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Periodical volume 4. Oktober 1916

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1916

Sitzung am 4 . C ftofier 1916 153
ten der Bevölkerung ein B e d ü rfn is  nach derartiger müssen. W ir w erden auch nach dem K riege nicht 
V ersorgung nicht bestehe, so w äre das irrig . Ich  sofort die P reise bekommen, die w ir früher gewohnt 
habe die E rfah ru n g  gemacht bei ganz genauer B e­ gewesen sind. Infolgedessen m uß alles, w as zu 
rechnung, daß in  einem P rivatchaushalt, wo m an einer V erm ehrung der P roduk tion  und einer V er­
nicht fü r A rbeitskräfte und fü r Räum lichkeit etw as besserung des eigenen B ezugs d ienen kann, sorgsam 
auszugeben hat, wie das ja  bei der Massenspeisung geprüft und womöglich auch eingeführt werden.
geschieht, im  allgem einen heute dieselben S u p p en  Z u  begrüßen ist, d aß  die Gem einde die G e­
und Gemüse usw. wesentlich b illiger hergestellt w er­ müseproduktion au f den städtischen R i e s e l f e l ­
den können, a ls  es bei der Massenspeisung der F a ll d e r n  ausgedehm  hat. M a n  sollte das so viel a ls  
ist, oder aber es w ird für den gleichen P re is  erheb­ möglich w eiter fortsetzen, sollte nam entlich auch d a ­
lich Besseres geboten. für sorgen, wenn die G em einde selber nicht das volle 
G ebiet heute bewirtschaften kann, daß  ein möglichst 
(Z u ru f.) großer T eil zum Zwecke der L  a u b e 'n  k o l o n  i e- 
w i r t s c h a f t  vielleicht auch später zu r Ansied' 
—  I n ,  meine H erren , ich habe G elegenheit gehabt, lung von Kriegsbeschädigten V erw endung findet. 
es genau nachzurechnen. E s  kommt eben daher, daß W ir haben seinerzeit in  dem  Ausschuß für die R ie ­
im p rivaten  H au sh a lt die Küche einm al vorhan­ selfelderverpachtung eine R eihe dieser P unk te  e in ­
den ist und nicht extra bezahlt zu werden braucht, gehend besprochen. Leider kann ja d iesm al eine 
daß auch die H au sfrau  vorhanden ist, d ie  keine be­ N euregelung nicht erfolgen; ich möchte jedoch dem 
sondere V ergütung  erhält. D a , wo die F ra u  ge­ M agistra t anheimgeben, bei der nächsten Regelung 
n ö tig t ist, auf A rbeit zu gehen, und ihren H au sh a lt eine möglichst große A usdehnung entweder der 
nicht versorgen kann, w ird sich auch un ter den heu­ städtischen W irtschaft oder 2er V erpachtung an  kleine 
tigen V erhältnissen eine solche E inrichtung a ls  sehr Selbstbewirtschafter stattfinden zu lassen.
nützlich erweisen. Ich  weiß auch nicht, ob es mög* E in  kleiner P u n k t verd ien t auch berücksichtigt 
lich ist, b illiger zu arbeiten. Ich  weiß ja, es w ird zu werden. E s  Hat sich gezeigt, daß  manchmal eine 
bei der Massenspeisung kein G ew inn erzielt. M a n  gemisst H ärte  d a r in  besteht, daß B e z u g s k a r t e n ,  
sollte aber denjenigen F ra u en , die V eranlassung die v e r l o r e n  gehen, nicht ersetzt w erden. Ich  habe 
haben, keinen Gebrauch davon zu machen, in  der den F a ll  erlebt, daß ein a ltes E hepaar, Legte, die 
Weise entgegenkommen, daß m an ihnen die R o h ­ beide auf A rbeit gehen, für den V erlust einer F e t t ­
stoffe zum  Selbstkostenpreise liefert und es ihnen so karte keine Entschädigung bekamen. W enn d a s  beim  
ermöglicht, zu Hause genau so zu wirtschaften, wie V erlust der K artoffelkarte auch so w erden soll, dann  
das zu -höheren P re isen  durch V ersorgung der Z en ­ werden die rechtlichen Besitzer m onatelang keine 
tralküchen erfolgen könnte. K artoffeln  beziehen können. S o  d a r f  die H andha­
Ich  möchte bemerken, daß  m an an  anderen O rten  bung nicht erfolgen, es m uß die Möglichkeit be­
noch verschiedene E inrichtungen getroffen hat. die stehen, w enn der V erlust wirklich glaubhaft gemacht 
durchaus verdienen, geprüft und vielleicht auch' nach­ werden kann, Ersatz ein treten  zu lassen.
