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Periodical volume 13. Juni 1917

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1917

110 Sitzung am 13. Juni 1917
auszubauen. W ir bedauern das lebhaft. W ir hatten werden müssen, fehlen in dieser Vorlage; es muß 
es seinerzeit ja gewünscht, sind aber leider in der versucht werden, sie dem Arbeitsamt mit einzuglie­
Minderheit geblieben. Wie gesagt, die Frage der dern. Ich glaube doch, daß w ir bei einer ruhigen und 
Ardeuslosenfürsorge ist außerordentlich wichtig, w ir sachlichen Üeberlegung und Beratung zu der Ueber­
vermissen sie in dieser Vorlage, sie.gehört aber unbe­ zeugung kommen müssen, daß ein derartiges Amt 
dingt hier m it hinein. nicht allein Charlottenburg umfassen kann, sondern 
Wenn nun Herr Kollege Dr. Rothholz sagt, daß für Groß-Berlin ins Leben gerufen werden muß, 
die Sammlung des Materials und die Errichtung wenn es segensreich wirken soll. Ich bitte auch, 
eines Archivs so außerordentlich schwierig sei. so dem Antrag, die Vorlage einem Ausschuß von 
glaube ich nicht, daß das zutrifft. W ir haben hier 15 Personen zu überweisen, zuzustimmen.
in Charlottenburg genügend Einrichtungen, die sich 
befleißigen würden, das notwendige Material zu Stadtrat Dr. Spiegel: Meine Herren! Die Auf­
sammeln. W ir haben die Arbeitgeberorganisationen, nahme, die die Vorlage hier gefunden hat, ist nicht 
w ir haben die Arbeitnehmerorganisationen, wir gerade eine begeisterte; es tritt hier eine Zaghaftig­
haben die Krankenkassen, und alle diese Institutionen keit gegenüber der Verbesserung bestehender Zustände 
und Vereinigungen pflegen seit Jahren eine ein­ hervor, die man eigentlich in der Charlottenburger 
gehende Statistik, die dem Magistrat ohne weiteres Stadtverordnetenversammlung gar nicht gewöhnt ist, 
iur Verfügung gestellt werden könnte. Also die und ich niuß sagen, daß ich die dagegen angeführten 
Sammlung des Materials betrachte ich nicht als so Gründe bisher noch nicht recht begreife. Ich erwarte 
schwierig. ja, daß in den Ausschußbcratungen, die zweifellos stattfinden werden, diese Gegengründe ausführlicher 
Wenn die Einrichtungen der Fürsorge für die dargelegt werden, und ich hoffe, dann in der Lage 
Kriegsinvaliden hier in Charlottenburg, wie ich aus zu fein, diese Gegengründe ebenso eingehend zu be­
den Ausführungen des Herrn Kollegen Dr. Rothholz seitigen. Ich werde mich in Erwartung der Ausschuß­
entnommen habe, noch nichts besonderes geleistet beratungen heute ganz kurz fassen und nur auf einige 
haben, so weiß ich nicht, aus welche Ursachen das irrige Behauptungen eingehen.
zurückzuführen ist. Aber eins trifft zu: die Fürsorge 
für oie Kriegsinvaliden liegt im allgemeinen in Ter Herr Berichterstatter meinte, daß die Fach­
ganz Deutschland im argen, und ganz kürzlich hat ausschüsse in der Kriegsbeschädigtenfürsorge bisher 
sich eine Gruppe von Ärbeitervertretern mit dieser überhaupt nicht gearbeitet hätten. Nun ist es natür­
Frage beschäftigt. Man hat verlangt, daß von den lich ganz unmöglich, daß der Herr Berichterstatter 
betreffenden Reichsstellen aus endlich einmal eine das weiß, außer wenn ihm die Akten der Kriegs­
andere Organisation aus dem Gebiete geschaffen beschädigtenfürsorge zu diesem Zwecke zugänglich ge­
werden möchte. macht worden wären. Das wäre sehr gern geschehen, wenn er es verlangt hätte. Aber ich habe dem Herrn 
Dann ist darauf hingewiesen worden, es solle Berichterstatter auf denselben Einwand bereits in 
