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Periodical volume 18. April 1917

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1917

86 Sitzung am 18. April 1917
Anders steht es mit den Monumentalbauten, Es ist in der Verfügung vom 9. März 1917 ausdrück­
die ja in gewisser Beziehung einen öffentlichen lich darauf hingewiesen worden, daß auch große 
Schutz gegen Verunstaltung genießen müssen. Ich Verunstaltungen in keiner Weise von der Beschlag­
kann mir nicht gut denken, daß man die Kupferbe­ nahme entbinden. Die ganze Angelegenheit ist, wie 
deckung vom Dom entfernen und sie durch Ruberoid gesagt, sehr ernst, und die einzelnen Besitzer werden 
ersetzen könnte. Andererseits wäre es ein wahrer sich damit abfinden müssen.
Segen, wenn all die Spitzen und Dachluken, die sich Um aber die Sache doch fachmännisch anzufassen, 
auf dem Tom sehr häufen, entfernt werden könnten; habe ich dem Herrn Oberbürgermeister vorgeschlagen, 
auch könnte z. B. der Hedwigskirche die Fortnähme die Enteignung von Kupfer nicht bei dem Statisti­
der übergroßen Laterne nur zum Vorteil gereichen. schen Amte zu belasten, sondern sie der Hochbauver- 
Sehr wünschenswert wäre es auch, wenn wir tvaltung zu übertragen, damit von Fall zu Fall, wie 
bei dieser Gelegenheit von den vielen Denkmälern der Herr Vorredner es wünschte, in sachverständiger 
befreit werden könnten, die nach 1870 entstanden Weise mit Rat und eventuell auch mit der Tat ein­
sind und von denen viele, wie man wohl ohne weite­ gegriffen werden kann. Ich will morgen dem Ma­
res sagen kann, von sehr zweifelhaftem künstlerischen gistrat darüber noch weitere Vorschläge machen. Es 
Wert sind. Aber daran ist wahrscheinlich nicht zu soll vorgeschlagen werden, daß wir von der Stadt 
denken. Es ist ja schon der Vorschlag gemacht wor­ aus sowohl für die städtischen Gebäude wie für die 
den, sie durch Stein zu ersetzen, ein Gedanke, der privaten Bauwerke der Kriegsmetall-Mobilmachungs­
nicht ganz von der Hand zu weisen ist. Ich kann stelle das nötige Ersatzquantum angeben und ihr auch 
nicht finden, daß die Bronze ein sehr gutes Mate­ mitteilen, wieviel Arbeiter etwa erforderlich sind. 
rial namentlich für großstädtische Denkmäler ist, W ir haben ja bereits die nötigen Erhebungen vorge­
denn die Bronze wird mit der Zeit so schwarz, daß nommen, die uns listenmäßig vorliegen und rnts 
der künstlerische Eindruck darunter leidet. Ich denen ich Ihnen ein paar Daten nennen kann.
möchte daran erinnern, daß unser Bildhauer Lederer 
vorzugsweise Denkmäler aus Stein herstellt. Auch Danach waren im September 1915 bei städti­
die Figuren, die wir für Witzleben bei ihm bestellt schen Bauten etwa 100 000 kg, bei öffentlichen 
haben, werden nicht in Bronze, sondern in Stein Bauten 33 000 kg und bei Privatbauten etwa 
ausgeführt. 30 000 kg anmeldepflichtiges Dachkupfer vorhanden. 
Wir möchten nun den Magistrat bitten, bei der Nach der verschärften Enteignung vom 9. März 1917 
betreffenden Krieqsstelle folgendes zu erreichen zu ver­ stellen sich die einzelnen Summen folgendermaßen: 
suchen: erstens möglichste Freigabe von Ersatz- bei den städtischen Bauten etwa 120 000 kg, bei 
metallen; zweitens Befreiung von der Beschlag­ öffentlichen Bauten etwa 35 000 kg und bei Privat­
nahme einzelner Teile wie Dachrinnen, Abfallröhren bauten auch etwa 30 000 kg. Ausgeschlossen von der 
usw. in geringeren Mengen, etwa bis zu 20 qm; Enteignung sind nur die Bauten, die vor 1850 ent­
