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Periodical volume 18. April 1917

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1917

t t i  Sitzung am 18. April 1017
vorziehe«. Ich glaube, das; die Gruppenunterörin- wird, als vaterländische Ehrenpflicht.- Ta gibt es 
gung sich sür die kurzzeitige Anwesenheit der Ferien­ also gleich eine Konkurrenz, die billiger arbeitet. 
kolonisten sehr gut bewährt hat. Bei einer längeren Dann möchte ich mich in derselben Richtung 
Dauer von vielen Monaten sollte man jedoch den wie der Herr Kollege Landsberger warm für die 
Kindern das Familienleben oder den Ersatz des Fürsorge für den Mittelstand äußern. Ich denke da 
Familienlebens nicht entziehen. Ich glaube auch, an die Kinder der Beamten, der Lehrer, der Ober­
daß die Anstallspflege ein gutes Familienleben nicht lehrer, die durch die schwere Zeit außerordentlich 
ersetzen kann. Daß dieses Familienleben gut ist. daß leiden, an die Kinder von Ständen, die sich ja selbst 
die Kinder nicht als billige oder unentgeltliche A r­ organisieren könnten, um den Verein zu entlasten, die 
beitskräfte ausgenutzt werden, dafür zu sorgen, ist es aber dankbar empfinden würden, wettn ihnen der 
selbstverständlich eine Pflicht unserer städtischen Ver­ Verein Beistand leistete.
waltung. W ir haben aus den Ausführungen des Herrn 
Ebenso ' sollten w ir start in  den Vordergrund, Oberbürgermeisters gehört, daß sich bis jetzt vier 
stellen, daß, wie es hier heißt, auf die unterricht Provinzen zur Verfügung gestellt haben. Ich w ill 
liehe Versorgung der Kinder tunlichst Bedacht zu nicht darauf eingehen, welche Provinzen es noch nicht 
nehmen ist. Es sind ja unter Len jetzigen Verhält­ getan haben. M ir  ist zufällig bekannt, daß in einer 
nissen leider schon so viele Kräfte am Werke, die Provinz bis jetzt ein derartiger Wunsch noch nicht ge­
einer Ausbildung der Kinder entgegenstehen, das, äußert worden ist. Ich hoffe ja, daß sich zur Ernte­
nicht auch noch durch diese Entsendung, die der kör zeit das ändern wird. Jedenfalls bin ich auch der 
perlichen Ausbildung der Kinder hoffentlich sehr Meinung, daß es in gesundheitlicher Beziehung über­
wohltätig sein wird, weitere Schwierigkeiten hinzu­ aus dankenswert ist, daß diese Verbindung zwischen 
treten dürfen. Stadt und Land hergestellt wirb. Alle die Klagen, 
Unter diesen Voraussetzungen begrüße ich, mit die seit so vielen Jahren aus der Lehrerschaft her­
gesagt, nochmals diese Vorlage und hoffe, daß sie vorgehen, daß die Kinder viel lernfähiger wären, 
unseren Kindern, und zwar den Kindern verschiede wenn sie nur gesünder wären, werden auf diese Weise 
ner Schichten, selbstverständlich unter Berücksichti­ hoffentlich größtenteils behoben werden können.
gung der Bedürftigen in erster Linie segensreich sein 
wird. Ttadtv. Dr. Landsberger: Ick habe bloß ein
(Bravo! bei den Sozialdemokraten.) kurzes Nachwort meinen vorherigen Bemerkungen 
Stadtv. Schwarz: Meine Herren! Die hinzuzufügen. Es scheint mir wünschenswert, daß 
Kontrolle, die der Herr Kollege Katzenstein wünscht, möglichst ä l t e r e  Kinder entsandt werden. Ich will 
ist bereits vorgesehen. I n  der Schuldeputation ist nicht sagen, daß jüngere Kinder gar nicht entsandt 
das schon besprochen worden. Es soll besonders für werden sollen. Wenn ich mich der Gruppierung 
Streitfälle eine Kontrolle in Aktion treten. der Magistratsvorlage anschließen und also von den 
