich hier an dieser 
heblich hinausgegangen sind, daß wir uns von der Stelle, was sonst eigentlich von mir nie geschehen 
GemeinDeeinkommenfteuer mehr versprechen auf ist Ihnen doch einmal einige Mitteilungen auch 
Grund Der Veranlagung der Staatseinkommen­ über unsere Sparkaste -mache.
steuer, als sich der FinanMinifter v o n  Preußen ver­ Meine Herren, unsere Sparkasse hatte zuerst bei 
spricht. Anderseits sind wir der Meinung, daß wir Beginn des Krieges, wie alle Sparkasten mit einem 
mit dem Ansatz, den wir gewählt haben, das mög­ Ansturm des Publikums zu rechnen. Vor diesem 
liche Maß erreicht haben. Die JnÄustrielage ist gut, Ansturm betrugen die Spareinlagen 68,h Millionen 
die Lage der Gewerbe ist gut, das sonstige Arbeits­ Mark: heute betragen die reinen Sparein.agen 
einkommen ist -gut. M er wir mästen berücksichtigen, 105 Millionen Mark.
daß wir eine Stadt sind, die nicht allein liegt, die 
von den größten Einkommen, die zu Buche schlage«, (Zuruf.)
immer mir ein Viertel erhält
— Der Giroverkehr spielt dabei keine Rolle; er ist 
(Zuruf: Im  vorigen Jahve auch!) überhaupt nur mit 500 000 dl in Rechnung zu 
stellen. — Die reinen Spareinlagen machen also ein 
und die infolge davon niemals so erhebliche Steige­ Mehr von 36 Millionen Mark aus.
rungen ausweisen kann wie eine Stadt, die lokal be­
grenzt ist und die vollen 100% einnimmt. Wir (Hört! hört!)
mästen auch ferner berücksichtigen, daß das Kapitäi- 
. einkommen logischer)veste, je länger die Reichssteuern Die Anzahl der Sparer beträgt heute 188 000 gegen 
einwirken, niedriger werden muß, und wenn im 129 000 bei Beginn des Krieges; mithin ist ein Zu­
Jahre 1917 an Besitz- und Kriegssteuern 115 M illi­ gang von 59 000 Sparern zu verzeichnen. Die 
onen eingezogen worden sind, so fehlen selbstverständ­ Zahl der Zeichnungen — und nun kommt das In ­
lich im Jahre 1918 5% dieser 115 Millionen am teressante — beträgt seitens der Sparer 51,25 M illi­
Einkommen. onen, seitens der Sparkasse 60 Millionen, d. H., die Äriegsauleihezeichuungen bei der Sparkasse betrugen 
(Zimts: Nicht durchweg!) zusammen über 111 Millionen Mark! Und, meine 
Herren, die 51 Millionen Mark Zeichnungen der 
Es tonnen auch 4% sein. Freilich, unter Um Sparer sind vorweg von dem Guthaben Oer Sparer 
ständen kann der eiall eintreten, daß das Einkom­ abzuziehen, so daß sie zu den 36,5 Millionen Mehr- 
men sich wieder erneuert hat, auck durch Gewinne einlagen, die wir heute zu verzeichnen haben, noch 
erneuert hat, hinzuzuzählen sind, da sie selbstverständlich über die 
(Sehr richtig!) — Bücher gewusen sind, d- h./w ir haben in dieser Zeit ein Mehr an Einlagen von 87 Millionen gehabt ge­
durch Börsengewinne,. Effektengewinne usw. Gerade genüber einem Einlagebestand von 68,5 Millionen 
diese Gewinne können jedoch erfahrungsgemäß leider bei Beginn des Krieges. Meine Herren, das ist 
nicht gefaßt werden. Ich spreche da aus der Er­ etwas so Kolossale».
fahrung' meiner 12jährigen Tätigkeit als Vorsitzen­ (Sehr richtig!)
der der Veranlagnngskomruission, und ich rufe als 
Zeugen eine ganze Reihe Herren Ihrer Mitte auf, daß man es wirklich nicht für möglich halten konnte, 
mit denen ich in diesen 12 Jahren zusammenzuar­ und es erklärt sich nur dadurch, daß man einmal 
beiten die Ehre hatte, die mir bekunden werden, daß das Wachstum der Spareinlagen in den letzten 
unser Bemühen, gerade diese erheblichen Geivinne zu Jahren betrachtet.
fasten, die in den letzten Jahren sehr groß gewesen Meine Herren, in den Jahren 1912 und 1913 
sind, fast immer vergeblich war. wuchs unsere Sparkasse nur um etwa je eine Million 
Nun, meine Herren, vielen ist dieser Ansatz zu Mark, im Jahre 1914 waren es 7,25 Millionen 
niedrig, und auf der andern Seite der Zuschlag, den Mark und in den .Kriegsjahren 1915 fast 18 M illi­
wir Ihnen mit 190% vorschlagen, zu hoch. onen, 1916 fast 13 Millionen und 1917 26,5 M illi­
(Sehr richtig!) onen. Ich kann noch mitteilen, daß auch jetzt, im Rechnungsjahre 1918, das Wachstum bis vielleicht 
Da fragen wir seitens des Magistrats: wann sollen auf die letzten Tage, wo es infolge des Monatsendes 
wir denn Steuern erheben? etwas nachgelassen hat, eine ständige Steigerung auf­weist.
(Heiterkeit.) Meine Herren, den Schluß, den wir daraus 
ziehen, nannte ich Ihnen schon, daß cs nämlich in 
Wenn die Einkommen günstig sind, wenn die Ju- der jetzigen Zeit jedenfalls dem nun einmal Steuern 
dustrielage glänzend ist — und. wie Sie mir be­ zahlen müssenden Publikum leichter fallen muß, die 
stätigen werden, ist das der Fall —, wenn die Ge- Steuern jetzt aufzubringen als in einer späteren 
werbelage glänzend ist, das sonstige Einkommen, Zeit, in der die Lasten härter empfunden werden, 
überhaupt das Arbeitseinkommen glänzend ist, oder weil die Erwerbsquellen vielleicht nicht mehr so 
wenn alle diese Gebiete etwa abgängiger Natur sind? fließen wie zurzeit. Weiter aber: es muß ein 
Meines Erachtens ist es das richtige für eine größeres Steuerzahlen und die Erhebung höherer 
Finanzvertvaltung. wenn sie eine Steuererhöhung Zuschläge in späteren Jahren dem Publikum um so 
dann vornimmt, wenn sie erstens einmal nötig ist, schwerer fallen, als Reich und Staat mit immer 
zweitens, wenn sie etwas bringt, und drittens einmal, größeren Forderungen kommen müssen. Wir, glaube 
wenn vor allen Dingen diejenigen, die sie aufzu­ ich, nehmen alle an, daß die Forderungen des Reichs 
bringen  ̂haben, dazu auch in der Lage sind. Und, und des Staates — der Staat insbesondere hat ja 
meine Herren, aus dieses Gebiet möchte ich noch mit überhaupt noch kaum nennenswerte Forderungen
        
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