drittens Hinzuziehung von Beiräten als Sachver­ standen sind, und die physikalischen Institute. Ein­
ständige zur möglichsten Verhinderung von Verun­ geschlossen sind sogar die ganz schmalen Kupfer­
staltungen, wobei die einzelne Frage von Fall zu streifen, die zur Ausgleichung des Daches bei Brand- 
tfiilf zu entscheiden wäre; .denn es scheint durchaus giebeln genommen weiden; also auch diese schmalen 
notwendig, daß man vom grünen Tisch aus nicht Streifen von etwa 20 cm werden erfaßt werden.
alles über einen Kamm schert, sondern jeden ein­ Für die zu enteignenden etwa 200 000 kg 
zelnen Fall namentlich im Hinblick auf eine even­ Kupfer werden wir rund 32 000 qm Eisenblech­
tuelle Verunstaltung genau -prüft; viertens die fläche, entweder verzinkt oder verbleit, als Ersatz- 
Stellung der nötigen Facharbeiter. material brauchen. Wir haben überschläglich berech­
Nur auf diese Weise wird es möglich sein, net, daß wir, um diese Kupfermenge auszubauen und 
namentlich wenn uns das Kriegsamt in irgendeiner das Ersatzmetall oder anderes Deckungsmaterial ein­
Weise entgegenkommt, einerseits die großen Schäden zudecken, e.twa 80 bis 100 Gesellen auf 4 Monate 
und Verunstaltungen zu verhüten, andererseits aber brauchen werben. Auch diese Gesellen werden wir, 
dem Heere die Kupfermengen zu liefern, die es zur was uns in der Kriegsmetall-Mobilmachungsstelle 
Bewältigung seiner schwierigen Aufgabe notwendig ebenfalls zugestanden ist, anfordern. Wir wollen also 
braucht. versuchen, vom Hochbauamt aus einheitlich die ganze 
Frage zu bearbeiten, den Privaten mit Rat und Tat 
Stadtbaurot Seeling: Meine Herren! Ehe mir zur Seite stehen und einheitlich für die ganze Stadt 
der Wortlaut dieses Antrags heute früh durch den bei der Militärverwaltung sowohl das Metall wie die 
Herrn Oberbürgermeister bekannt gegeben wurde, Arbeiter anzufordern.
hatte ich bereits gestern Gelegenheit genommen, bei Ich glaube, damit ist die Sache auf einen Weg 
der Metallprüfungsstelle vorzusprechen, um mich dort geleitet, der, soweit es überhaupt möglich ist, Unge­
näher zu informieren. Tie ganze Angelegenheit ist rechtigkeiten verhütet. Nochmals möchte ich aber 
jedenfalls sehr dringend und wichtig. Wir können hervorheben, daß die Militärverwaltung jedenfalls 
nicht darauf rechnen, was der Herr Vorredner betonte, auf Verunstaltungen keine Rücksicht mehr nimmt, 
daß besondere Rücksicht auf die Verunstaltung genom­ und daß es, glaube ich, patriotische Pflicht ist, es ruhig 
men wird. Die Stelle wird die vorhandenen darauf ankommen zu lassen.
Bestände so scharf erfassen, wie das überhaupt nur 
möglich ist. Es ist uns nur insofern entgegengekom­ Vorsteher Dr. Frentzel: Ich möchte in Ergänzung
men worden, als wir zunächst anmelden sollen, wie­ der Ausführungen des Herrn Antragstellers hier noch 
viel Ersatzmetall wir brauchen. Zink kann nicht zur betonen, daß es sich nicht allein um eine Frage der 
Verfügung gestellt werden; es kann aber verbleites Schönheit oder Unschönheit und um Schwierigkeiten 
bezw. verzinktes Eisenblech in den Fällen geliefert größerer oder kleinerer Natur, sondern um eine Frage 
iverden, wo keine Pappe und dergleichen verwendet des öffentlichen Wohls insofern handelt, als ja dafür 
werden kann. Auch kleine Mengen werden unter gesorgt werden muß, daß die Privathäuser den Cha­
allen Umständen in Anspruch genommen werden. rakter ihrer Bewohnbarkeit behalten. Ich lege Werk
        
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