dafür gesorgt werden, daß jeder seinen Fähigkeiten der Deputation das Gegenteil versichert, daß die 
entsprechend auf den richtigen Play kommen soll, daß Kriegsbeschädigtenfürsorge schon in einer ganzen 
derjenige, der noch genügend Arbeitskraft in sich hat, Reihe von Fällen die Fachausschüsse in Anspruch 
diese Arbeitskraft dem allgemeinen Wohl zur Ver­ genommen hat, und daß die Ergebnisse dieser Inan­
fügung stellen muß. Hierbei kommt aber eine sehr spruchnahme in einer Reihe von Fällen durchaus 
wichtige Frage in Betracht, nämlich die Entlohnung befriedigend waren. Ich habe aber ferner in der 
dieser Arbeiter. Dem muß unbedingt vorgebeugt Deputation schon ausgeführt, daß die Ursache, wes­
werden, daß sie durch Vermittlung des Arbeitsnach­ halb die Fachausschüsse bisher noch nicht zu ihrer 
weises als willfähriges Ausbeutungsobjekt dem vollen Tätigkeit gelangt wären, ganz klar läge. Diese 
Unternehmer überliefert werden. Auf diesem Gebiete Ursache liegt in den außerordentlich günstigen Ver­
haben w ir große Aufgaben zu erfüllen, um die hier hältnissen, die jeder, auch der minderwertigste 
in Frage kommenden Persönlichkeiten zu schützen. Arbeitsuchende, heute auf dem Arbeitsmarkt vor­
Auch das wird Ausgabe des Arbeilsamtes sein findet, in Verhältnissen, die es ihm ermöglichen, 
müssen. ohne viel zu fragen, ein Unterkommen in der I n ­
Meine Herren, ich w ill nicht tiefer in die Ma­ dustrie zu finden. Sie liegt ferner darin, daß einet 
terie selbst hineinsteigen. Sehen Sie sich doch das A rt erweiterter Fachausschüsse in Gestalt der A r­
Wirtschaftsgebiet von Groß-Berlin an! Herr Kol­ beitsgemeinschaften für verschiedene Berufe besteht, 
lege Dr. Rothholz hat schon angeführt, daß unser die für ganz Groß-Berlin ihre Tätigkeit ausüben. 
Arbeitsnachweis für Groß-Berlin nur eine ganz Diese Arbeitsgemeinschaften sind nichts anderes als 
.leine Bedeutung har. I n  der Hauptsache sind nur Fachausschüsse, nur in etwas größerem Maßstabe, 
ungelernte Arbeiter vermittelt worden. Die größte als wir sie hier haben, und in etwas größerem Maß­
Arbeitervermittlung liegt doch im Innern von Ber­ stabe, als sie voraussichtlich während des Friedens 
lin, und w ir sind doch nun einmal ein Glied dieses erhalten bleiben werden. Was wir in den Frieden 
großen Wirtschaftsgebietes. W ir würden hier eine aber hinüberretten müssen, das find derartige Be­
Einrichtung schaffen, die nachher genau so aussehen ratungsinstanzen, und wenn die Arbeitsgemeinschaf­
wird, wie alle die Einrichtungen, die w ir bereits ten für Groß-Berlin auf die Tauer so bestehen 
geschaffen haben, weil w ir dabei aus der Reihe ge- sollten, wie sie jetzt bestehen, und sich auf diejenigen 
anzt sind, und das Endresultat ist, daß wir doch Berufe, wo sie jetzt noch fehlen, ausdehnen sollten, 
nicht das große Gebiet treffen, das w ir ersaßen dann werden wir gar keinen Anstand nehmen, diese 
wollen. Arbeitsgemeinschaften selbst als Fachausschüsse zu be­
Meine Herren, auch ich bin der Ueberzeugung, nutzen.
daß die ganze Materie, die uns der Magistrat heute Ueberhaupt werden w ir selbstverständlich alle 
zur Beratung vorgelegt hat, in einen Ausschuß hu» unsere Einrichtungen mit den Nachbargemeinden 
eingehört und dort eingehend beraten werden muß. und ihren Einrichtungen in ständiger ^Verbindung 
Verschiedene Abteiluiwen, die unbedingt eingeführt zu halten haben. Das ist etwas so Selbstverständ-
        
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