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Periodical volume 7. Februar 1917

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1917

Sitzung am 7. Februar 1817 11
nmltung, die vor einigen Monaten erschienen ist, in Preußen, Süddeutschland leistet viel mehr, und auch 
gleichfalls Vorbereitungen zu einer Förderung des in Preußin fchtz alle int Wegen —, die .selbst Woh­
Kleinwohnungswesens. Ich w ill hier nur daran er­ nungen gebaut haben, die mit Baugenossenschaften 
innern, daß es sehr wohl möglich ist, die Schaffung oder sonst wie vorgegangen sind. C h a r l o t t e n -  
einer gemeinnützigen Taugenossenschaft in die Wege b u r g befindet sich n ic h t darunter, ras hat nur sein 
'zu leiten, jetzt schon Schritte dazu zu tun, um die Ledigenheim und sonst einige Dinge, die mit dem 
Mitglieder zusammenzubringen, damit nachher, wenn Hypoihetarkredit zusammenhängen, aufzuweisen.
der Krieg zu Ende ist, unmittelbar gebaut werden W ir müssen daher unbedingt verlangen, daß hier 
kann. Die Gesellschaft für soziale Reform macht auch vorgegangen wird. Es genügt nicht, zu sagen: die 
einige Vorschläge, die für den Augenblick, für die verschiedenen Gesetze müssen erledigt werden. Bisher 
akute Notlage, wie sie bevorstehen dürfte, bestimmt war es doch schon möglich, etwas zu tun. Freiburg, 
sind. Sie verlangt, daß die Stadtverwaltung sich mit Ulm, auch Düsseldorf haben nicht gewartet, bis solche 
dem Militärfiskus in Verbindung setze, um möglichst Gesetze verabschiedet waren, sie haben etwas geleistet. 
alle Ba r ac k e n ,  die heute für militärische Zwecke So ist es auch hier möglich. Es geht auch nicht an, 
gebraucht werden, zu erwerben, 'damit sie später für sich immer hinter dem Z we c k v e r b a n d  zu ver­
einen ersten Notstand bienen können; später sann man stecken. Der Zweckverband soll in der Sache einheit­
sie zweckmäßig für Volksheime, Waldschulen usw. lich und geschlossen vorgehen. Wenn das noch nicht 
verwenden. Weiter wird angeregt, man solle reellen geschehen ist, so frage ich: warum hat Charlottenburg 
Hausbesitzern dabei behilflich sein, daß sie leerstehende noch nicht die In itia tive ergriffen? Bisher ist es 
größere Wohnungen und gewerbliche Lokale, an denen wenigstens nicht bekannt geworden, daß unsere Stadt­
ja heute Ueberfluß ist, zu zweckmäßigen Kleinwohnun­ verwaltung dort mit Anträgen vorgegangen ist. Ich 
gen u mb a u e n .  Ich weiß wohl, daß es sich bei behaupte aber ausdrücklich: wenn der Zweckverband 
all diesen Dingen nur um vorübergehende Notbehelfe hier versagen sollte, dann sind, die e i n z e l n e n G e -  
handelt, daß größere und einschneidendere Maß­ m e i n b e n  berechtigt und verpflichtet, selbst vorzu­
nahmen vorbereitet und in die Wege geleitet werden gehen. W ir haben bebauungsfähiges Gelände ge­
müssen. Daß aber der Magistrat hierzu keinerlei nug im  Norden, w ir haben ein Gebiet an der 
Bereitwilligkeit zeigt, das müssen w ir ihm mit aller Jungfernheide, das für ein Villenviertel vorgesehen 
Schärfe zum Vorwurf machen. ist. Es ist dringlicher, notwendiger und wichtiger, 
Natürlich läßt sich nicht sagen: so wie es nach dafür zu sorgen, daß vor allen Dingen der breiten 
1871 gewesen ist, wird es wieder werden. Aber die Masse der Bevölkerung menschenwürdige Wohnun­
G e f a h r  ist vorhanden. Und vergessen w ir nicht: gen geboten werden, damit nicht die Kinder ver­
, heute handelt es sich um weit größere Menschenmassen. kommen und all die Gefahren entstehen, Kindersterb­
Groß-Berlin hat heute die fünffache Anzahl Be­ lichkeit, Tuberkulose usw., die w ir als Folgen der 
wohner, die es damals gehabt hat. Die Gefahr ist Kleinwohnungsnot kennen.
