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Periodical volume 16. März 1916

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1916

Sitzung ant 16. M ärz 1916
ft e u e r ,  die B e t r i e b s  st e u e r  und die Z u ­ D ie zweite in  diesem Zusam m enhange zu er­
w a c h s  st e u e r , bereu Bemessung von unserer B e­ örternde S te u e r ist die U m s a tz st e u e r . H ierzu 
schlußfassung nicht abhängig ist. U nverändert ge­ lag ein von einer großen Reihe von Kollegen einge­
blieben ist die H u n d e s t e u e r ,  obwohl von einer brachter A n t r a g  a u s  A e n d e r u n g  d e r  11 m - 
S e ite  die A nregung gegeben wurde, eine E rhöhung s a tz st e u  e r  o r  d n u n  g vor, demzufolge in  F ä llen , 
ein tre ten  zu lassen. D e r Ausschuß ist dieser A nre­ in denen ein notleidendes Grundstück von dem .print 
gung nicht gefolgt, weil schon setzt m it einem M in ­ thekengläubiger oder G rundschuldgläubiger in  der 
dereinkommen au s  der Hundesteuer gerechnet w ird, Zw angsversteigerung oder zwecks A bwendung der 
und weil eine weitere Erhöhung der S te u e r zu einer Zw angsversteigerung freihändig erworben w ird, der 
umfangreichen Abschaffung von H unden führen und M ag istra t berechtigt sein soll, a u s  B illigkeitsgründen 
d am it die finanzielle W irkung eines solchen B e­ ganz oder teilweise die Umsatzsteuer zu erlassen. F ü r  
schlusses vereiteln würde. diesen A ntrag , der der Kommission überwiesen w or­
den w ar, spricht die Tatsache, daß  die Umsatzsteuer in  
(S e h r  richtig! den gekennzeichneten F ä llen  sich vielfach a ls  eine 
S teu e r auf das Unglück darstellt, a ls  eine S teu e r , 
Unverändert dem Steuersätze nach ist endlich die derjenige zu tragen  hat, der sein Geld in  ein 
von den kleinen S teuern  geblieben die K i n o -  u n d  Grundstück gesteckt hat und nunm ehr gezwungen ist, 
L u s t b a r k e i t s s t e u e r ; indessen hat m an be­ das Grundstück zu erwerben, um  sein Geld nicht völlig 
schlossen, den Sollbetrag  fü r 1916 von 175 000 aus zu verlieren. Rechtfertigt n u n  schon die re in  mensch­
200 000 c/Z zu erhöhen, da nach den Einkünften im liche Rücksicht auf den E rw erber den E rlaß  der S te u e r  
vergangenen J a h re  m it einem solchen M  ehr ein- in  diesen F ä llen , so erscheint diese M aßnahm e vor 
kommen zu rechnen ist. W ir haben u ns im A us­ allen D ingen deshalb geboten, weil d am it das A n­
schuß auch darüber unterhalten, ob etwa eine E r ­ sehen der zweiten Hypothek gehoben werden würde, 
höhung der Steuersätze der Kino- und Lustbarkeits­ weil die Kreise, die a ls  Geldgeber fü r Hypotheken und 
steuer eintreten soll. Dagegen sprach aber der U m ­ Grundschulden in  Betracht kommen, wieder m ehr 
stand, daß diese S teu e r im m erhin gerade die m itt­ V ertrauen  fassen w ürden zu A nlagen h ierin , sobald 
leren und kleineren der beteiligten ©ewerbetreibeftden sie das S tre b e n  sehen, sie vor überm äßiger Belastung 
nicht unerheblich belastet und  daß vor allen D ingen zu schützen, w enn sie, um  ih r G eld zu retten , das 
die guten Erfahrungen, die w ir m it unseren jetzigen Grundstück erwerben.
Sätzen gemacht haben, eine W arnung davor bieten, W ährend diese Tendenz, das V ertrauen  
die Sätze anzuspannen und dam it vielleicht die ent­ zur K apita lsan lage  in  Hypotheken und G ru n d ­
gegengesetzte W irkung hervorzurufen. schuld zu beleben, von der Kom m ission all­seitig gebilligt w urde, w urden dein A ntrage, der, 
Ic h  wende mich jetzt zu den wichtigen R e a l ­ wie S ie  wissen, an  einen derartige  A enderungen der 
st e tt e r  g r  u p p e n , die neben der Gemeindeein- städtischen Umsatzsteuerordnungen empfehlenden E r ­
