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Periodical volume 12. Dezember 1917

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1917

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maßgebenden Stellen Fühlung nehmen, bannt später an diesem Punkte, der einer der wichtigsten der ge­
Menschen und Material zum Bauen da sind. Aber samten .Kommunalpolitik ist, -einmal praktisch ange­
das .(xiuptbcdcnfen, das wir gegen den Antrag faßt würde,
haben, ist bas, das; unseres Erachtens die Frage bes 
Wohnungswesens eine Groß-Berliner Frage ist, 6a« (sehr richtig !)
reicht von einer einzelnen Kommun« Groß-Berlins 
gelöst worden sann. Ich schließe mich hier ganz den wenn die Groß-Berliner Gemeinden hier es ver­
Ausführungen an, die in der Verhandlung vom 19. stehen würden, einen freiwilligen Zweckverband zu 
Januar 1916 Herr Stadtsyndikus Sembritzki ge­ bilden, der in vernünftiger Weise diese große Sorge, 
macht hat. Er führte aus, daß er die Mleinivoh- die auf uns lastet, ausräumt und -die heimkehrenden 
nungsfrage innerhalb einer einzelnen Gemeinde Krieger vor Wohnungsnot schützt. Um dafür einen 
Groß-Berlins überhaupt für unlösbar halte und baß Weg anzubahnen, haben w ir Ihnen unsern Antrag 
der Wohnktngsmiarkt wie die meisten anderen Märkte vorgelegt, und ich bitte Sie, diesem Antrag zuzu­
Groß-Berlins nicht ein Markt der einzelnen Ge­ stimmen.
meinde, sondern eine Angelegenheit Groß-Berlins ist. (Bravo!)
Meine Herren, wie sehr das eine Groß-Berliner 
Angelegenheit ist, geht zunächst ja schon daraus her­ Stabtu. Dr: Byk: Meine Herren! Ich Möchte 
vor, daß w ir die Frage, ob ein Wohnungsman-gel meine Ausführungen wieder damit beginnen, daß 
überhaupt besteht, nur an der Hand der Groß-Ber­ wir für die Wohnungsfrage volles Verständnis haben, 
liner Statistik zu prüfen vermögen. daß w ir uns in unseren Anträgen und Vorschlägen 
nur von hygienischen Gesichtspunkten leiten lassen, so 
(Sehr richtig!) daß eben ein jeder in der Stadt die bestmögliche und- 
e eine gesunde Wohnung zur Verfügung hat, und ins­
Ich habe Ihnen vorhin nachzuweisen versucht, daß besondere liegt uns daran, daß die heimkehrenden 
man wohl in einem Teile der Gemeinden Groß- Krieger möglichst reichliche und hygienische Wohnun­
Berlins einen Wohnungsmangel, in andern aber gen vorfinden. Ich betone das, weil m ir bei der vori­
einen verhältnismäßig ebenso großen oder größeren gen Debatte von Herrn Kollegen Hirsch in der D is­
Wohii-ungsüberfluß haben kann. Wenn das aber der kussion der Vorwurf gemacht worden ist, daß ich vom 
Fall ist, dann besteht im Rahmen Groß-Berlins eben einseitigen Hatt sb esitzerstandpunkk aus gesprochen 
überhaupt fein Wohnungsmangel. Darum kann habe.
die Entscheidung, ob und nötigenfalls wo Kleinwoh­ Ich muß dem Herrn Kollegen Hirsch zugeben, 
nungen errichtet worden sollen, befriedigend nur von 
weiteren und höheren Gesichtspunkten getroffen wer­ daß -gegenwärtig in Charlottenburg eine Notlage be­
ben. Genügen die vorhandenen nicht, so ist die züglich der Kleinwohnungen vorliegt, daß ein Mangel, 
Vorfrage: wo ist ein Bedürfnis, wo befindet sich an Kleinwohnungen besteht; aber es ist nicht sicher, ob dieser Mangel an Kleinwohnungen auch fort­
oder entsteht die Industrie, für deren Arbeiterschaft bestehen wird. Denn es ist uns kürzlich in einer De­
