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Periodical volume 7. Februar 1917

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1917

Sttzuuz nm 7. Februar 1917
Deswegen, meine ich, sollten w ir die Frage nach aem Kriege aller Wahrscheinlichkeit nach das 
nicht so leicht nehmen, w ir sollten uns auch nicht umgekehrte Verhältnis eintreten wird.
etwa mit der bloßen Kenntnisnahme begnügen, w ir 
sollten auch nicht darauf warten, bis es dem Magi- (Stadtv. Hirsch: Das Gegenteil!)
[trat gefällt, diese oder jene Deputation einzuberufen, 
sondern meines Erachtens gibt es hier nur eins, — Nein, das ist Ansichtssache, und meine Erfahrun­
W ir sollten —  und ich erhebe das zum Antrag — gen sprechen dafür; ich bin ganz anderer Ansicht. 
die Mitteilung des Magistrats einem besonderen Ich bin fest überzeugt, daß, wenn w ir Frieden und 
Ausschuß überweisen, der möglichst bald zusammen­ einen guten Frieden erhärten, Len w ir ja erhoffen, 
tritt, die Frage ganz objektiv prüft und dann hoffent­ dann eine Abwanderung nach oben eintreten wird. 
lich, wenn er zu dem Ergebnis kommt, daß eine Fraglich ist es, ob w ir einen Ueberfluß an Mittel 
Wohnungsnot zu erwarten ist, auch m it entsprechen­ Wohnungen haben werden. Es wird wahrscheinlich 
den Vorschlägen hervortritt. Meine Herren, wenn viel eher der Fall eintreten, daß w ir hier ein Manko 
w ir das tun, dann haben w ir wenigstens gezeigt, daß haben. Denn schon heute weiß ich von Kollegen, die 
wir entschlossen find, einer etwaigen Wohnungsnot ihre großen Wohnungen in solche von 3, 4 und 5 
entgegenzutreten. Dann werden w ir es nicht bei Zimmer geteilt Habens daß «diese Wohnungen sehr ge­
einer bloßen Sympathiebekundung belassen haben, jucht sind.
die Herr Kollege Wöllmer im vorigen Jahre unserm Nun möchte ich gern einmal erfahren, wie sich 
Antrage gegenüber zum Ausdruck gebracht hat, son­ die Freunde der Herren Hirsch und Katzenstein über­
dern dann werden w ir den Beweis erbracht haben, haupt die Ausführung des Baues von Kleinwohnun­
daß w ir den Worten auch Taten folgen zu lassen gen denken. Arbeiter sind nicht zu haben, da sie für 
bemüht sind. ganz andere notwendige Zwecke gebraucht werden, 
und selbst kurz nach dem Kriege wird es nicht viel 
Stabtb. Dr. Liepmann anders sein. Aber eins wird mit aller Sicherheit (zur Geschäftsordnung): eintreten, nämlich eine außerordentliche Erhöhung 
Obgleich sich Herr Kollege Hirsch nicht mit dem Aus­
druck der Sympathie begnügen will, möchte ich für «der Preise nach dem Kriege. Sachverständige Leute 
meine Freunde diese erklären, sowie weiter, daß w ir schätzen diese Erhöhung auf nicht weniger als 30 bis 
dem Ausschußantrag zustimmen, aber jetzt den Antrag 50%. Und was wird die Folge sein? Die Stadt, die das Wagnis unternehmen soll —  obwohl es 
auf Schluß der Debatte stellen, da die ganze Frage ihr eigentlich nicht zusteht, da es in erster Reihe Lache 
ja im Ausschuß ausführlich diskutiert werden wird. des Staates ist, dafür zu sorgen — , müßte diese 
Wohnungen zu hohen Preisen ausbieten, selbst wenn 
(Der Antrag wird genügend unterstützt, aber sie das Geld zinslos hergäbe. Oder es müßte der 
-der Schluß der Debatte selbst in der Abstimmung nach andere Fall eintreten, daß «die Stadt sagt: ich ver­
Probe und Gegenprobe abgelehnt.) miete die Wohnungen sehr billig. Und was wäre 
