Path:
Periodical volume 21. Februar 1917

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1917

3 2  Sitzung am 21. Februar 1917
urcb w ir werden auch die Sparsamkeit, die w ir dort sein für die M aßnahmen, die w ir treffen, uns immer
gelernt haben, und eine erhöhte Sparsamkeit jeden­ baran erinnern müssen, wie hoch denn schließlich die 
falls im H aushalt der Stadtgemeinde weiterhin Schuldsumme ungefähr auflaufen wird, deren T il­
walten lasse» müssen. W ir werden uns, glaube ich, gung doch unsere Sache schliesslich, wenn auch in 
auch in Bezug auf den Luxus in den Gebäuden eine späteren Friedensj-cchren, sein wird.
gewisse Reserve auferlegen und nach jeder Richtung N un hat der H err Kämmerer —  nicht in der 
hin immer das eine Z iel im  Auge haben müssen, heutigen Sitzung, sondern in der letzten, wo w ir uns 
dass eiserne Arbeit, von jedem e in z e l n e n  aufgewendet, auch schon m it' dem E tat, freilich nur mit seiner 
notwendig sein wird, um alle die Schäden, die der formellen Erledigung zu beschäftigen hatten —  au s­
Krieg nun einmal angerichtet hr.t, im Laufe von geführt, Lass unser Haushaltsplan in diesem Jahve 
Jahrzehnten wieder gutzumachen. Auf der andern überaus leicht zu durchschauen sei und dass deswegen 
Seite  werden w ir uns trotz aller Sparsamkeit darüber seine Erwägung und Verarbeitung nur wenig M ühe 
klar sein müssen, dass in  gewissen Zweigen von uns im Ausschuss machen würde. I m  letzteren Punkte 
erhöhte M itte l gefordert werden. Ich  mochte d a ­ bin ich etwas anderer Ansicht, im ersteren stimme ich 
bei an alle die Ausgaben erinnern, die dazu dienen, ihm zu. Ich habe m ir —  und das stimmt genau 
jedem B ürger unserer Stad.t Erholung von der A r­ mit den Gedankengängen, die der Herr Kämmerer 
beit zu schaffen, um ihn arbeitskräftig und arbeit»- uns vorgeführt hat, überein —  das Wesen des E ta ts  
freudig zu erhalten. Ich möchte ferner auf Ausgaben klar zu 'machen gesucht, indem ich mich nur an zwei 
hinweisen, die notwendig sein werden, um alle die­ Kapitel gehalten, m ir eigentlich nur vier Zahlen 
jenigen Anstalten zu schaffen, die erforderlich sind, aus -dem ganzen Gewirr herausgezogen habe, von 
um vor allen Dingen unsere Jugend sowohl körper­ denen.ich glaube, daß sie im wesentlichen den ganzen 
lich wie geistig ertüchtigen und erstarken zu lassen, P la n  charakterisieren und seinen In h a lt  und seine 
damit sowohl die lebende wie die zukünftige Gene­ Bedeutung uns genügend vorführen. S ie  brauchen sich n u r das Kapitel I  in der Zusammenstellung an­
ration diejenige Starke im wirtschaftlichen Kampfe zusehen und dann die sehr klein gedruckte Zuschuss- 
zeigen kann, zeigen wird und zeigen muss, die heute kabelte zur Hand zu nehmen, dann finden S ie , dass 
von unseren lebendigen M auern im  Westen und im Kapitel I mit einem M inus von 1710  000 Jl ab- 
Osten, im  Norden und im Süden bewiesen wird. schließt und dass, wenn S ie  das Kapitol I  und dessen 
i Positionen ausschalten, M ehrausgaben noch im B e­
(Allseitiges Bravo.) trage von 1 580 000 Jl verlangt werden. D a s  macht
—  ich gebe runde Zahlen —  3 290 000 J l . Gegen 
Altersvorsteher Stadtv. Guttmann: Meine diese Mehrforderungen —  so können wir es auffassen
Herren! Ich  habe in Vertretung der beiden ver­ —  von 3 290 000 Jl steht das Plussteueraufkommen 
hinderten Herren Vorsteher a ls  an Jah ren  ältestes nach Sald ierung von Einnahme und Ausgabe im 
M itglied unserer Stadtverordnetenversammlung die Beitrage von 2 828 000 Jl und die sonstigen M ehr­
Leitung der Verhandlungen übernommen und er­ einnahmen, die zur Deckung herangezogen, werden 
bitte m ir für die voraussichtlich nu r kurze A m ts­ sollen, die nur 412 000 Jl  ausmachen, was zusammen 
handlung Ih re  Nachsicht. ebenfalls wieder 3 290 000 Jl ergibt. S ie  sehen, dass 
Ich erteile das W ort Herrn Kollegen Dr. Frentzel. auf diese Weise die Deckung des M ehrbedarfs zu 
80 % aus den S teuern  und nur zu 14 %  au s  den 
Ttadtv. Dr. Frentzel: Meine H erren! Der B ei­ sonstigen Einnahmekapiteln erfolgt.
