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Periodical volume 27. Juni 1917

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1917

1 3 0  Sitzung am 27. J u n i 1917
I c h  möchte zunächst davon  ausgehen , daß  tnuite geschaffen werden, beispielsweise durch! d a s
gegenwärtig  die T eu e run g  aller L e b e n sm ü e l  und  V erbot  der Hypothekensteigerung. N u n  sind w ir  ja  
altes sonstigen L ebensbedarfs  einen jo hohen G ra d  leider gewohnt, jetzt bei jedem privatwirtschaftlichen 
erreicht ha t ,  d aß  jeder Hausbesitzer zunächst e in m a l  UeMftordb eine Abhilfe durch Reichsgesetz oder 
jü r  sich u nd  feilten H a u s h a l t  sehr erheblich erhöhte m indestens B u n d e s ra t s v e ro rd n u n g  zu e rw a r te n ,  
A u fw endungen  gegen früher  nö t ig  hat .  W e n n  die Aber m it  der Z e i t  sollten w i r  u n s  doch ü b e r ­
Festbesoldeten —  ich denke hierbei insbesondere an  zeugt haben, daß  dieser W eg nicht im m er zum
die B e a m te n  und Arbeiten unserer S t a d t  —  unter  Z ie le  führt .  I n  diesem F a l le  w ürde  er ganz
der T e u e ru n g  leiden, so h ilf t  ihnen die K o m m u ne ,  gewiß nicht z u  d e m  erwünschten Z ie le  führen, 
i n  anderen  F ä l le n  der S t a a t  oder das  Reich durch iveil die Verluste, die Nachteile, die der  H a u s -  
E rh ö h u n g  ihrer  Bezüge, d a m i t  sie die Aufw endungen  besitz gegenw ärtig  erleidet, so v ielgestaltig  sind,
leichter bestreiten können. D e n  freien B eru fen  —  daß sie m it  einzelnen M a ß n a h m e n  keineswegs zu be­
und  in  den G ro ß s tä d te n  m u ß  ja  der Hausbesitzer* seitigen sind. G egen  die Z in se rh ö h u n g  der ersten 
beruf auch a ls  ein B e ru f ,  ein G ew erbe gelten —  ist Hypotheken ist schon e in igerm aßen  ein  Riegel v o r ­
eine solche Hilfe nicht zu leisten; sie sind d a rauf  geschoben worden. Aber ich habe dargelegt —  u nd  
angewiesen, durch S te ig e r u n g  ihrer P re ise  ihre die A u sfüh run gen  des H e r rn K ollegen L iepm ann
Existenzmöglichkeit zu erha lten .  O b  d a s  im  Krieg verstärken es — , daß eben d a s  doch n u r  e in  e in ­
auch berechtigt ist —  über die Berechtigung im F r i e ­ ziger, und  bei weitem nicht der schlimmste der h eu ­
den verliere ich kein W o r t ,  d a s  ist selbstverständlich tigen S chm erzen  des Hausbesitzes ist. U nd  wie 
— , will ich dahingestellt sein lassen. W o ra u f  aber' Reich, S t a a t  und  G em einde  dem Hausbesitz dagegen 
unbed ing t  Gewicht zu legen ist und w as  a u ß e r  jedem helfen sollen, daß er zweite Hypotheken ü berhaup t  
Zw eife l  steht, d a s  ist, daß  der Hausbesitzer b e r e c h ­ nicht bekommt, daß  er die enorm en Mehrkosten für 
t i g t  ist, zu versuchen, die M e hra u fw en du ng en  und  alle E rn eu e ru n g sa rb e i te n  aufzuw enden hat, daß  die 
A usfä lle ,  die ihm  u n m i t t e lb a r  a u s  seinem Grundstück H eizung  ihn  so viel m ehr kostet a l s  sonst —  ja , meine 
entstehen, durch S t e ig e r u n g  der M ie te n  he rauszu ­ H erren , das  w eiß  ich nicht, u nd  ich glaube, auch von 
bekommen. D a ß  die M e h ra u fw e n d u n g e n  in  über­ andere r  S e i t e  w ird  ein  M i t t e l  dagegen nicht ange­
a u s  zahlreichen F ä l l e n  außerordentlich erheblich sind, geben werden können.
d a s  ha t  der H e r r  Kollege Dr. L ie p m a n n  m i t  zu­ D esha lb  ist in  a l len  den F ä l len ,  in  denen der 
treffenden D a r le g u n g e n  au sge füh r t .  T i e  H vpothekew Hausbesitzer n ennensw ert  erhöhte A ufw endungen  und  
no t ,  von der  er ja  auch gesprochen ha t ,  erschöpft große Verluste zu t ragen  h a t  —  und  ich wiederhole, 
sich nicht d a r in ,  daß  die Hppolheken teu re r  geworden es w ird  d as  der überwiegende T e i l  sämtlicher F ä l le  
sind, sondern sie beruh t vor  allen D in g e n  dar in ,  daß  sein — , dem Hausbesitzer nicht der geringste V o r ­