dann die Folge? Die jetzigen Hausbesitzer, die auf 
Stabtb. Bergmann: das Vermieten angewiesen sind, würden in.schwere Meine Herren! Ich kann Bedrängnis kommen, wenn jetzt die Stadt als Kon­
dem Gedankengange der Herren Hirsch und Katzen­ kurrent aufträte. Mso ich meine, w ir sollten uns doch 
stein nicht folgen, ich stimme vielmehr meinem vorsehen und keinesfalls den Magistrat drängen, in 
Freunde Wöllmer zu, wenn er sagt, daß er gleich 
dem Magistrat eine abwartende Stellung einnehme. diesem Augenblick vielleicht unüberlegte Beschlüsse 
W ir wissen, daß jetzt im Kriege alles im Fluß ist, zu fassen, da w ir selbst nicht wissen, wie es in Zu­
aber nichts so sehr wie die Erwägungen über den kunft werden wird.
Kleinwohnungsbau, über das Siedlungswesen usw. Meine Herren, es kann auch noch ein anderer 
I n  diesem Augenblick wäre es doch mindestens ver­ Fall eintreten. Es ist möglich, daß w ir nach dem 
fehlt, wenn w ir den Magistrat dazu drängen wollten, Kriege eine Industrie nach Eharlottenburg bekämen, 
irgendeinen entscheidenden Schritt zu tun, der uns was ich von Herzen wünschen würde. Dann wäre 
vielleicht teuer zu stehen kommen könnte. Insbeson­ es ja auch möglich, daß große Gesellschaften für ihre 
dere so lange dürfte er es nicht tun, bis nicht voll­ Arbeiter selbst bauen, was außerordentlich wünschens­
ständig klare Verhältnisse geschaffen sind. wert wäre. Aber selbst wenn das nicht geschähe, wäre 
es immer noch Zeit, daß die Stadt die Sache in die 
Meine Herren, ich w ill nicht etwa sagen, daß Hand nähme.
hier ein Ueberfluß an Kleinwohnungen besteht, das 
wäre ja vermessen; aber es bestehtauch kein zu großer Ich kann von einer akuten Wohnungsnot, von 
Mangel, und ich glaube, die berufensten Beurteiler der der Kollege Hirsch spricht, absolut nichts wahr­
dieser Lage sind die Vorsitzenden der Kriegshilfs­ nehmen, und ob sie nach dem Kriege sein wird, ist 
kommissionen. Ich spreche nicht nur aus meiner doch zum mindesten sehr zweifelhaft. Das sind doch 
Kenntnis der Dinge heraus, sondern ich habe mich nur Vorahnungen, auf die hin w ir doch nicht bauen 
auch mit anderen Kollegen darüber unterhalten, die und uns in ungeheure Unkosten stürzen können, w irr 
genau das gleiche sagen, daß nicht ein einziger Fall die einzige Stadt von Groß-Berlin. Eine Klein- 
vorgekommen ist, in dem eine Familie eine Klein­ Wohnungsnot ist hier nicht vorhanden, und nach dem, 
wohnung nicht erhalten hätte. Nun müssen w ir be­ was ich gehört habe, glaube ich, daß in der Stadt 
denken, daß während des Krieges nicht etwa eine Ab­ Berlin selbst eher ein Ueberfluß an Kleinwohnungen 
wanderung nach oben, also nach den Mehrzimmer­ zu verzeichnen ist. Ich würde eben deshalb im Gegen­
wohnungen stattgefunden hat, sondern unbedingt eine satz zu den beiden Herren, den Magistrat bitten, sich 
Abwanderung nach unten, d. H. also, daß die Leute, von dem Wege ruhiger Ueberlcgung in keiner Werfe 
die . früher 4 Zimmer hatten, während des Krieges abbringen zu lasten.
eine Wohnung mit 3 Zimmern genommen haben, 
diejenigen, die 3 Zimmer hatten, sich mit 2 Zimmern (E in erneut gestellter Antrag auf Schluß der 
begnügen usw. Es ist als sicher vorauszusehen, daß Debatte wird genügend unterstützt und angenommen.)
        
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