also um so größer. Wenn die Krieger nach Hause Daher bedaure ich die Haltung des Magistrats 
kommen und nicht imstande sind, sich eine angemessene in dieser Frage. Ich möchte wünschen, daß heute 
Wohnung zu suchen, namentlich wenn sie eine größere die Versammlung eine so unzweideutige Haltung ein­
Anzahl Kinder haben, dann werden sich die trauri­ nehme, daß der Magistrat sich veranlaßt sieht, diese 
gen Zustände, wie sie vor dem Kriege schon geherrscht Angelegenheit mit der genügenden Entschiedenheit 
haben, noch verschärfen, daß.der Vater einer größe­ und nötigen Beschleunigung zu behandeln. Ich möchte 
ren Kinderzahl überhaupt keine Wohnung mehr be­ die V e r a n t w o r t u n g  der Herren nicht tragen, 
kommt. Meine Herren, w ir reden und hören so viel wenn nachher die Verhältnisse so werden, wie w ir es 
von der Notwendigkeit der Bevölkerungsvermehrung kommen sehen, und sie sich dann selber sagen müssen 
der Notwendigkeit, die Schäden, die der Krieg bringt, —  ich weiß nicht, ob sie es anderen eingestehen wer­
auszugleichen und dem Entvölkerungsprozeß, wie er den — : w ir haben nicht getan, was notwendig ist. 
sich schon vorher bemerkbar gemacht hat, entgegenzu­ Sie müssen doch keine ruhige Stunde haben, wenn 
wirken. Hier handelt es sich um ein ernstes und sie sich sagen müssen, daß so schwere Gefahren drohen, 
dringliches M ittel, das viel einschneidender wirken «daß diejenigen, die heute ihr Leben für uns opfern 
würde als so manche der kleinen M ittel, die heute und ihre Existenz aufs Spiel setzen, solchen Gefahren 
oft ganz unzweckmäßig angewandt werden. Daher entgegengehen und sie mit gekreuzten Armen dabei­
ist es unbedingt notwendig, hier vorzugehen. stehen und erklären: w ir wollen a b w a r t e n ,  wie 
Aber, meine Herren, ich werde den Verdacht nicht sich die Dinge entwickeln.
los, «daß bei unserm Magistrat tatsächlich gar kein 
großes Interesse für die Sache vorhanden ist. Ich Stadtv. Wöllmer: Meine Herren! Als w ir
verstehe es, eine Gemeinde, die im Westen liegt, die im Januar v. I .  den Antrag der sozialdemokratischen 
recht viel zahlungsfähige, den intellektuellen Kreisen Fraktion annahmen, haben w ir durch unsern Frak­
ungehörige Bewohner zählt, wünscht vielleicht gar keine tionsredner, Kollegen Meyer, unsere Sympathie für 
große Bevölkerung aus Kreisen, die der Finanzver­ den Antrag zum Ausdruck bringen lasten, weil wir, 
waltung weniger genehm sind, die vielleicht auch sonst natürlich nicht nur wir, sondern alle Stadtverordnete 
viel Schwierigkeiten machen. I  chmeine jedoch, es und auch der Magistrat, der Ueberzeugung sinn, daß 
darf keine Gemeinde dem Norden oder «dem Osten die Gemeindekörperschaften alle Veranlassung haben, 
oder sonst den weniger bevorzugten Teilen die Heilung sich mit diesem Problem zu beschäftigen und schon 
der Schäden überlasten, die aus unseren Verhältnissen jetzt, obwohl w ir uns noch mitten im Kriege befin­
hervorgehen, von denen auf der andern Seite ein den, in eine nähere Prüfung dieser Frage einzutre­
größer Teil unserer hiesigen Bevölkerung sehr viele ten. W ir waren uns aber damals —  das hat auch 
Vorteile zieht. I n  dem Buche von K u c z y n s k i , mein Freund Meyer zum Ausdruck gebracht —  
dem Schöneberger Städtestatistiker, über Wohnungs­ keinesfalls im Zweifel über die Schwierigkeiten, ein­
wesen ' der Gemeinden in  Preußen finden w ir eine mal über die Schwierigkeit der Vorfrage, aus die 
Reihe von Gemeinden aufgeführt — allerdings wenige Kollege .Katzenstein wieder ausführlich zurückgekom-
        
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