tom m enfteuer die Hauptstütze des städtischen E ta ts  
vitlben, nämlich zu der Gem eindegrund- und  G e­ laß des M in is ters  des I n n e r n  und des M in is ters  der 
meindeumsatzsteuer und zu der Gemeindegewerbe­ F in an zen  anknüpft, doch zwei Bedenken entgegen­
steuer. gestellt. D a s  eine ging dahin , daß die V erm inde­ru ng  der Besitzwechselabgaben in  den gekennzeichneten 
Z u  der G e m e i n d e g r u n d s t e u e r  lagen F ä llen  manchmal nachteilig fü r den Hausbesitzer sein 
zwei ^Petitionen vor, eine von dein C harlo ttenburger könne, indem  sie den G läub iger verleite, leichther­
H aus- und Grundbesitzerverein von 1903 und eine ziger, a ls  er es sonst täte , das Grundstück zu r V er­
von dem H aus- und Grundbesitzerverein von 1895. steigerung zu bringen, und daß so Hausbesitzer von 
D er H aus- und Grundbesitzerverein von 1903 fordert ih rer Scholle vertrieben w ürden, die sonst dort noch 
eine E rm äßigung  der G rundsteuer, während der belassen w ürden. W ir haben dieses Bedenken nicht 
H au s- und Grundbesitzerverein von 1895 „eine solche für ganz gegenstandslos ansehen können, sind aber 
F orderung  auf E rm äß igung  zw ar fü r berechtigt er­ doch zu der Ansicht gelangt, daß es n u r  ganz ver­
klärt, sich jedoch angesichts der leider unum gänglichen einzelte F älle  treffen dürfte, wohingegen die vorhin 
Notwendigkeit eines durch die K riegsausw endungen hervorgehobene Folge der M aßnahm e, die Belebung 
bedingten erhöhten Einkommensteuerzuschlags m it des V ertrau en s  zur Anlage von K ap ita l in Realbe- 
dem dringenden Wunsche bescheidet, fü r das neue leihung, dem gesamten G run d- und Hausbesitze zu­
S teu e r jah r  die G em eindegrundsteuer keinesfalls zu gute käme. D a s  zweite Bedenken bestand d arin , daß 
erhöhen." W ir haben anerkannt, daß der gut be­ m an nicht recht erkennt, w arum  die H erren M in is ter 
gründete und m aßvoll um grenzte Wunsch des V ereins des I n n e r n  und der F in an zen  sich zunächst an die 
von 1895 vollauf gerechtfertigt ist, und der Ausschuß S tä d te  wenden, ansta tt den für sie sehr viel näher 
lvar sich darüber einig, un ter den heutigen V erhält­ liegenden Weg zu gehen, nämlich d e n . S t a a t  zu 
nissen von einer M ehrbelastung des ohnehin schwer veranlassen, auf s e i n e  Umsatzsteuer in  diesen Fällen  
bedrückten H aus- und Grundbesitzerstandes abzusehen, zu verzichten oder auch vermöge des Einflusses P r e u ­
obwohl nicht zu verkennen ist, daß bei der außer­ ßens im  B u n d es ra t eine gleiche E inw irkung aus das 
ordentlich starken E rhöhung der Einkom m ensteuer, R e i c h  auszuüben.
aus die ich noch zu sprechen komme, die N ichterhöhung 
einer wichtigen Realsteuer im m erhin ungewöhnlich (S e h r  richtig!)
ist. Hingegen ist es nicht möglich, eine E rm äß igung  D ieses Bedenken ist vollständig gerechtfertigt, und 
der G rundsteuer ein treten zu lassen, w as, nebenbei be­ w e n n  d i e  S t ä d t e  g a n z  l o g i s c h  h a n d e l n  
merkt, un te r den gegebenen Um ständen auch kaum die w ü r d e n ,  d a n n  m ü ß t e n  s i e  z u  d e n  H e r ­
B illigung unserer Aufsichtsbehörde gefunden hätte. r e n  M i n i s t e r n  s a g e n :  n a c h  I h n e n !
In d e m  w ir die Sätze der G rundsteuer unverändert 
lasten, rechnen w ir auf eine V erm inderung des S o l l ­ (H eiterkeit.)
betrages von 1916 gegenüber dem S o llb e trag  von Trotzdem w ar der Ausschuß der M einun g , daß m an 
1915 von 83 000 c/Z. das nicht tu n  soll, weil bei einem solchen S tre ite
        
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