geahm t zu iperden. S o  hat m an in  B r e m e n  die Ebenso ist die Regelung der V ersorgung der 
Schw einem ästung von Gem einde wegen unterstützt. s c h w a n g e r e n  F ra u e n  bei u n s  unzulänglich. 
M a n  hat Ferkel angeschafft, von denen dem einzel­ Ursprünglich har m an V orzugskarten, die ihnen das 
nen H au sh a lt b is  zu zwei gegeben werden. D azu  W arten  ersparen sollten, ausgegeben. Nachher w u r­
w ird dann  F u tte r  zur V erfügung gestellt und die den die F ra u e n  beim M ag istra tsb u reau  abgewiesen 
Vieh Versicherung von der Gem einde geregelt. M a n  und zum  P o lizeipräsid ium  geschickt, wo sie d an n  m it 
kommt in  bezug auf die V iehhaltung entgegen, indem M ühe und N o t irgendeine unbestim m te Bescheini­
die baupolizeilichen Vorschriften gem ildert werden. gung erhielten. Ebenso w ar es m it den Zusatzkar­
F e rn e r  hat m an in  B rem en die Bevölkerung nach ten, die m an bew illigt hat. Ich  la s  jetzt, daß  in  
der E inkom m enshöhe und der F am ilieustärke in  B e rlin  eine ganz bestimmte Zusatzmenge st nach 
vier G ruppen  eingeteilt. D ie beiden untersten G ru p ­ W ahl in  B ro t, B u tle r  oder M ehl den schwangeren 
pen und gegebenenfalls auch die d ritte  G ruppe er­ F ra u e n  bew illigt münde. H ier hat m an einm al 
halten  städtische Zuw eisungen: außerdem  w ird  ihnen e tw as gegeben, nachher ist es w ieder außer K ra ft ge- 
vielfach noch ein gewisser N achlaß gewährt, z. B . setzt w orden. Ic h  weiß nicht, wie die Sache heute 
werden ihnen au f den Fleischpreis R abattm arken  geregelt ist, möchte jedenfalls b itten , d a fü r  zu sor­
gegeben, d ie  von der Sparkasse in  bares G eld um ­ gen, daß dem B e d ü rfn is  Abhilfe geschaffen werde.
getauscht werden. E in e  weitere F rag e! E s  geht d as  Gerücht —  
S o  ließe sich noch manches anführen. E s  hat ich halte es nicht für richtig, aber m an sollte sich d a ­
keine» Zweck, alle d ie  E inrichtungen, die zum T eil m it befassen — , daß w ir auch m it einer K nappheit 
in  m ustergü ltiger Weise an anderen O rten  in s  an K o h l e n  w erden rechnen müssen. I c h  habe 
Leben gerufen sind, darzulegen. Ich  w ill n u r  beto­ von sachkundiger S e ite  erfahren, daß d a s  nicht zu 
nen : es ist nicht n u r notw endig, daß die G em einden, befürchten ist. Aber ich w ürde es fü r  wünschens­
nam entlich d ie großen G em einden, in  viel schärferer w ert halten, wenn von au to rita tiv e r  S te lle  eine F est­
und  entschiedenerer Weise den obersten Behörden stellung erfolgte und die G em einde, wenn es nö tig  
gegenüber die Konsum enteninteressen vertreten, son­ sein sollte, V orkehrungen träfe, um  dafür zu sorgen, 
dern  es ist auch im  R ahm en  der heutigen G em einde­ daß auch h ier ein N otstand nicht ein träte .
wirtschaft trotz der Beschränkungen der Z u fu h r und M eine H erren , unser A n trag  spricht eigentlich 
aller anderen Schw ierigkeiten noch manches zu tun , für sich selber. N u n  ist ein Ä bänderungsan trag  
w as an  anderen O rten  zum T eil in s  Leben gerufen eingebracht w o ^ e n . G egen ihn w ürde ich insofern 
worden ist. D a s  S ystem , wie es U l m m it seiner nichts einzuwenden haben, a ls  er sich au f eine S p e ­
Fleischverforgung bereits seit J a h re n  eingeführt hat, zialisierung der F o rderungen  beschränkte. Leider 
lä ß t sich natürlich im Augenblick nicht verwirklichen. aber w ird  da-m  gefordert, es solle ein a l l m ä h -  
Aber m an d a rf  nicht vergessen, daß w ir voraussicht­ l i ch_e x  Abbau der P re ise  erfolgen. J a ,  gehen denn 
lich m it einer langen U ebergangszeit werden rechnen die H erren  m it der E rw artu n g  um , daß w ir  vielleicht
        
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