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Periodical volume 7. Juni 1916

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1916

120 -Sitzung am 7. Ju n i 1916
unmöglich gemeint sein kann, daß nun städtische Auslegung einverstanden bin, daß nur etwa solche 
Arbeiter, die nur v o r ü b e r g e h e n d e  Z e i t  M nichtständigen Arbeiter in Frage kommen, die nur 
städtischen Diensten beschäftigt sind, auch einen An­ deshalb, weil sie während des Krieges angenommen 
spruch auf Urlaub erhalten sollen. W ir können auch sind und der Krieg länger dauert, als man voraus­
nur annehmen, daß w ir bei der unvermutet langen sehen konnte, längere Zeit in städtischen Diensten 
Dauer des Krieges eine große Anzahl von Arbeitern waren, ohne später dauernd übernommen zu werden. 
heben, die städtische Arbeiter im Sinne unserer Be- Es sind außerdem eine ganze Reihe nichtständiger 
stimmunaen nicht werden können, die aber doch bereits Betriebs- und Hilfsarbeiter tätig, die auch schon vor 
eine so lange Zeit im Dienste der Stadt Charlotten­ dem Kriege bei uns waren, die aber noch nicht so 
burg beschäftigt sind, daß es durchaus gerechtfertigt lange beschäftigt sind, daß sie nach unseren bisherigen 
erscheint, auch ihnen einen Sommerurlaub zu ge­ Grundsätzen einen Urlaub zu bekommen hätten. Ich 
währen. I n  dieser Richtung find w ir m it den Herren nehme an, daß der Magistrat —  ich konstatiere das 
Antragstellern durchaus einverstanden, und w ir iver- zustimmende Nicken des Herrn Oberbürgermeisters —  
den auch diese Magistwtsvorlage, wenn sie uns zugeht auch diesen Kreis von Personen in eine etwaige Rege­
 und auch dort wünschen w ir d ie  g r ö ß t e  B e ­ lung einbeziehen wjrd. Ich glaube, gerade nach der 
s c h l e u n i g u n g  —, überaus wohlwollend Prüfen. Richtung hin sind unsere Bestimmungen, auch abge­
sehen von der Kriegszeit, etwas engherzig. Ob w ir 
Was den dritten Punkt, der nicht durch einen das schon jetzt endgültig für die spätere Zeit festlegen 
Antrag festgelegt worden ist, angeht, den Herr Kollege sollen, lasse ich dahingestellt; es mag ja sein, daß die 
Zaein hier berührt hat. so ist, glaube ich. aus der Regelung jetzt nur für die Kriegszeit erfolgen kann. 
Erklärung des Herrn Bürgermeisters ganz klar her- Aber immerhin möchte ich auch hier schon meine 
vorgegangen, daß irgendwelche bose Absicht, wenn Ansicht dahin zum Ausdruck bringen, daß es bei 
die Eingabe der Gewerkschaft bisher nicht beantwortet jemand, der zwei, drei Jahre in städtischen Diensten 
worden ist, seitens des Magistrats nicht vorgelegen ist, doch auch angebracht scheint, wenn man sonst 
hat. Auch ich möchte meinen, daß den Herren, die m it ihm zufrieden ist und ihn voraussichtlich dauernd 
die Eingabe gemacht haben, nicht daran liegen kann, weiter behalten wird, ohne daß er ständiger Arbeiter 
eine nichtss'gende Antwort des Magistrats zu er­ werden kann, ihm eine kleine Urlaubspause im Jahre 
halten, etwa 'des Inha lts : Ih re  Eingabe haben w ir zu gönnen. Es entspricht das eigentlich auch der 
erhalten, und w ir werden sie prüfen, sondern es Tendenz, die jetzt im allgemeinen in  der Industrie 
muß ihnen daran liegen, einen positiven Bescheid und im Geschäftsleben zutage getreten ist, und ich 
zu bekommen, und w ir haben ja gehört, daß ein glaube, die Stadt gewinnt dabei nur. Denn jemand, 