die zweite Hypothek übe rh aup t  kaum m ehr zu w u rf  d a r a u s  zu machen, w enn  er die M ie te n  e r ­
haben  ist höht. I c h  sehe m i t  dem H e r rn  Kollegen Katzen­
( S e h r  richtig!) stein ein, daß  es f ü r  die w eiten  Schichten der B e ­
und  daß  der Hausbesitzer genö tig t  ist, an s ta t t  einer völkerung außerordentlich bedauerlich ist, daß  neben 
n o rm a l  verzinslichen zweiten Hypothek sich kurzfristi­ anderen  Lebensbedürfnissen —  m a n  kann leider 
ges und  hochverzinsliches Geld  zu beschaffen. D a ß  sagen: neben fast allen anderen  Lebensbedürfnissen —  
H eizung , daß  R e n o v a t io n e n ,  daß  A u sgaben  für  den n u n  auch die B efr ied igung  des Wohnbedürfnisses 
P o r t i e r ,  A usgaben  für H ilfsk rä f te  aller A r t  d a s  verteuert  w ird . D a s  ist sehr t rau r ig .  A ber es ist 
M ehrfache gegen früher kosten, hat der H e r r  Kollege die notwendige, die selbstverständliche Folge der 
L iepm ann  auch schon gesagt; ich will es nicht N otlage, in der sich zcchlreiche Hausbesitzer heute be­D t. 
wiederholen. Aber ich darf  doch noch d a rau f  au f­ finden und  der nach m einer  Ueberzeugung au f  einem 
merksam machen, daß  selbst die Z e i t  der großen andern  Woge nicht abgeholfen werden kann.
M ie ta u s fä l le  fü r  den Hausbesitz heute noch nicht W enn  w ir  also in allen diesen F ä l le n  jedes 
ü be rw unden  ist. E s  ist zw a r  jetzt eine bessere K o n ­ E ing re ifen  einer andern  S te l le ,  jedes E ing re ifen  von  
ju n k tu r  fü r  kleine und  m it t le re  W oh n u n g en ;  die Reich, S t a a t ,  K o m m u ne  oder gar M i l i tä rg e w a l t  u n ­
großen W ohnungen  sind indes im m er noch schwer bedingt von  der H a n d  weisen, so entferne ich mich 
zu vermieten , und  namentlich g il t  das  gleiche von anderseits  a l le rd ings  e tw as  von dem H errn  Kollegen 
L äden , 9 te f ta u ra t icn S raunten  und dergleichen. D ie  Dr. L ie p m a n n  insofern, a l s  er es »mit Rücksicht auf 
Hausbesitzer Haien h ie ran  nach wie vor  ganz erheb­ die allgemeinen V erh ä l tn iß e  fü r  gerechtfertigt e r­
liche A usfälle . achtet, daß  in  allen F ä l len ,  in  denen es  durchführ­b ar  ist und  nicht ein besonderes Schutzbedürfnis des 
( S e h r  richtig!) einzelnen M ie te r s  entgegensteht, eine schematische 
M e in e  H erren , w ir  werden wohl alle hier, hoffe E rh ö h u n g  der M ietpreise  e in tr i t t ,  w ie  es seitens 
ich, den S ta n d p u n k t  e innehm en, daß keinem M e n ­ ein iger maßgeblicher Grundbesitzervereine empfohlen 
schen. also auch nicht dem Hausbesitzer, zuzum uten  w orden  ist.
ist, daß er freiwillig  an  seinem Besitze, von  dem er 
P o r te i l e  haben m u ß ,  u m  leben zu können, Verluste ( S e h r  richtig!)
erleidet, und  w ir  werden es deshalb n u r  a l s  e tw as 
N a tü r l iches  anzusehen haben, wenn  er diese Verluste W ir  haben u n s  n u n  e inm al in  diesem Kriege zu der 
auf  dem norm a len  Wege der M ietss te ige rung  a u s ­ volkswirtschaftlich außerordentlich  schwierig zu le r ­
zugleichen strebt. nenden T heorie  bekennen müssen, daß  bei allen B e ­
H e r r  Kollege Katzenstein h a t  ja —  ich gebe ihm da r fsm it te ln  des täglichen Lebens im  Kriege K o n ­
diese O bjek t iv i tä t  gern zu —  die Voraussetzung junkturgew inne  nicht erzielt werden dürfen, und  w ir  
m einer  A u sfüh run gen  e in igerm aßen  an e rkann t;  er müssen an  dieser Theorie , die, wie gesagt, weniger 
h a t  n u r  die F o lg e ru n g  gezogen: w enn  eine der­ ein G ebo t  volkswirtschaftlicher V e rn u n f t  a l s  tatsäch­
art ige  N o tlage  vorhanden  sei, d a n n  mögen ändert  licher Notwendigkeit  ist, auch in  bezug a u f  d as  
Abhilfsmöglichkeiten von Reich, S t a a t  oder K om - W ohnungsw esen  u nbed ing t  festhalten. D esha lb  kann
        
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