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Periodical volume 22. August 1917

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1917

142 Sitzung am 22. August 1917
wie sie mir, augenblicklich wenigstens, unmöglich er Person der Gaswerksleiter die Rolle eines Ver­
scheint. Tenn wenn nur 90% des vorjährigen Ver ordners zugewiesen weiden solle. Ich habe gesagt: 
brauches benutzt werden sollen, der gegenwärtige wenn eine Verordnung ergehen soll und die Ma­
Verorauch tatsächlich aber auf 130% des vorjährigen gistrate und Stadtverordnetenversammlungen können 
gestiegen ist, jo haben w ir es mit einer Einschränkung darüber nicht vorher befragt werden, weil die Zeit 
von etwa 30%, von etwa einem Dritte l desjenigen zu sehr drängt, so ist es notwendig, daß entweder 
zu tun, was gegenwärtig verbraucht wird. Das aber der Reichskommissar selbst die Sache zeichnet oder 
dieser gegenwärtige Verbrauch in dieser Weise ange daß er das Oberkommando veranlaßt, die Zeichnung 
stiegen ist, das liegt doch vor allem an der mangel­ zu übernehmen. Es ist dann die Angelegenheit als 
haften Kohlenbeliefcrung auch der Einzelhaushal sehr dringend hingestellt worden, und sie ist auch 
tungen. Der Herr Oberbürgermeister wies auf die zweifellos dringend gewesen. Die Sache mußte bald 
Zentralheizung hin. Za, meine Herren, die große zum Klappen kommen, weil die Kohlenbelieferung 
Masse wohnt nicht in Häusern mir Zentralheizung, zum Herbst erfahrungsgemäß stark ins Stocken ge­
hat aber ihren Gasverbrauch doch außerordentlich rät und die Gefahr für den Gaswerksbetrieb dann 
ich möchte sagen: beinahe ungemessen, steigern besonders groß wird. Es war also Gefahr im
müssen, eben weil sie absolut nichts anderes zur Er Verzüge, und dem Drängen und den anderen 
zeugung von Wärme zur Verfügung hatte. Das Herren die sich schließlich dazu bereit erklärten, 
sind Verhältnisse, die sich im kommenden Winter folgend, habe ich mich auch m it innerem Wider­
doch nicht zum Bessern, sondern eher noch zum streben bereit gefunden, die Sache mitzumachen.
Schlechtem ändern werden. Ich habe dann bei unseren Besprechungen über 
Unter diesen Umständen scheint es mir nicht die Verordnung den Eindruck gehabt, daß die Sache 
möglich, den Verbrauch weiter einzuschränken, als es nicht, wie es vielfach in der Presse hingestellt worden 
gegenwärtig schon geschieht, also nun gar noch unter ist, vom grünen Tisch aus oder oberflächlich be­
den vorjährigen Verbrauch herunterzugehen, ohne handelt worden ist. W ir haben die Sache nach 
daß ein wirtschaftlicher Zusammenbruch erfolgt, der allen Richtungen hin sehr eingehend durchgesprochen, 
dann auch eine Gesamtkatastrophe herbeiführt. Es namentlich unter Berücksichtigung der Wirkungen,
wäre wirklich ein — es fehlt mü der richtige Ausdruck die die Verordnung auf die Bevölkerung ausüben 
dafür — , wenn es dazu kommen sollte, daß w ir müßte. W ir haben uns gesagt, daß für eine Ver­
in Deutschland, in dem kohlenreichsten Lande der ordnung von so einschneidender Wirkung vor allen 
Erde, deswegen den wirtschaftlichen Zusammenbruch Dingen maßgebend sein muß, daß in die Verhält­
erleiden, daher den Krieg dann auch verlieren wür­ nisse des einzelnen so wenig wie möglich einge­
den und einen uns ausgezwungenen Frieden anneh­ griffen werden dürfe; jeder müsse möglichst in den 
men müßten, weil wir, die w ir uns auf unser Or­ Verhältnissen bleiben, in denen er bisher gewesen 
