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Periodical volume 9. Februar 1916

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1916

Sitzung am !). Februar 1010 23
(Die Versammlung beschließt m it großer Mehr­ falls gibt sie sich absolut keine Mühe, die bestehenden 
heit nach dem Antrage des Magistrats, wie folgt: Mißstände zu beseitigen. So habe ich selbst beob­
achtet, daß Züge, die auf Fürstenbrunn einfahren, 
Das Pachtverhältnis an den der Christ- in ihren einzelnen Wagenabteilen derartig vollge­
schen Stiftung gehörigen Grundstücken Berliner pfropft sind, daß die Türen sich nicht mehr' schließen 
Straße 1/2 wird unter den im Vertrage vom ließen, so daß die Passagiere einfach den Wagen- 
7- Juni/2. M ai 1907 mit dem Kommerzienrat schlag zuhalten müssen. So kamen die Wagen auf 
Georg Hause in Breslau vereinbarten Bedin­ der Station Fürstenbrnn an. Nun muß ja anerkannt 
gungen bis zum 30. September 1928 verlän­ werden, daß unter den heutigen schwierigen Ver­
gert und der Magistrat ermächtigt, den Pacht­ hältnissen die Staatsbahn auch nicht sehr viel mehr 
verlängerungsvertrag m it der Böhmisches-Brau- leisten kann.
Haus-Äktiengesellschaft als Rechtsnachsolgerin Ganz anders liegen die Dinge aber bei der 
des Geh. Kommerzienrats Haase abzuschließen.) Großen Berliner Straßenbahn. Hier fehlt es, glaube 
ich, nur am guten Willen. Der Beweis ist dafür 
Punkt 7: sehr leicht zu erbringen. Die Große Berliner Straßen­
bahn führt heute die Linie 164 bis nach Siemens­
Vorlage betr. Charlottenburger Hypothekenbankvcrein. stadt heraus- Die Linie kommt durch ganz Berlin, 
— Drucksache 17. geht über den Nollendorsplatz nach Charlottenburg. 
Weiter gehen von Norden aus dem Zentrum der 
(Die Versammlung nimmt von der Mitteilung Stadt zwei Linien bis zum Landgericht am Tegeler 
über die dem Charlottenburger Hypothekenbankverein Weg, die Linien 54 und 18. Es liegt, glaube ich, 
erteilte ministerielle Genehmigung Kenntnis und be­ wenig Entgegenkommen bei der Großen Berliner vor, 
schließt nach dem Antrage des Magistrats, wie folgt: daß sie diese beiden Linien nicht bis Siemensftaüt 
verlängert. Wenn man die beiden Linien am Tegeler 
Der Gewährung eines Darlehns von 10 000 Jl Weg halten lassen kann, so könnten die Strecken 
an den genannten Verein, zu 5 Proz. verzins­ auch um die 3, 4, höchstens 5 Minuten verlängert 
lich und innerhalb 3 Monaten rückzahlbar, unter werden, um an den Verwaltungsgebäuden der 
Anrechnung auf das dem Verein zum Zwecke Siemenswerke umzukehren. Als die Siemenswerke 
der Beschaffung von Hypotheken in Aussicht vor einigen Jahren eingerichtet wurden, hatte man 
gestellte Darlehn in Höhe von 1000 000 Jl, noch nicht ahnen können, welchen ungeheuren Auf­
wird zugestimmt.) schwung sie nehmen würden. Soweit ich festgestellt 
habe, sind zurzeit etwa 30 000 Personen dort be­
schäftigt. und hiervon entfällt mindestens ein Dritte l 
Punkt 8: auf Charlottenburg. Allerdings konzentriert sich der 
Verkehr auf ganz bestimmte Zeiten, trotzdem er im 
Antrag der Stadtv. Ahrens und Gen. betr. Ver­ Lause des Tages nicht wesentlich geringer wird. Für 
