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Periodical volume 12. Dezember 1917

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1917

Sitzung am 12. Dezember 1917 213
notwendig ist, das so schnell wie möglich in Angriff see nennen —  alle Vorbedingungen für die Entwick­
zu nehmen. Wenn es sich herausstellt, !daß diese lung der Industrie gegeben, und es sind dort gerade 
Maßnahmen, -die zunächst gar nichts kosten, ver­ sehr potente Baugesellschaften vorhanden, die gern 
früht waren oder daß sie gar nicht notwendig ge­ ihre Terrains verwerten, dabei aber wiederum durch 
wesen sind, wenn sich hinterher die Dinge besser die gesetzlichen Bestimmungen geschädigt sind; es 
"stellen, dann ist es gewiß gut. Tiber zeigt es sich, kommen da Umsatzsteuern, Abgaben für Kriegsge- 
daß sie sich so stellen, wie manche unter uns be­ wiune usw. in Betracht. Ich bitte um Entschuldi­
fürchten, dann müssen w ir uns unter allen Um­ gung, meine Herren, wenn ich das anführe; aber ich 
ständen sagen können, daß w ir nichts versäumt haben. möchte schon gern praktische Hinweise geben. Man 
müßte vorsehen, daß in solchen Fällen kontrahiert 
(Bravo!) wird, —  ich nehme an, daß Groß-Berlin einig ist, 
Stadtv. .stau(mann: Meine Herren! Ich stimme solche Bauten zu errichten. Man fordert dann die 
m it dem Herrn Kollegen Bernhard im wesentlichen Baugesellschaften, die hier bestehen und viele Ter­
darin überein, daß man m it den Beratungen nicht rains haben, auf: stellt uns zu solchen gemeinnützi­
warten kann, bis der Friede, so Gott w ill, da sein gen Bauten euer Gelände zur Verfügung und fordert 
wird, sondern daß man je früher desto besser an die einen Preis für die Errichtung der Bauten; w ir-wer­
Vorbereitung der Dinge geht, und ich glaube, daß, den euch zugestehen, dann in eurem Interesse da­
wenn sich in Ausführung des Antrages, den die Sibc- rüber zu verhandeln, daß euch gewisse Abgabe», Um­
rale Fraktion gestellt hat, der Magistrat m it den satzsteuern, Gewinnsteuern usw. erlassen w erkn 
Gemeinden Groß-Berlins in Verbindung setzt, er müssen, immer vorausgesetzt, daß der billige Preis 
dann das Grundprogramm haben muß, praktische dazu reizen kann, und ich weiß aus der Praxis, 
Arbeit j u  leisten und nicht theoretisch zu beraten. das; Sie da Wohl zum Ziele kommen würden. Es 
Wie wird sich das gestalten? würde sich nur darum handeln, die Summe x für 
Praktische Arbeit nenne ich es, daß man, den Erlverb des Grundstücks und die Ausführung 
wenn eine prinzipielle Uebereinstimmung her­ des Baues zu verzinsen, daß das Kapital dazu her­
beigeführt ist, je eher desto besser daran geht, gegeben wird, und nur die Garantie der Zinsen 
die Dache in die Wirklichkeit zu übertragen, würden die Groß-B-erliner Gemeinden auf sich neh­
und meiner Ansicht nach lassen sich alle d i r  men müssen, wenn sie durch den Staat nicht zu er­
Schwierigkeiten, die , man theoretisch hier kon­ reichen ist; vielleicht läßt sich beides kombinieren. 
struiert: „D ie Baukosten ließen sich nicht über­ Das würde unbedingt dazu führen, daß sich schon 
sehen, es ließ sich dies und jenes nicht übersehen," vor Beendigung des Krieges ein praktisches Ergeb­
in Anbetracht der großen Zahl — sich w ill sie mal nis zur Vorbeugung einer solchen Not herausstellt. 
so nennen —  von Tcrraingesellschaften, die in Groß- Es bedarf nur, wenn der Grundgedanke akzeptiert 
Berlin  bestehen, wohl beseitigen. Meiner Ansicht ist, der Verhandlung m it den vorhandenen Faktoren.