solcher positiver Bescheid bisher noch nicht möglich der drei, vier Tage —  wenn es auch nur diese Zeit 
war, weil eben euch hier eingehende Verhandlungen ist —  im Jahre Urlaub erhält, ist vorher in  der 
schweben. Hoffnung auf Urlaub und nachher viel arbeits­
Im  übrigen möchte ich den Ausführungen, die freudiger, als wenn er überhaupt niemals einen Tag 
Herr Kollege' Zaein über die Gewerkschaften und Urlaub unter Fortbeziehung seines Gehalts zu ge­
ihre Betätigung im Kriege gemacht hat, meinerseits wärtigen hat.
auf das allerwärmste beiireten. Ich habe in einer 
großen Versaminlung hier in Charlottenburg bereits Stadtv. Gebert (Schlußwort): Meine Herren! 
cinnrt Gelegenheit genommen, diese Tätigkeit der Die wohlwollende Auffassung, die von allen Seiten 
Gewerkschaften, vor allem auch ihre n a t i o n a l e  der Versammlung unserm Antrag gegenüber zum 
B e t ä t i g u n g ,  überaus rühmend anzuerkennen, Ausdruck gebracht worden ist, enthebt mich der N ot­
und ich hoffe, daß eine nicht allzu ferne Zukunft auch wendigkeit, irgendwie auf die Materie selbst einzu­
meinen Freunden vielfach Gelegenheit geben wird, gehen. N ur einen Punkt möchte ich nicht unerwähnt 
in gewissen sozialen Bestrebungen gerade m it den Ge­ lassen.
werkschaften Hand in Hand zu gehen. Der Herr Bürgermeister erklärte, daß er des­
halb der erwähnten Organisation keine Antwort ge­
(Sehr gut! und Bravo!) geben habe, weil der Magistrat keinen Bescheid geben 
wollte, der gewissermaßen nichts enthält. W ir 
Ich fasse mich dahin zusammen, daß w ir beiden müssen auch m it diesem System -einmal brechen. 
Anträgen m it der Auslegung, die ich m ir ganz kurz Jeder Kaufmann und Arbeitgeber, an den sich eine 
anzudeuten erlaubte, zustimmen werden. Organisation wendet, bestätigt mindestens den 
Empfang des Schreibens; das hätte auch der M agi­
Stadtv. Dr. Stadthagen: Meine Herren! Ich strat ohne weiteres tun können. Ich habe aus dem 
kann mich im allgemeinen den Worten meines Herrn Kreis der Organisationen mehrfach Mitteilungen 
Vorredners anschließen. Auch w ir weiden dem An­ darüber bekommen, daß die S tadt Charlottenburg 
trag zustimmen, und zwar ebenfalls in  der Hoffnung, die einzige Gemeinde in Groß-Berlin sei, die A n t­
daß der Magistrat auch einer etwaigen Erweiterung worten wenig oder gar nicht erteile.
im Einvernehmen m it Groß-Berlin nicht abgeneigt 
sein wird. Es würde sich ja fragen, ob man nicht (Widerspruch des Bürgermeisters Dr. M a i e  r.)
vielleicht den Antrag etwas weniger speziell fassen 
und ihn etwa dahin abändern soll, daß man nicht —  Wenig oder gar nicht erteilt, Herr Bürgermeister! 
direkt s'gt: m it weniger als 3000 -// Jahresein­ Ich erinnere Sie daran, daß w ir schon einmal in 
kommen, sondern: m it einem geringen Jahresein­ diesem Saale eine derartige unerquickliche Verhand­
kommen. Das läßt dann die Grenze frei. Ich stelle lung hatten. Ich bitte S ie also, in Zukunft doch 
das aber anheim; ich für meinen Teil werde keinen mindestens eine Antwort zu geben.
derartigen Antrag stellen. Im  übrigen werden w ir ja abwarten, wie die 
Zn dem zweiten Antrag möchte ich noch besonders Vorlage des Magistrats aussehen wird, und ich 
bemerken, daß ich allerdings nicht m it der ganz engen nehme an, daß sie zur allgemeinen Zufriedenheit der
        
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