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Periodical volume 21. Februar 1917

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1917

Sitzung am 21. Februar 1917 33
zugeben, daß sie wahrscheinlich mit den nötigsten Be­ trizitätswerks in der Hanpljache eine Frage der 
schränkungen eingesetzt sind, daß sehr wenig gegen sie Slroinpreise. Betrachte ich die Vergangenheit, so hat
sich wird sagen lassen, sondern sie wiederholen im der Herr Kämmerer Ihnen schon ausgeführt, und ich 
wesentlichen nur das Bild, das bereits der vorjährige folge darin vollkommen seinen Worten, oaß wir be­
Haushaltsplan ausweist, den ich vor einem Jahre reits im Frieden, was idie Kohtcn- und Lohnpreise 
mit den Worten charakterisiert habe: alles das, was angeht, nicht mehr die günstige Zeit hatten, wie wir 
die Stadt an Bohrnaimalien, Zwischenmaterialien, sie vielleicht vor etwa 10 Jahren oder früher gehabt 
Fertigprodukten braucht, mutz sie wesentlich teurer haben. Grs sind damals, etwa um die Jahre 1910 
bezahlen, und sie muß vor allem wesentlich teurer be­ -herum, durch die besondere Lage der Frachten in 
zahlen und will auch teurer entlohnen die Arbeit, England gerade hier in Groß-Berlin und Umgebung 
die aufgewendet werden muß, um die städtischen Be­ für die Kohlenverbraucher ganz besonders günstige 
dürfnisse leisten zu können. Das ist genau das Bild, Zeiten gewesen, weil gerade Groß-Berlin den Bddcn 
das heute jeder im eigenen Haushalt findet, genau -bildete, auf dem sich die englische und die o-berschlesische 
das Bild, das wir im preußischen Staat und im Reich Kohlenindustrie trafen und bekämpften zum Vorteil 
finden und das hier unser städtischer Etat nur wieder des lachenden Dritten, des Konsumenten. Aber diese 
bestätigt. Am interessantesten ist dabei — dieser An­ Verhältnisse hatten schon vor dem Kriege aufgehört. 
sicht muß wohl auch der Herr Kämmerer sein, denn Die englische Kohle war im Preise gestiegen, die 
er ist an den verschiedensten Punkten seiner Rede schlesische auch, und daß die Löhne in den letzten 
darauf zu sprechen gekommen — die Verschiebung Jahren infolge der Teuerung und aller möglichen 
zwischen den Eingängen aus den Werken und den Dinge eine steigende Tendenz eingenommen hatten, 
Eingängen an Steuern. Ich möchte mir erlauben. wird noch in Ihrer aller Gedächtnis sein. Wir 
Ihnen hierüber ein paar Zahlen zu geben. haben über diesen Punkt in diesem Saale des 
Wenn man die Einnahmen der Werke mit den öfteren verhandelt. Wenn ich nun in die Zukunft 
Gesamteinnahmen unserer Stadt vergleicht, so ergibt blicke, so möchte ich ganz sicher glauben, daß diese 
sich vom Jahre 1913 ab — ein früheres Jahr können Momente, die schon im Frieden vorgewaltet haben, 
wir nicht nehmen, weil vor diesem Jahre weder das mit verstärkter Kraft künftig sich noch weiter geltend 
Elektrizitätswerk noch insbesondere das Wasserwerk machen werden. W ir können nicht darauf rechnen, 
mit vollen Erträgen herangezogen werden konnte;— daß wir auch nur annähernd — darin folge ich eben­
folgendes Bild: im Jahre 1913 betrugen die Ein­ falls dem Herrn Kämmerer vollkommen —• die 
nahmen 14 % der Gesamteinnahmen', 1914 fielen Kohlenpreise haben werden, die wir im Jahre 1910 
sie bereits auf 13,4 % — in dem Etat von 1914, der etwa verzeichnen konnten. W ir müssen ebenso dar­
also -noch im Frieden aufgestellt war! —, im Jahre auf gefaßt sein, daß wir den Gasanstaltsarbei.ern 