Was den Wunsch des Herrn Katzenstein betrifft, (i bis 10 jährigen und 11 bis 14 jährigen sprechen 
die Kinder in Privatpflege unterzubringen, um sie soll, so scheint es mir wünschenswert, von den l e t z t e r e n  eine g r ö ß e r e  Zahl zu entsenden, weil 
dadurch gut zu versorgen, so sind auch da mancherlei fitere Kinder eine größere Selbständigkeit haben 
Schwierigkeiten vorhanden, auf die hier in der Stadt­
verordnetenversammlung weiter einzugehen, vielleicht und eher zu einer gewissen Mithilfe auf dem Lande geeignet sind, auf die ich doch bei der ganzen An­
nicht richtig ist. Ich möchte beispielsweise nur kurz 
darauf hindeuten, daß uns empfohlen wurde, Kinder gelegenheit ein großes ideelles Gewicht lege. Selbst­verständlich verlange auch ick, daß jede Ueberan- 
möglichst in Familien unterzubringen, die ihren strengung verhütet werden muß und daß gegen ihr 
Dialekt sprechen, sonst säße Abends z. B. ein einzeln Vorkommen sorgfältige Maßnahmen getroffen werden 
untergebrachtes Kind vollständig vereinsamt. müssen. Aber eine Betätigung würde ich für sehr 
Was die unterrichtn che Fürsorge betrifft, so wird nützlich halten. Natürlich braucht man deshalb von 
es außerordentlich schwierig sein, hier von Anfang der Entsendung jüngerer Kinder nicht ganz abzu­
an planmäßig vorzugehen, weil wir Neuland be­ sehen; das Hauptgewicht sollte jedoch auf die Ent­
treten. Ich meine, die Hauptsache ist, daß sich die sendung stcrer Kinder gelegt werden. Die Familien 
Kinder erholen. Wenn es zu machen ist, wird selbst­ in der Stadt werden auch gerade ihre iüngeren 
verständlich auch die unternchtiiche Fürsorge ein­ Kinder schwerlich auf längere Zeit fortgeben wollen.
treten. Das ist allerdings da leichter, wo die Kinder 
gruppenweise in Schulen zusammengelegt sind, als (Die Versammlung beschließt nach dem Antrage 
da, wo sie auf die einzelnen Besitzer verteilt sind. des Magistrats einstimmig, wie folgt:
Eine ärztliche Fürsorge ist sehr ernstlich ins 
' Auge zu fassen. Bei dem Mangel an Aerzten auf I.  Zur vorläufigen Deckung der durch die vor­
dem Lande wird es sich empfehlen —  mag immerhin übergehende Unterbringung von Charlohten? 
der Kreis, der die Stellen zu vergeben hat, zunächst burger Kindern auf dem Lande entstehenden 
die Auslagen tragen —  auch mit den Militärbehörden Kosten wird ein Betrag bis zu 140 000 tM  
sich ins Benehmen zu setzen, um sich auch militär- aus dem Kriegsvorschußkonto zur Verfügung 
ärztliche Hilfe in der Nabe zu sichern, damit doch gestellt. Die Deckung dieser Kosten aus 
irgendeine Hilfe vorhanden ist. Staatsmitteln nach Maßgabe des ergangenen 
M  wurde dann gesagt, daß sich die Kinder be­ Ministerial-Erlasses vom 16. März 1917 ist 
tätigen sollten, daß sie eventuell zu landwirtschaft­ anzustreben.
lichen Arbeiten herangezogen werden sollten. Ich I I .  Die Stadtgemeinde Charlqitenburg tr itt dem 
möchte darauf hinweisen, daß in der uns zuge­ eingetragenen Verein „Landaufenthalt für 
gangenen Vorlage sogar die Höhe des Arbeitsver­ Stadtkinder" zu Berlin als Mitglied mit 
dienstes beziffert wurde, und demgegenüber daran einem Jahresbeiträge von 100 bei. Der 
erinnern, daß die militärisch organisierte Jugend Beitrag für das Rechnungsjahr 1917 ist dem 
gerade diese Landarbeit unentgeltlich übernehmen Dispositionsfonds zu entnehmen.)
        
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