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Periodical volume 9. Januar 1918

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1918

Sitzung am 9. Januar 1918
Entschuldigt sind die Sladtv. Herren Erd- öffentlich zu bekunden? Ich glaube, w ir haben 
mannsdörffrr, Gebert, Granitz«, Hofer, Jachmann» mindestens zwei schwerwiegende Gründe dafür. Richt 
Dr. Landsberger, Dr. Slaothagen, Wagner, Wenig, nur die Tatsache der geschichtlichen Entwicklung, son­
Wenzke, Wolffenjiein, Zarin und Zander. dern insbesondere die dauernde Erfahrung der 
Ausgelegt werden zwei Einbürgerungsgesuche. P raris führt uns zu dieser Erkenntnis. E in jeder 
und die Liste der im Oktober/Dezember 1917 er­ von uns hat im gemeindlichen Leben fast täglich die 
ledigten Einbürgerungsgesuche. Möglichkeit, zu erfahren, das; Die Uebertragung von starken Rechten auch fast automatisch ein starkes 
W ir rieten in die Tagesordnung ein. Punkt 1: Pflichtbewußtsein und ein starkes Verantwortungsge­
(Einführung der ncugewählten Stadtverordneten fühl erzeugt.
Gestncr, Groivald, Hape und Hirsch. (Sehr richtig!)
Oberbürgermeister Dr. Scholz: Meine sehr W ir wissen auch aus der Geschichte, daß das be­
verehrten Herren! Wie schon öfters, so bringt auch deutungsvollste Grundgesetz, nach dem w ir noch 
dieses neue Jahr einige neue Männer in diesen heute leben, die jetzt 110jährige Städteordnung des 
Saal und in die Stadtverordetenversammlung. Freiherrn vom Stein, seinerzeit m it _ mindestens 
W ir begrüßen unter ihnen allerdings ̂ auch einen ebenso großen Zweifeln und mit mindestens ebenso 
alten Bekannten, den verehrten Herrn Stadtverord- starken Bedenken begrüßt worden ist wie die jetzt von 
netenvorsteher-Stellvertreter. Herr H i r s c h  hat es der Regierung geplante Neuordnung unserer inne­
nicht nötig, sich unser Vertrauen zu erwerben, er be­ ren Verhältnisse. W ir wissen aber auch, daß dieses 
sitzt es in uneigennütziger Tätigkeit für das Gemein­ Grundgesetz es gewesen ist, das die Blüte und die 
wohl seil längster Zeit. Aber auch die anderen Stärke’ der deutschen Städte, des deutschen Bürger­
Herren, die Herren H a p e ,  G e ß n e r  und G r o -  tums und damit oes deutschen Volkes hervorgerufen 
w a l d ,  haben jeder an seiner Stelle sich bereits ge­ hat, und w ir wissen, das; es heute niemand mehr 
meinnützig betätigt; zwei von ihnen sogar auch im gibt, der an diesem Grundpfeiler des deutschen 
Dienste unserer Stadt, wenn auch nicht im Rahmen Bürgertums gerüttelt haben möchte. Ich glaube, 
dieses Kollegiums. W ir dürfen hoffen, das; auch sie diese geschichtliche Entwicklung und diese geschichtliche 
sich als vollwichtige Mitglieder in diese Versamm­ Erfahrung spricht auch an der Schwelle des neuen 
lung einfügen werden. Jahres und für die Perhä tnisse, denen w ir entgegen­
Meiner verehrten Herren! Der Herr Stabt- gehen, Bände.
verordnetenvorsteher hat bereits in seiner Ansprache So können w ir, ivie ich glaube, als Staats­
betont, daß es ein bedeutsames Jahr ist, dessen bürger st wohl wie als Vertreter der Selbstverwal­
Schwelle w ir soeben überschritten haben, eines der tung in ns neue Jahr 1918 nicht besser eintreten 
schicksalsvollsten Jahre, vielleicht das schicksalsvollste, als unter dem Zeichen jenes wundervollen Wortes, 
das unser Vaterland seit dem Bestehen der preußi­ das der damalige Ttadtrat und Polizeidirektor Frei) 
schen Verfassung zu erleben hat. W ir müssen nicht in Königsberg vor 110 Jahren zur Einführung der 
nur wünschen, sondern dürfen auch hoffen, m it eini­ Städteordnung sprach: Z u t r a u e n  v e r e d e l t  
ger Gewißheit hoffen, das; uns das Jahr 1918 den den  M e n s c h e n ,  e w i g e  V  o r m u n d ? ch a f r 
F r i e d e  n , den (ersehnten Frieden bringen möge h e mmt  sei n Re i s e n !
und damit zugleich eine Fülle von Arbeit auch für 
die Gemeinden, die in  der Neberleitung aus der (Bravo!)
Kriegs- in die Friedenswirtschaft liegen wird. 
Aber w ir wissen alle, daß das ersehnte Z ie l dieses Meine Herren, unter dem Zeichen dieses Wortes 
Friedens nicht ohne heftige und blutige Kämpfe wollen w ir in die gemeinsame Arbeit des neuen 
draußen auf der Wahlstatt erreicht werden wird. Jahres eintreten, und unter dem Zeichen dieses 
Aber auch im Innern, meine verehrten Herren, Wortes begrüße ich auch Sie, die neuen Herren, in 
werden w ir schwere und bedeutungsvolle Kämpfe diesem Raume M  gedeihlicher M itarbeit m it uns, 
auszufechten haben, im Innern, wo die Gesetzge­ den alten. Ich darf S ie bitten, mir durch Hand­
bung des Landes zur Zeit das Haus neu zu bauen schlag an Eidesstatt die Erfüllung Ih re r Pflichten ge­
trachtet, in das unsere Kämpfer nach ihrer Rückkehr loben zu wollen.
von draußen einziehen und in dem sie, wie wir 
hoffen, behaglich wohnen sollen. Weite Kreise (Der Handschlag erfolgt.)
unserer Volksgenossen, — darüber dürfen wir uns 
keinem Zweifel hingeben —  hegen starke Bedenken, Vorsteher Dr. Frentzel: Meine sehr verehrten
ob der Weg, den unsere Staatsregierung im Innern Kollegen! Gestatten Sie, daß ich Sie, nachdem Sie 
beschritten hat, richtig sei. Ich glaube, ivir als die nunmehr die Erfüllung Ih re r Pflichten gelobt haben 
berufenen Vertreter der Selbstverwaltung haben allen und damit zu vollberechtigten Stadtverordneten ge­
Anlaß, diesen Zweiflern zuzurufen: M e h r  V e r ­ worden sind, inmitten dieser Versammlung, deren 
t r a u e n !  Mehr Vertrauen in unser herrliches bisheriger Leiter ich gewesen bin. herzlich willkommen 
Volk, das in beispielloser Weise seine P f l i c h t  er­ heiße und begrüße.
füllt hat und dem wir infolgedessen auch sein Recht Für Sie. Herr Kollege Hirsch, bringt allerdings 
voll und ganz gönnen wollen. der heutige Tag nichts anderes als die Fortsetzung 
Ih rer kominunalpolitifchen Tätigkeit, aber einer Tätig­
(Bravo!) keit, die besonders arbeits- und inhaltsreich und 
deswegen auch von besonderem Erfolge gekrönt ge­
Meine Herren, warum haben w ir Vertreter der wesen ist. W ir freuen uns alle, daß die Wiederbe- 
Selbstverwaltung besonderen Grund, dieses Gefühl ftätigung des Vertrauens seitens der Bürger und 
des Vertrauens in das Volk zu empfinden und der Wähler Sie nun wiederum für eine Reihe von
        
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