fall, den S ie  den Ausführungen des Herrn Kämme­
rers gespendet haben, gibt m ir das Recht, ihm für (Hört! hört!)
seine klaren und ausführlichen Darlegungen zu dan­
ken, die eine willkommene und auch notwendige E r­ Wenn S ie  sich diese Zahlen vergegenwärtigen, so er­
gänzung des in diesem Jah re  etwas knapp geratenen geben sich daraus folgende Schlüsse.
Erläuterungsberichts brachten. Ich kann mich im Die Zahlen für das Kapitel I  setzen sich aus 
wesentlichen den Grundgedanken, idie der H err Käm­ zwei Posten zusammen. D er erste sind die weg­
merer ausgesprochen hat, nach P rüfung des E tats  gefallenen 366 000 Jl, die wir im vorigen Jah re  
nur anschließen, wenn ich auch in einigen wesent­ aus unseren Reserven überweisen konnten. D azu sind 
lichen Punkten zu anderen Schlussfolgerungen komme, w ir in diesem Jah re  nicht imstande, denn unsere 
als er gekommen ist. Reserven sind aufgebraucht, w ir können nichts über­
Ehe ich in die Besprechung des P lanes eintrete weisen. M it anderen W orten: unser H aushaltsplan 
möchte ich dem Kämmerer für die ausführlichen M it­ steht ganz auf eigenen Füssen, ist lediglich geschöpft 
teilungen über die Kriegswirtschaft, die neben unserer und wird zur Abwicklung kommen ans dem, was das 
ordentlichen Wirtschaft einherläuft, danken. Ich J a h r  bringt und was es braucht. D as  macht den 
möchte auch meinerseits betonen, dass es absolut richtig P la n  viel'klarer, das ist ohne weiteres zuzugeben. 
und notwendig ist, diese Kriegswirtschaft von der D er zweite Posten, den S ie  aus dem Kapitel I  er­
ordentlichen Etatswirtschaft vollkommen zu trennen. sehen. ist der wesentliche Rückgang der Erträge der 
E s  kann das auch gar nicht anders sein- das ist ja städtischen Werfe, worauf der H err Kämmerer ja in 
ein Geschäft, das w ir conto a m eta machen, bei dem ausführlicher Darlegung hingewiesen hat. D as  macht 
w ir gar nicht wissen, wie conto nostro und conto 1 134 000 Jl ans. Dem steht als dritte Zahl das 
loro belastet sein werden, und bei dem wir auch nicht E rträgnis des Kapitel X V  gegenüber, insbesondere 
wissen, wie die Belastung der anderen Konten uns das E rträgnis der Einkommensteuer, das alles dies 
wieder erstattet wird. Trotzdem ist das. was icfi int zu decken hat. D as zeigt also, wie günstig sich auf 
vorigen Jah re  ausführte und dem der H err Käm­ der andern S eite  unsere Finanzverhältnisse dadurch 
merer jedenfalls zustimmt, was daraus hervorgeht, stellen, daß die Einkommenquellen unserer B ürger im 
dass er es heut wieder erwähnt hat. richtig, dass wir Anwachsen und im Vermehren sind.
im Geist daran denken müssen, dass w ir zwei W irt­ Wenn ich endlich die Mehrausgaben, deren Höhe 
schaften führen und gleichsam in einem Unterbewusst­ ich Ih n e n  genannt habe, betrachte, so ist zunächst zu-
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.