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Periodical volume 19. September 1917

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1917

Sitzung am 19 . September 1917 165
Magistrat hat aber zugesagt, bei Gelegenheit des also bis zu demjenigen Satze, den bisher die Gas­
nächsten Etats grundsätzlich die Frage zu prüfen, in ­ deputation gewährt hatte.
wieweit die Bezüge dieser Aerzte den heutigen Zeit­ Meine Herren, dieser Antrag, den meine 
verhältnissen entsprechen und inwieweit infolge der Freunde auch jetzt wiederholen, kann als unbillig 
gesunkenen Kaufkraft des Geldes eine Erhöhung wohl nicht empfunden werden. Freilich machte der 
dieser Bezüge erforderlich ist. Herr Berichterstatter und im Ausschuß auch der 
Ich glaube, damit die Beschlüsse des Ausschusses Magistrat einen sehr scharfen Unterschied zwischen 
vollständig vorgetragen zu haben, und darf zum Lohnzuschlägen der Verwaltungsdeputationen, die der 
Schluß nur bemerken, daß die f i n a n z i e l l e  Konjunktur wegen gegeben werden müssen, und Teue­
T r a g w e i t e  der Beschlüste, die Ihnen der Aus­ rungszulagen. Ich w ill m ir für den Augenblick mal 
schuß vorschlägt, sich auf ungefähr 1 500 000 dl an diesen Unterschied zu eigen rnachen und lediglich von 
jährlichen Ausgaben belaufen wird. W ir sind uns der Teuerungszulage sprechen, die nunmehr nach dem 
aber bewußt, daß trotzdem nur ein Stückwerk zu­ Antrage des Ausschusses auf 25 H bemessen werden 
stande kommt, nur ein Ersatz, ein Ersatz für eine soll, um, wie der Herr Berichterstatter sagt, einen 
grundlegende Neuaufstellung des Normalbcsoldungs- Ausgleich für die gegenwärtige Teuerung herbeizu­
plans und des Normallohnplans. Diese Neuauf­ führen. M it  diesem Lohnzuschlag, durch den die 
stellung ist im Kriege nach unserer Auffassung nicht Arbeiter mit zwei Kindern, und zwar die ungelern­
angebracht: aber w ir sind des bestimmten Willens, ten, im Höchstfälle auf 2922 dl, die gelernten auf 
sie'vorzunehmen, sobald der Krieg vorüber ist. 3132 dl, die Feuerwehrleute auf 3402 dl kommen, 
Meine Herren, ich habe endlich noch darauf — m it dem Einkommen von 3400 dl bei den Feuer­
hinzuweisen, daß der Magistrat in einer N a c h ­ wehrleuten und bei den Arbeitern von noch nicht 
t r a g s v o r l a g e  den Antrag stellt, zu beschließen, 3000 dl ist ein Ausgleich entsprechend der gegen­
daß die Kriegsteuerungszulagen bei einem neu an­ wärtigen Teuerung nach dem Urteil meiner Freunde 
zulegenden Vorschußsonderkonto zu verausgaben und nicht möglich, ich glaube, auch nicht nach dem Urteil 
die Lohnzuschäge künftig als Kriegsteuerungszu­ der Freunde des Herrn Berichterstatters und dem 
lage zu bezeichnen sind. Der erste Wunsch recht­ des Herrn Berichterstatters selbst. Denn der Herr 
fertigt sich von selbst: der zweite Wunsch hängt m it Berichterstatter fügte vorsichtigerweise seinen Worten 
dem Ihnen von m ir bereits entwickelten System zu­ hinzu: die Zulage habe den Zweck, die Teuerung 
sammen, daß eben die Zulagen, die w ir hier be­ in dem Umfange auszugleichen, „ in  dem die Stabt 
schließen, Kriegsteucrungszulagen im eigentlichen dazu in der Lage ist". Es scheint also, daß letzten 
S inne sind, während es sich bei den Zulagen für die Endes bei dem Herrn Berichterstatter und seinen 
Gasarbeiter, Elektrizitätsarbeiter usw. um Lohnzu­ Freunden der finanzielle Effekt maßgebend ist. Ich 
schläge im Sinne von Lohnerhöhungen handelt. glaube wohl, daß der Herr Berichterstatter anerken­