nach liegt bei ihnen der dringende Wunsch vor, zu Ich empfehle daher dem Magistrat, die Frage 
realisieren. Die Schwierigkeit wer Realisation wird einer Besprechung m it den Größ-Berliner Gemeinden 
sich, wenn ein großer Verband herauskommt, der beschleunigt, d. H. kurzerhand, in die Wege zu leiten, 
sich der Sache annimmt, überwinden lassen. Sie sei es, daß sich ein Verband ad hoc bildet, sei es, 
läßt sich dadurch überwinden, daß man solche Gesell­ daß der Zweckverband, der nun schon einmal besteht, 
schaften veranlaßt, ihrerseits auch Baugesellschaften die Dinge in die Hand nimmt. Kommen w ir grund­
zu werden, so daß sie die Bauten, die man nötig sätzlich zu einer Verständigung, jo wird sich die 
har, ausführen. Es läßt'sich heute zwar eine Rente praktsche Ausführung sehr schnell in die Wirklichkeit 
nicht aufstellen, aber es lassen sich wohl Unter agen übersetzen lassen.
schaffen, wenn die Gemeinden alle zusammen ein­ Vorsteher Dr, Frentzcl: Gcschäftsordnungsmäßig
sehen, daß eine Notwendigkeit vorliegt, dieser Woh­
nungsnot beizeiten zu steuern, und da sind die möchte ich noch, ehe ich das Schlußwort erteile und 
Gründe, die besonders Herr Kollege Bernhard" an­ ehe die Herren fortgehen, mitteilen, daß das Proto­
geführt hat, so durchschlagend, daß man wohl darin koll der heutigen Sitzung die Herren Bade, B rix und 
zusammenkommen könnte. Dr. Byk vollziehen.
Es würde sich darum handeln, solchen Bauge­ Ttadtv. Katzenstein (Schlußwort): Meine
nossenschaften, wenn sie sich aus den Terraingesell­
schaften selber bilden, eine ausreichende Beleihung Herren! Der verehrte Herr Vorredner hat uns aus 
dieser Bauren zu mäßigen Zinssätzen zu gewähren, deut Schatze seiner reichen Erfahrungen verschiedene 
und wenn die Gemeinden untereinander gemein­ praktische Vorschläge gemacht, die zweifellos als eine 
schaftlich arbeiten wollten, so ließe sich wohl ratier­ ernsthafte Grundlage für die praktische Arbeit ange­
lich die Garantie für eine solche Verzinsung —  und sehen jw rden können. I m  übrigen sind w ir ja heute, 
darum würde es sich handeln —  beschaffen; es wird wie Herr ^tadtsynditüs Sembritzki bereits erwähnt Hut, nicht in  der Lage gewesen, diese Frage, die nun 
auch Hypothekenbanken usw. dafür geben. ES läßt 
sich also praktisch aus diesem Gebiete arbeiten. leider eine so alte ist, von neuen Gesichtspunkten her .-Krachten zu können, sondern w ir haben die vor­
Nun hat Herr Kollege Meyer geäußert, es handene N ot..d ie  ja für den gegenwärtigen Zeit- 
würde sich die Notwendigkeit herausstellen, vielleicht Punkt wohl von niemand bestritten wird, Wiek n t in 
diejenigen Gemeinden, die solche Bauten errichten, festgestellt und uns erneuj gefragt, was geschehen 
zu entschädigen. Meine Herren, ich bin ganz ande­ tonne, um ihr abzuhelfen. Aber es ist an der Zeit, 
rer Ansicht. W ir haben nicht nötig, der Wohnungs­ über diele Erwägungen hinauszukommen. Herr 
not zu steuern und solche Arüciterwohnungen, wie ■-uchege Bernhard hat bereits darauf hingewiesen, 
ich sie mal nennen w ill, in Charlottenburg zu er­ dal; jeden Augenblick die Notlage eintreten und ein 
richten. Es sind in Groß-Berlin in manchen Ort- s lches Zuströmen von Massen in die Großstädte 
i .'basten —  ich w ill Ihnen beispielsweise hier Weißen­ und nach Groß-Berlin und Charlottenburg stattsin-
        
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