1915 sanken sie auf 10,5 %, im Jahre 1916 stiegen bedeuten!) höhere Löhne werden zahlen müssen, 'als 
sic auf 11,6% — infolge Erhöhung der Gas­ es früher gewesen ist. Mau wird also für die Gas­
preise —, und im Jahre 1917 fielen sie -auf 8,3 % anstalt ohne weiteres die Fortdauer der Verhält­
-der -Gesamteinnahme. nisse -bejahen müssen.
Noch einschneidender liegen vielleicht die Dinge 
(St-aldtv. B e r n h a r d : Hört! hört!) bei der Elektrizitätsindustri-e. Ich habe vorhin schon 
ausgeführt, daß ihre Rentabilität im wesentlichen 
Fast noch charakteristischer ist das Verhältnis von von den Strompreisen abhängt. Lange Jahre waren 
Einkommensteuer zur W-erkseinnahine. Es betrug im d-i-e Strompreise feststehend und auch gut. Aber 
Jahre 1913 30 %, fiel 1914 auf 28 %, 1915 auf schon vor dem Kriege zeigte diese Festigkeit der 
20 %, wies 1916 dieselbe kleine Steigerung wie vor­ Preise, die in gleichmäßiger Höhe von Berlin und 
her auf, auf 23 % und -geht nach dem uns vorliegen­ allen Nachbargemeinden notiert wurden, ein gewisses 
den Haushaltsplan herunter auf 14 %. Schwanken. Sie wissen, ein neues Werk im Osten 
Bei der Betrachtung dieser Zahlen drängen sich der St.'idt Berlin, das werbend vorging, begann 
zwei Fragen auf, die für unsern jetzigen Haushalts­ niedrige Tarife zu notieren, und wenn in Berlin 
plan, aber auch für die Zukunft von großer Be­ noch die alten Tarife beibehalten wurden, so lag das 
deutung sind und die beide auch in den Ausführun­ lediglich an dem Umstande, daß zunäckste eine Aus­
gen des Herrn Kämmerers Erwähnung gefunden einandersetzung zwischen der Steht Berlin und den 
haben. Die eine Frage ist die: ist diese Erscheinung, B. E. W. erfolgen mußte, um zu einer T-arifreform 
die w ir hier vor uns sehen, eine Kriegserscheinung zu gelangen. Wir selber haben uns, meine Herren, 
oder ist sie nicht vielmehr eine Erscheinung die durch des häufigeren dem Umstande nicht verschließen 
die Ereignisse des Krieges lediglich verschärft wor­ können, daß sehr bald eine Tarifreform, unk) zwar 
den ist, die -aber bereits im Frieden eingesetzt hat, eine Reform nach unten, wird eintreten müssen.
die auch, falls wir den Frieden behalten hätten, fort­
geschritten wäre und von der wir deswegen kon- (Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.)
seguentcrweise annehmen müssen, daß sie auch nach 
dem Kriege im Frieden später fortdauern und sich Nun haben sich die Dinge vor dem Kriege wesentlich 
vielleicht verschärfen wird. Ich neige der letzteren verändert. Es wird die Frage auftauchen, ob ein 
Ansicht zu und möchte sie folaendermaßen begründen. Werk wie unser Elektrizitätswerk überhaupt noch bei 
Die Frage der Rentabilität der Werke — ich seiner doch immerhin beschränkten Auswbnuna als 
schalte das Wasserwerk als für unsern Haushaltsplan ein im technisch höchsten Sinne fortbestehendes Werk 
nicht wesentlich in Betracht kommend, hier einmal wird gelten können.
aus — muß folgendermaßen beantwortet werden. 
Die Fvege der Rentabilität der Gasanstalt ist im (Sehr richtig!)
wesentlichen eine Kohlen- und Lohnfrage._ Die Gas­
preise find innerhalb so enger Grenzen fixiert, daß in Schon vor dem Kriege sind Ansätze gemacht worden, 
dieser Beziehung große Aenderungen nicht möglich durch Gründung großer Zentralen an besonders 
sirid. Dagegen ist die Frage tber Rentabilität des Elen­ günstig gelegenen Stellen den Strom so billig herzu-
        
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