Ich bitte Sie demnach im Namen des Aus­ nen wird, daß, um die Teuerung auszugleichen, ein 
schusses, den Beschlüssen des Ausschusses beizutreten, höherer Zuschlag gerechtfertigt und daß es lediglich 
und ich bitte Sie zugleich, wie ich glaube, auch im der größere finanzielle Effekt ist, der ihn von dem 
Einverständnis m it den übrigen Mitgliedern des Schritt, von 25 auf 30 4  zu gehen, abschreckt.
Ausschusses, die Nachtragsvorlage des Magistrats Bei der Gelegenheit, meine Herren, muß ich 
anzunehmen. doch mit Nachdruck hervorheben, daß auch in den 
Verwaltungsdeputationen, wenigstens so weit es m ir 
(Bravo!) bekannt ist, die höheren Zuschläge keineswegs aus­
\ schließlich oder auch nur vorwiegend aus dem Ge­
Stadtv. Dr. Borchardt: Meine Herren! I n  sichtspunkte der Konkurrenz, der Aufrechterhaltung 
bezug auf die Lohnzuschlägc, also die Kriegs- der Betliebe, der Konjunktur gewährt werden, son­
teuerungszulagen, hat Ihnen der Herr Bericht­ dern daß auch in den Verwaltungsdeputationen der 
erstatter gesagt, daß der Gedanke, diese Teue­ Gedanke eine sehr wesentliche Rolle spielt, in den 
rungszulagen für alle Arbeiter, die in der Stadt be­ erhöhten Lohnzuschlägen einen Ausgleich für die ge­
schäftigt sind, gleichmäßig zu gestalten, zunächst im genwärtige Teuerung zu schaffen. Daß hier bei den 
Ausschuß auf großes Wohlwollen stieß, daß sich aber Löhnen, auch in der Gasindustrie, nicht von Kon- 
dann herausgestellt habe, es sei nicht möglich, allen junktullöhnen die Rede sein kann, lehrt eben schon 
Arbeitern diejenigen Lohnzuschläqe zu gewähren, die ein ganz einfacher Vergleich dieser Löhne m it den 
in den Verwaltungsdeputationen gegeben werden, in der Rüstungsindustrie gegenwärtig bezahlten Kon- 
bei denen Lohnzuschläge entsprechend der Konjunktur junkturlöhnen. Auch das Gaswerk ist gar nicht in 
gewährt werden müssen. Ter Antrag, der im Aus­ der Lage, m it den in der Rüstungsindustrie heute 
schuß gestellt war, die Teuerungszulage der Arbeiter üblichen Löhnen zu konkurrieren, und'wenn das Gas­
statt auf 20 auf 30 H zu bemessen, ging aber zu­ werk trotz der In; der Industrie gezahlten Löhne 
nächst gar nicht dahin, die Teuerungszulage für alle gegenwärtig den Betrieb nicht nur durch Gefangene, 
städtischen Arbeiter gleichmäßig zu gestalten; denn sondern auch durch freie Arbeiter aufrechterhalten 
es ist ja ausgeschlossen, daß die Verwaltungsdepu­ kann, so eben deswegen, weil es immer noch eine 
tationen, die bereits bisher höhere Löhne zugebilligt ganze Reihe von Arbeitern gibt, die das feste A r­
hatten, in Zukunft nicht auch wieder entsprechend der beitsverhältnis in der städtischen Gasanstalt dem A r­
Konjunktur und der Teuerung höhere Löhne ge­ beitsverhältnis vorziehen, das momentan zwar außer­
währen. Ja, bereits in  dem Augenblick, in  dem der ordentlich hohe Löhne gibt, aber in absehbarer Zeit doch 
Ausschuß seine Beratungen Pflegte, hatte z. B. die in den Löhnen sehr herabgehen wird, während die in 
Gasdeputation beschlossen, die bisherigen Zuschläge der Gasanstalt beschäftigten Arbeiter darauf rechnen 
von 30 '■$ noch einmal um 15 ■$ zu erhöhen. können, dauernd bei der Stadt beschäftigt zu bleiben. 
Ein Antrag, diesem Beschluß der Gasdeputation zu Das ist ein Grund, der eben die Gasverwaltung und 
folgen, lag im Ausschuß von keiner r-eite aus vor, wahrscheinlich auch andere städtische Verwaltungen 
sondern der Antrag lautete, bis auf 30 H zu gehen, in den Stand setzt, die Betriebe trotz der Konkurrenz
        
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