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Periodical volume 10. Oktober 1917

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1917

Eiyung am 1 f. Oktocr 1917 1 8 3
Berlin haben die Automatenbezieher diesmal eine wünschen, daß e i n z e l n e  Räume g u t geheizt wer­
besondere Berücksichtigung gefunden: die Erhöhung den und sind zu jeder Einschränkung gegen ent­
ist bei diesen in Berlin nicht von 16 auf 20 H , sprechende Rückvergütung bereit. Einige haben sich 
wie bei den anderen Gasabnehmern, sondern nur auf aber gesträubt und wollen a l l e  Zimmer nach wie 
18 H erfolgt. W ir haben bei der Etatberatung, als vor geheizt haben. Der W irt ist dagegen machtlos 
wir den Gaspreis von 13 auf 16 erhöhten, bei und die Folge ist, daß er dadurch zu sparen versucht, 
den Automaten keine Preiserhöhung eintreten lassen. daß er die Räume ganz ungenügend beheizen läßt, 
Somit stellen sich die Preise für Gas, das durch die so daß beispielsweise in meinem Hause, wo w ir bis 
Automaten bezogen wird, jetzt bei uns fast gleich so jetzt 10° Celsius hatten, die Temperatur heute bei 
teuer als in Berlin. Wenngleich also ein. allgemeine Heizung auf nur l lV z ° Celsius gestiegen ist.
Verleueiunq —  also auch bei den Automaten — ein­ Meine Herren, der verflossene Rcichskommissar 
getreten ist, so ist doch die Preisdifferenz zwischen für die Kohlenversorgung hat seinerzeit gesagt, der 
Berlin und uns nur eine ganz minimale. Darauf ist Hauswirt sollte sich als Familienvater fühlen und sich 
es wohl zurückzuführen, daß der Herr Berichterstatter mit den Mietern zu verständigen suchen. Das ist aber 
der Ansicht war, es wäre überhaupt keine Verteue­ in den meisten Fällen unmöglich. Deshalb ist eine 
rung eingetreten. I n  Wirklichkeit wird bei der dies­ s c h l eun i ge  behördliche Anordnung dringend 
maligen Preiserhöhung eine Ausnahme bei den nötig, welche die Beheizung der Räume mit Zen­
Automaten nicht gemacht. tralheizung im Interesse des Vermieters und der 
Mieter regelt und die Möglichkeit schafft, mit den 
Vorsteher Dr. Frcntzel: Das Wort wird nicht zugewiesenen 50 % auszukommen. Es liegt ja auch 
weiter verlangt; ich schließe die Aussprache. Der schon ein Präzedenzfall vor, und das widerspricht 
Herr Berichterstatter verzichtet. W ir kommen zur der Auffassung des damaligen Herrn Reichskom­
Abstimmung. Da der von Herrn Byk verteidigte An­ missars, daß er sich nicht in Angelegenheiten privat­
trag — gleichzeitig unterschrieben von den Herren rechtlicher Natur mischen wollte oder könnte. Es ist 
Riesenberg, Dr. Genzmer, Weise, Peesch und Pan- bereits die Warmwasserversorgung, wenn auch in 
schow — eingegangen ist, so muß die Abstimmung ge­ wenig befriedigender Weise, geregelt. Weshalb soll 
trennt vorgenommen werden. das nicht auch bei der Heizung in vielleicht besserer 
Weise möglich sein.
(Die Versammlung lehnt den Antrag des 
Stadtv. Dr. Byk, den Preis für Treppen-Gasbeleuch- Meine Herren, es hat sich eine große Un.uhe der 
tung unverändert bestehen zu lassen, ab und beschließt .Hauswirte bemächtigt, die wahrhaftig nicht* auf 
darauf in getrennter Abstimmung über die Höhe des Rosen gebettet sind. Die Hauswirte im allgemeinen 
Wasserpreises, des Gaspmses und des Strompreises und die Wirte, die Häuser mit Z e n t r a l h e i z u n g  