kehrsverhältnisse nach Simcnsstadt. —  Drucksache 18. einen derartigen Verkehr genügt selbstverständlich die 
Linie 164 auf keinen Fall. I n  der Zeit, wo w ir 
(Der Antrag lautet: das schlechte Wetter hatten, die anhaltende Regen­
Die Stadtverordnetenversammlung ersucht den periode, haben sich draußen, wie ich selbst beobachtet 
Magistrat, die notwendigen Schritte zu tun, um habe, Szenen abgespielt, die geradezu jeder Beschrei­
die für den Verkehr zwischen Charlottenburg bung spotten. Die Leute sind zum Teil von be­
und Siemensstadt bestehenden außerordentlichen sonders rohen Personen oftmals einfach vom T r itt­
Mißstände recht schleunig zu beseitigen.) brett heruntergestoßen worden und sind dann in den ziemlich starken Dreck hineingepurzelt. Ich habe vor­
hin schon gesagt, daß es nur an dem guten Willen 
Antragsteller Stadtv. Wilk: Meine Herren! Die der Großen Berliner Straßenbahn liegt. Ich habe 
Verkehrsverhältnisse nach Siemensstadt haben schon auch noch festgestellt, daß einer der Beamten eines 
seit einer Reihe von Jahren Gegenstand unserer Be­ Tages, als sein Wagen bereits überfüllt war, einfach 
ratungen gebildet. Unsere heutigen Wünsche und die überzähligen Fahrgäste ersuchte, den Wagen zu 
Beschwerden richten sich nun nicht etwa gegen den verlaßen, da aber niemand ging, ihn dann auf ein 
Magistrat- W ir müssen vielmehr anerkennen, das; totes Gleis fahren ließ und nicht weiter fuhr. Das sind 
der Magistrat in dieser Beziehung alles Menschen­ doch Rücksichtslosigkeiten gegenüber dem Publikum, 
mögliche getan hat, um die schwierigen Verkehrs­ die sich nur die Große Berliner Straßenbahn heraus­
verhältnisse nach Siemensstadt in bessere Bahnen zu nehmen kann: sie ist ja dafür schon bekannt.
lenken. W ir wenden uns in der Hauptsache nur des­
halb an den Magistrat, damit durch seine Vermittlung Bei der Gelegenheit möchte ich noch an den 
bei deyr Zweckverbande, der bekanntlich die Regelung Magistrat eine Bitte richten. Die Verhältniße können 
der Verkehrsfragen von Groß-Berlin auf seine Fahne dort auch noch auf eine andere Weise wesentlich ge­
geschrieben hat, eine Besserung der bestehenden schlech­ bessert werden, wenn sich der Magistrat nämlich dazu 
ten Verhältnisse herbeigeführt werde. entschließen würde, den Stadtteil jenseits der Spree, 
besonders im Nordwesten, der Bebauung zuzuführen. 
Es führen nur zwei Bahnen den Verkehr nach Dadurch würde ein ziemlich erheblicher Prozentsatz 
Siemensstadt: einmal d'ie Staatsbahn mit Bahnhof der Angestellten und Beamten der Siemenswerke dort­
Fürstenbrunn, das andere M al die Große Berliner hin ziehen, und die Verkehrsverhältnisse würden dann 
Straßenbahn. Die Staatsbahn scheint nach meinem nicht mehr so im argen liegen, wie es heute der 
Dafürhalten tatsächlich jetzt an der Grenze ihrer Fall ist. Freilich läßt sich das nicht von heute auf 
Leistungsfähigkeit angekommen zu sein. Soweit ich morgen machen, die Bauverhältnisse liegen heute ja 
selbst beobachtet habe, ist sie heute nicht mehr im­ auch sehr schwierig. Aber hoffentlich nimmt sich der 
stande, diesen kolossalen Bekehr zu bewältigen; seden- Magistrat dieser Sache an, so daß w ir bei einem,
        
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