ganisationstalent so viel zu gute getan haben, nicht sei. Es müßten offenbare Verschwender etwas stär­
imstande gewesen sind, für eine richtige Organisation ker getroffen werden als diejenigen, die sich bisher 
der Kohlenförderung und Kohlenverteilung zu bereits einer gewissen Sparsamkeit befleißigt hätten,, 
sorgen. Diese Folgen, meine ich, können nicht nach und es müßte zur Durchführung der ganzen Ver­
drücklich genug den maßgebenden Stellen zum Be­ ordnung vom rein verwaltungstechnischen Stand­
wußtsein gebracht werden. punkt aus die Verordnung so gefaßt sein, daß nicht 
nachher eine zahllose Masse von Anträgen auf 
(Stadtv. Bernhard: Sehr richtig!) onderstellung zu erwarten sei. Aus diesem Grunde 
laben w ir eine Verordnung nach individuellen Ver­
Betriebsleiter Dr. Funk: Meine Herren! Es hältnissen nicht für gangbar gehalten. Ich möchte 
liegt m ir daran. Ihnen mitzuteilen, auf welche mich hier auf die Einzelheiten nicht zu weit ein­
Weise die Verordnung durch die Vertrauensmänner lassen; sie werden ja in den Beratungen, die wir 
zustande gekommen und ihre Unterschrift darunter noch zusammen haben werden, zur Sprache kommen 
gekommen ist. Als die Kvhlenlieferung nachließ, müssen. W ir haben bei unseren Beratungen immer 
hatten w ir uns vor längerer Zeit in den das Ziel vor Augen gehabt, möglichst keine schlech­
einzelnen Gaswerksbetrieben die Frage vorgelegt, t e  Belieferung als bisher herbeizuführen. Daß 
ob w ir nicht unseren Behörden vorschlagen sollten, natürlich auch bei der Gasmesserverordnung, die 
eine angemessene Rationierung des Gases oder irgend­ nachher herausgekommen ist, sehr viele Härten vor­
welche anderen Maßnahmen zur Einschränkung des fanden gewesen sind, ist uns klar gewesen; aber daß 
Gasverbrauchs hereizuführen. W ir waren Ende diese Härten bei der Ausführung nachher gemildert 
Juni zu der Ueberzeugung gekommen, daß das nicht werden müßten, war uns ebenfalls klar.
mehr zu umgehen ist, und waren in Berlin bei der Ich bedaure persönlich, daß bei der ganzen Ver­
Direktion der Berliner Gaswerke zusammengekom­ ordnung die Vertrauensmänner erstens ihre Un­
men. um vorbereitende Schritte zu tun und Ihnen terschrift haben darunter setzen müssen, und zweitens, 
nachher die Sache fertig zur Beratung und Beschluß­ daß die Verordnung nicht zum Ausdruck bringt, in 
fassung vorzulegen. Als wir bei diesenSitzungenwaren, welcher Weise ein Ausgleich der Härten erfolgen 
traf uns die Nachricht, daß der Reichskommissar die kann, der möglich ist. Ich hoffe, daß das in den 
Gasstelle übernommen hat und beabsichtige, die Re­ nächsten Beratungen mit zur Sprache kommt und 
gelung für ganz Deutschland selbst in die Hand zu daß dann vielleicht die Gasmesserverordnung, wenn 
nehmen. Dadurch waren wir natürlich ausgeschal­ re auch nicht zur weiteren Ausführung gelangen 
tet, und wir haben nun von dem Moment an, möchte sollte, doch nicht so in Grund und Boden getreten 
ich sagen, unter einem gewissen Zwang gehandelt. wird, wie das bisher in der Oeffentlichkeit ge'ckehen 
Ich habe mich in den ersten Besprechungen, die ist.
dann stattfanden — ich lege besonderen Wert da­ Stadtv. Bernhard: Meine Herren! Aus dem. 
rauf,' das ausdrücklich zu betonen — , scharf dagegen was Herr Direktor Funk eben ausgeführt hat, gehr 
gewendet, daß hier den Vertrauensmännern in der fervor, daß diese Verordnung zu denjenigen gehört.
        
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