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Periodical volume 22. August 1917

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1917

Sitzung am 22. August 1917 141
g if tra t  auch weiter  der Sache an n im m t .  H ierbei  run g  der G ro ß -B e r l in e r  G asans ta lten  möglich ist, 
verweise ich auf  den A n tra g ,  der heute h ie r  einge­ d ann  befürchte ich a l s  eine F olge  das  Z usam m en­
bracht w orden  ist. Auch d a  wird  es zweckmässig brechen gerade der Rüstungsindustr ie ,  nämlich das  
fein, daß der M a g is t ra t  F ü h lu n g  n im m t,  dam it  die wirtschaftliche und  physische Zusammenbrechen der in  
V ero rdn un ge n  nicht wieder von oben oktroyiert B e r l in  nach Taufenden  zählenden Arbeiter ,  die in  
werden. der R üs tungs indus tr ie  beschäftigt sind, und auch das  
M e in e  H erren , diese der Bürgerschaft ausge­ Zusammenbrechen der Betriebe, denen nicht genug 
zwungene V ero rdn un g  hat  aber eine tiefere B e ­ G a s  geliefert w ird .  G erade im In te resse  der 
deu tung . D ie  tiefere B edeu tung  erkenne ich darin ,  R üstungsindustr ie ,  also in  ganz hervoragend va te r­
daß  die S eb s tverw a ltu ng  vollkommen ausgeschaltet ländischem Interesse , scheint es mir- notwendig  zu 
w urde . E s  sind ja zwar städtische B eam te  a l s  V er­ sein, d a fü r  zu sorgen, daß  die G ro ß -B e r l in e r  G a s -  '  
t r a u e n s m ä n n e r  e rn a n n t  w orden; aber die Selbs tver-  anfta iten  in stärkerer Weise m it  Kohlen beliefert 
w a l tu n g so rg a n c  sind nicht e inm al gefragt worden, werden. Gerade diesen P u n k t  des A n t ra g s  möchte 
und  es ist nicht zu billigen, daß die staatlichen I n ­ ich durch die A usfüh run gen ,  die w ir  von dem H errn  
stanzen ohne Rücksicht au f  die S e lbs tverw altung^-  Oberbürgerm eister  gehört haben, keineswegs für e r ­
organe, die J a h rz e h n te  die G aswerke m it  E rfolg  ver­ ledigt halten, und ich möchte die H erren  Kollegen 
w altet haben, hier in  dieser Weife autokratisch v o r­ von der F rak t io n  des H errn  Kollegen W öllm er,  die 
gegangen sind. ja diesen A n tra g  m it  eingebracht haben, b itten, auf 
diesen P u n k t  des A n t ra g s  doch einen ganz besonde­
T ta d tv .  Dr. Borchard t:  M e in e  H erren!  T e r  ren Nachdruck zu legen.
A n t ra g ,  der z u r  V erh an d lun g  steht, sagt in  erster W a s  dann  noch gegen die G a s v e ro rd n u n g  übrig  
L in ie ,  daß  der M a g is t ra t  ersucht w ird ,  die m a ß ­ bleibt, ist, daß, wenn n u n  einm al die Einschränkung 
gebenden S te l l e n  auf die dringliche Notwendigkeit im  Gasverbrauch s ta t t f inden  soll, diese E inschrän­
der besseren Kohlenbelieferung G ro ß -B e r l in s  h inzu ­ kung, wie der A n tra g  sagt, nicht in  einer solchen 
weisen. D e r  H e r r  Oberbürgerm eister ha t  ausgeführt,  schematischen Weise, sondern u n te r  sorgfältiger und  
daß  von  maßgebender S e i t e  dargelegt worden  ist, gleichmäßiger Berücksichtigung der individuellen  V e r ­
daß  m it  einer besseren Kohlenbelieferung nicht zu braucherinteressen erfolgen soll. M e ine  H erren , eine 
rechnen ist, und H e r r  Kollege W öllm er hat sich in V ero rdn un g ,  die, wie der H err  O berbürgerm eister  
feinen A u sfü h ru n g e n  d am it  schließlich abfinden zu und H e r r  Kollege W öllm er ausgeführt  haben, ein 
müssen erklärt und  gem ein t:  wenn d a s  n u n  einmal S p a r e n  und ein starkes S p a re n  zum Zwecke hat, 
feststeht, d ann  w ird  die Bevölkerung sich d am it  ab­ wird  natürlich in die einzelnen In te re ssen  ganz 
finden müssen und  w ird  im  allgemeinen v a te r lä n ­ außerordentlich h a r t  eingreifen, und w enn  statt der 
dischen In teresse  eben weiter zusehen, au fs  beste Z ugrundelegung  der G röße  des Gasmessers, die all­
durchzuhalten, u m  d as  auch in der H eim at  zu "er­ seitig a ls  ungeeignet, wollen w ir  mal sagen, bezeich­