mit großer Mehrheit nach den aus Seite 201 und haben, insbesondere, auch die Mieter leiden sehr 
202 der Druckvorlagen abgedruckten Vorschlägen des unter den u n k l a r e n  Verhältnissen. W ir würden 
Ausschusses.) dem Magistrat sehr dankbar sein, wenn er uns heute befriedigende Auskunft erteilte und so zur Beruhi­
Damit sind die Gegenstände unserer Tagesord­ gung dieser Kreise beitrüge, denn so wie bisher kann 
nung erschöpft. W ir kommen nunmehr zu der vor­ es unmöglich weiter gehen.
hin verlesenen
Oberbürgermeister Dr. Scholz: Meine Herren! 
Anfrage der Stadtv. Bollmann und Gen. betr. Heiz­ Ich habe mich zwar zur Beantwortung der Anfrage 
einschränkungen bei Wohnungen mit Zentralheizung. bereit erklärt, aber ich will gleich feststellen, daß ich 
die Anfrage trotzdem nicht beantworten kann. Das 
Fragesteller Stadtv. Bollmann: Meine Herren! klingt wie ein Widerspruch. Ich halte es jedoch für 
Der Kohlenverband Groß-Berlin hat mit Rücksicht zweckmäßig, daß diese Angelegenheit hier in der 
auf die nunmehr mehrere Tage andauernde kalte Öffentlichkeit einmal kurz erörtert wird, damit die 
Witterung das Verbot, Kohlen zur Beheizung von Stellen, die in der Lage sind, eine Verordnung zu 
Räumen zu verbrauchen, bis auf weiteres außer Kraft erlassen, auf die Dringlichkeit der Verordnung hinge­
gesetzt. Es wird jetzt den Hauswirten gestattet, auch wiesen werden. Ich stehe mit dem Herrn Vorredner 
die Wohnungen mit Zentralheizung zu heizen. auf diesem Standpunkt, und ich glaube, ein jeder 
Gleichzeitig wird aber dringend empfohlen, für die von uns, ob er nun Vermieter oder Mieter ist, hat 
Zukunft ä uße r s t e  S p a r s a m k e i t  walten zu in diesen Tagen auch schon die Frage auf den Lippen 
lassen. gehabt: wie soll nun eigentlich die Regelung er­
Die Hauswirte befinden sich in einer sehr folgen?
schlimmen Lage, weil sie nicht wissen, wie sie die (Sehr richtig!)
50 %, die ihngn zugebilligt sind, tatsächlich verwen­
den sollen; —  wenn man den geringeren Heizwert Gerade aus diesem Grunde halte ich es für zweck­
des Kokses berücksichtigt, kommen höchstens 40 % mäßig, daß die Sache einmal besprochen wird.
des vorjährigen Quantums heraus. E s  f e h l t  Wie gesagt , meine Heiren, eine Antwort auf 
immer noch eine Verfügung, wieviel Räume in jeder die Anfrage kann ich nicht erteilen. Ich kann nur 
Wohnung geheizt werden sollen, um mit dem zuge­ darauf verweisen, daß der Kohlenverband Groß- 
wiesenen kleineren Quantum durchzuhalten. Ohne Berlin bekanntlich eine Verordnung erlaßen hat, in 
behördliche Verfügung geht dies aber nicht. Ich der die Frage der Zentralheizung nur g e st r e i f t 
habe es in meinem Hause, in dem 32 Mieter wohnen, ist, einmal dadurch, daß zunächst der 15. Oktober 
versucht: ich habe die Herrschaften zusammengerufen, als Beginn der Heizung angesetzt worden ist —  
habe ihnen den Ernst der Lage klar gemacht und die dieser Teil der Verordnung ist seit gestern wieder 
Frage vorgelegt: wollen Sie lieber e i n i g e  Räume aufgehoben worden — , und dann nach der Richtung, 
n o r m a l  geheizt haben oder sämtliche Räume daß die Jnnentemperatur der Räume 18° nicht über­
w e n i g e r  gut. Da hat die Mehrzahl gesagt: W ir steigen soll. Sonstige Verordnungen liegen nicht vor.
        
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