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Periodical volume 19. Januar 1916

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1916

20 Sitzung am 1». Januar 1916
den soll. E s  heißt in unserem Antrage: m i t örrerungen zur Verfügung, wie sie hier in  Eharlot- 
m ö g l i c h s t e r  B  e s ch l e u  n i g>u> n g Vorschläge lenbuvg an der Hochschule z. B ., auch bei den R e­
in  dieser Richtung zu machen. W ir sagen nicht: formvereinen sich finden werden. E s handelt sich 
im  Lause dieses M onats Vorschläge zu machen. doch vor allen Dingen darum, praktische Arbeit vor­
Aber es ist doll) damit gesagt, daß es sich um eine zubereiten, und da sollen w ir nicht von vornherein 
Frage handelt, die unm ittelbar nach dem Friedens­ sagen: das eine oder das andere muß ausgeschlossen 
schluß brennend sein wild und für deren Lösung bis sein. M ein Freund Gebert hat darauf hingewiesen, 
zur Beendigung des Krieges möglichst ausgiebige daß in den ihm bekannten Baugenossenschaftswoh­
Vorbereitungen getroffen werden müssen. nungen keine idealen Zustände vorhanden sind. D as 
W enn H err S tad rra t Sembritzki gemeint hat, es gebe ich luhig zu. W ir haben aber andere Baugenos­
handle sich hier um Dinge, die eigentlich für uns als senschaften, die schon wesentlich mehr im S in n e  einer 
besondere Gemeinde unlösbar seien —  ja, meine Reform gearbeitet haben. Ich  erinnere an  die 
Herren, das Elend von G roß-Berlin kennen w ir „ Id ea l"  in Britz, an die Gartenstadt an der Ober- 
alle, das drückt uns alle; w ir wissen alle, wie not­ spree, und in anderen S tädten  ist es ja ebenso. F ü r 
wendig es ist, daß dafür gesorgt wird, diesen Kör­ mich handelt es sich aber weniger um diejenigen 
per aktionsfähig zu machen. Arbeiter und sonstigen Leute, die heute schon in  der 
Lage sind, sich selbst m it Baugenossenschaften zu hel­
(Stadtv. B e r n h a r  d: Sehr gut!) fen —  die sind noch nicht am schlimmsten daran — , 
W ir wissen auch,daß es in dem M aße, wie die Gruß- für mich handelt es sich namentlich um diejenigen, 
B erliner Gemeinden ihre Sache m it Nachdruck und die nicht imstande sind, sich selbst zu helfen, die w irt­
m it Einheitlichkeit, nicht m it gegenseitigen Eifer­ schaftlich Hilfe haben müssen und teilweise dazu auch 
süchteleien vertreteil, auch möglich ist, auf die R e­ erzogen werden müssen, —  um diejenigen, die z. B . 
gierung den erforderlichen Druck auszuüben. Aber in den S tiftungen van Leipzig, Frankfurt a. M . 
schließlich sind w ir doch auch heute schon nicht so ganz usw. herangezogen worden sind, denen man erst die 
ohnmächtig. D er Vergleich, den ich m it S täd ten  wie Möglichkeit eines kulturellen W ohnens eröffnen muß. 
Frankfurt a. M . und Zürich gezogen habe —  man Diese Frage ist durchaus dringlich. Ich will nicht 
hätte auch Dresden und Bremen und noch viele a n ­ noch einmal Zahlen anführen. Ich glaube, es steht 
dere nennen können — , trifft allerdings in  dem ganz unbedingt fest, mindestens für Charlottenburg 
-einen Punkte nicht zu, daß es sich dort ton, wenn und, soviel ich weiß, für ganz Groß-Berlin, daß die 
auch nicht isolierte Gemeinden, so doch um Gemein­ letzten Jah re  vor dem Krieg einen erschreckenden Rück­
den m it größerer Bewegungsfreiheit handelt, als sie gang in der W ohnungsproduktion gebracht haben, 
eine der G roß-Berliner Gemeinden besitzt. D as daß heute schon eine wirkliche W ohnungsnot vorhan­
trifft jedoch durchaus zu, daß Ch-arlottenburg wie den ist und daß sie noch viel brennender werden wird. 
wenige andere deutsche Gemeinden materiell und Vor allen Dingen lege ich Nachdruck darauf, daß man 
doch auch nach seinen geistigen .Kräften leistungs­ die Frage in dem S in n e  behandelt, das; man eine 
fähig ist, und eine solche Gemeinde darf sich nicht ein­ Lösung sucht, daß m an dahin strebt, sobald wie mög­
fach hintenan stellen, darf nicht sagen: das ist eine lich zu praktischen Ergebnissen zu kommen.
Angelegenheit von G roß-Berlin. Nein, die muß nö­
tigenfalls, wenn Groß-Berlin nicht in Bewegung zu Vorsteher Dr. Frcntzcl: W ir stehen am Ende 
bringen ist, selbst vorangehen, sie muß zeigen, was der Beratung. W ir kommen zur Abstimmung. Ich 
geleistet werden kann. bitte diejenigen Herren, welche dem Antrage der 
Ich weiß wohl, des; die Frage des Realkredits Herren S tad tv . Ahrens und Gen. zustimmen wollen, 
ganz besonders schwierig ist. Ich selbst bin in der die Hand zu erheben.
Frage nicht Fachmann; um so mehr vermag ich die (Geschieht.)
Schwierigkeiten zu würdigen. Aber ich glaube doch, 
daß eine Gemeinde und namentlich ein Gemeinde- —  D as ist die große M ehrheit; der Antrag ist ange­
verband viel eher imstande sein wird, hier ein Ziel nommen.
zu erreichen, a ls etwa der einzelne, der private Be­ Gegen die Vorschläge des Wahlausschusses sind 
sitzer, der voraussichtlich m it ganz besonderen Schwie­ Einwendungen nicht erhoben worden. D ann fällt 
rigkeiten wird rechnen müssen. die nichtöffentliche Sitzung fort.
Ich sehe auch keine Veranlassung, nochmals in Ich schließe die öffentliche Sitzung.
ausgedehntem M aße Sachverständige zu hören. W ir 
haben im M agistrat Sachverständige zu weiteren Er- (Schluß 7 Uhr 44 M inuten.)
        
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