füllen, w as  notw endig  ist. H e r r  Kollege W öllm er net worden ist, eine andere G ru nd la ge  genom men 
m ein te :  w enn  eben im  Interesse  der R ü s tu n g s in ­ wird , jv werden zweifellos auch eine übe rau s  große 
dustrie die Belieferung der G asans ta lten  m it  Kohlen A nzahl von H ä r te n  im einzelnen sich ergeben. E s  
absolut unmöglich erscheint, so m ü ß ten  w ir  u n s  d a ­ soll nach dem, w as  u n s  zugesichert ist, der vorjährige 
m it  abfinden, und die Bevölkerung m uß  und wird  Verbrauch der M aßs tab  der Einschränkungen werden.
d ann  den notwendigen O p fe rm u t  ausbringen. D a  werden in allererster L in ie  alle diejenigen ge­
M e in e  H erren , so ganz kann ich mich dieser trosten, die im vorigen J a h r e  ihren Verbrauch schon 
.M e in u n g  nicht anschließen. I c h  vermag vor allem aus das  Aeußerste eingeschränkt haben, während die­
nicht recht einzusehen, wie eine Vernachlässigung in  jenigen besser wegkommen, die sich im  vorigen J a h r e  
der Belieferung  der G asans ta l te n  gerade im  Inte resse  der Notwendigkeit des S p a r e n s  weniger bew ußt ge­
der R ü s tun gs in du s tr ie  geboten sein soll. H e r r  K o l­ wesen sind. D a r a u s  werden sich unzweifelhaft auch 
lege W öllm er wies d a ra u f  hin, daß  auch die G a s ­ eine Reihe von besonderen H är ten  ergeben. W enn  
anstalten  in gewissem S i n n e ,  wie er sagte, rüs tun gs­ ferner der vorjährige Verbrauch a l s  G ru nd la ge  der 
industrielle  Betriebe sind, weil sie d a s  G a s  ent- Festsetzung des d iesjährigen  Verbrauches gelten soll, 
benzolieren. A ber d a s  allein macht es doch nicht, so werden sich m i t  Recht alle d iejenigen beschwert 
sondern die G ro ß -B e r l in e r  G asans ta lten  versorgen fühlen, in deren Verhältnisse wesentliche V erände­
eine außerordentlich g roße  A nzahl von um fang­ rungen  eingetreten sind, und es gibt gerade bei der 
reichen B etr ieben, die in  u nm it te lba rem  Z usam m e n ­ G ro ß -B e r l in e r  Bevölkerung doch eine ganze Reihe 
hange m it  der R ü s tungs indus tr ie  stehen und  die von U m ständen , die die Verhältnisse des V o r ja h res  
ausschließlich fü r  den Heeresbedarf arbeiten, m i t  nicht ohne weiteres m it  den Verhältnissen dieses 
G a s .  W enn  diese B etr iebe  in  der Gasbenutzung J a h r e s  vergleichbar erscheinen lassen. M a n  braucht 
eingeschränkt werden, dann  leidet eben in  allererster ja n u r  aus die G e b u r t  von K indern  hinzuweisen, 
L in ie  gerade auch die R ü s tungs indus tr ie ,  und  diesem aus die Notwendigkeit, fü r  S ä u g l in g e  d a s  erforder­
Z usam m enhange w ird  m an  sich doch wohl an m a ß ­ liche w arm e Wasser und  die notwendige W ä rm e  zu 
gebender S tä l le  nicht verschließen können. beschaffen und  dergleichen m ehr;  ich brauche n u r  an 
Aber es kommt noch ein W eiteres  hinzu. Z u  Krankheiten usw. zu er innern . D eswegen wünscht 
dem R üstungsbe tr ieb  gehört doch nicht n u r  das  ja auch der A n tra g  eine R egelung  der Einschränkun­
A bstraktum B etr ieb ,  sondern auch d a s  Konkretum gen un te r  sorgfältiger und  gleichmäßiger Berücksich­
der Arbeiter ,  der im  Rüstungsbetr iebe tä t ig  ist, und tigung der individuellen  V erbrauchenntereffen. E s  , 
wie R üstungsbetr iebe  aufrecht erhalten werden sollen, m u ß  auch den m it  der A u s fü h ru n g  der V e ro rdn un g  
w enn  die da r in  beschäftigten A rbeite r  physisch zu­ B e t ra u te n  die Vollmacht gegeben werden, solchen in ­
sammenbrechen, ist m i r  auch durchaus schleierhaft. d iv iduellen  In teressen  Rechnung zu tragen, und  w ir  
W enn  also die G ründe, die dem H errn  O berbü rge r­ können ja hoffen, daß d a s  geschehen w ird .
meister angeführt  worden sind, derart  durchschlagend D ie  E rsp a rn is  selbst, die erreicht werden soll, 
fein sollten, daß absolut keine be l le«  Kohlenbeliese- ist eine —  ich wiederhole d a s  noch e inm al —  solche.
        
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