Wohnungen fehlen? Und wenn das beantwortet ist, putation von Herrn Stabtrat Spiegel gesagt wor­
bann muß ferner geprüft werden, ob an dem Orte den, daß jetzt schon ein Iteberangebot von Arbeits­
der Industrie Kleinwohnungen zu schaffen sind, oder kräften vorhanden ist, daß -der Arbeitermangel, der 
ob man besser tut, sie an -einem andern Orte zu er­
richten, nach dem eine gute Schnellbahnberbindung bis vor kurzem geherrscht hat, in einen Ueberfluß. umgeschlagen ist, indem sich mehr Arbeitskräfte zur 
führt. Da im wird man sich wieder im Einzelsall zn 
überlegen haben, ob, wenn sie nach einem andern Arbeit melden, als gegenwärtig untergebracht wer­den können. Wie Herr Kollege Meyer schon ausge­
Orte gelegt werden, etwa eine Entschädigung dieses führt hat, liegt das daran, daß eine teilweise De­
anderen Ortes notwendig ist, weil er. eine ärmere 
Bevölkerung in seine Mauern bekommt. zentralisierung der Rüstungsindustrie stattfindet, daß die Regierung bemüht ist, die Rüstungsindustrie teil­
Meine Herren, -alle diese Fragen, ich wieder­ weise in andere Gegenden zu verlegen. Wenn das so 
hole es, lassen sich nur von Groß-Berliner Gesichts­ weiter geht oder gar noch fortgeführt wird, so ist mit 
punkten aus prüfen und lösen. Ich widerspreche der Wahrscheinlichkeit zu rechnen, daß «in sehr kurzer 
nicht dem Herrn Kollegen Hirsch darin, -daß es da­ Zeit die Arbeitskräfte abwandern und wir dann nicht 
neben noch Fragen gibt, die auch von einzelnen Ge­ mehr den Kleinwohnungsmangel haben werden, wie 
meinden zu lösen sind, daß die einzelnen Gemein­ er gegenwärtig herrscht. M ir  selbst ist bekannt, daß 
den für ihre Angestellten, für ihre Arbeiter noch be­ zahlreiche Arbeiter aus entfernten Gegenden hierher 
sondere Vorkehrungen treffen können. Aber das sind gezogen sind, weil sie hier eine bessere Verdienstmög- 
doch verhältnismäßig geringfügige Unternehmungen lichfeit haben. Wenn also die Industrie jetzt dezentra­
im Verhältnisse zu den großen Einrichtungen, die lisiert wird, so wiid zweifelsohne ein großer Teil der 
überhaupt getroffen werden müssen, wenn -wir mit Arbeiter ai ßerhalb Groß-Berlins ziehen, so daß also 
den Herren von der Sozialdemokratischen Fraktion ein Wandel in dieser Beziehung eintreten wird.
davon ausgehen, daß nach dem Kriege ein wirklicher Wenn also der Klein lochn n ngsin anget für die 
Wohnungsmangel in Groß-Berlin hervortreten wird. Gegenwart zugegeben weiden muß, so ist es nach 
Ich komme also zu dem Schlüsse, daß w ir meiner Auffassung doch sehr, sehr zweifelhaft oder 
wünschen, es sollen Maßnahmen dieser A rt schleu­ ganz unwahrscheinlich, daß ein solcher Kleinwohnung»- 
nigst und unverzüglich im Groß-Berliner Kreise be­ Mangel auch nach dem Frieden noch weiter bestehen 
raten und vorbereitet werde». W ir haben jetzt in wird.
den letzten Wochen und Monaten so viel -darüber Ich glaube, das Rechenerempel ist doch sehr cim 
streiten gehört, was für Groß-Berlin das Richtige ach. W ir haben auf den Schlachtfeldern zum minde­
ist: ob die Gesamtgemeinde, ob der Zweckverband, ob sten bereits weit, weit über eine M illion Krieger 
irgendwelche andere Organisation. Das Schönste verloren; ein gioßer Verlust an Menschen ist mich in 
und Beste wäre, wenn das Groß-Berliner Problem der Gefangenschaft zu beklagen, im Lande sind die
        
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