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Periodical volume 10. Mai 1916

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1916

110 Sitzung ant 0. Mai 1910
feil Hut, gerade das  Gegenteil von dein erreicht, was wiß, der Ansicht bin ich auch; nur haben dieselben 
m an  hat erreichen motten. Personen dann ein ganz anderes Interesse, und das  
M eine  Herren, wenn das Volk gegen die ist das Wesentliche an der Sache. Ich  bin gewiß 
Schlächter so erbittert ist, so kommt das hauptsäch­ der Letzte —  das möchte ich anknüpfend an  die B e ­
lich au s  der Em pfindung heraus, das; nicht einheit­ merkung des Herrn  Kollegen M eyer sagen — , der die 
lich gehungert wird, das; cs doch noch heut Leute große wirtschaftliche Bedeutung des H andels  ver­
gibt, die mehr B u t te r  und mehr Fleisch a ls  andere kennt. I m  Gegenteil, ich bin immer, wo ich die 
beiommen. Möglichkeit dazu hatte, für die W ürdigung der be­
rechtigten In teressen des H andels  eingetreten. Aber 
(S e h r  richtig! bei den Sozialdemokraten.) das möchte ich doch hervorhöben, daß im Kriege ge­
wisse Kleinhändelsaufschläge und gewisse V erteuerun­
N u n  stehe ich allerdings insofern in einem gewissen gen durch den Kleinhandel einfach nicht möglich 
Gegensatze zu H errn  Kollegen Hirsch, indem ich nicht sind und daß im  Kriege der einfachere Weg immer 
der M einung  bin, das; sich die Verschiedenheit blos; noch der ist, den Kleinhändler in städtische Dienste 
nach den Einkommensverhältnissen abstuft. Ich zu nehmen, a ls  ihn weiter arbeiten zu lassen.
glaube vielmehr, das; sich das nach dem G rade  der 
I n t i m i t ä t  abstuft, in dem der einzelne zum Schläch ( S e h r  richtig!)
terlaben oder zum B utterladen  steht.
Ich  bin übrigens der Ansicht, das; das ebenso im 
(S e h r  richtig!) Interesse des Kleinhändlers liegt, dem man seine 
schweren S o rg en , die er heute hat, damit abnimmt.
D ie Sache liegt doch so, das; die Verbitterung E s wäre übrigens wünschenswert, die K lein­
im m er dadurch erfolgt, das; V orräte  zurückgehalten händler, die auf der einen Se ite  im m er wissen, den 
werden, von denen die Schlächter und Butterhändler Schutz der städtischen Behörden nachzusuchen und uni 
sagen: die sind für unsere Kundschaft bestimmt. An unsere S y m p ath ie  zu werben, würden auf der an ­
und für sich ist es eine durchaus vernünftige E r ­ dern S e ite  mehr a ls  b isher einsehen, das; es, dam it  
wägung, das;, auch w enn  e inm al vorübergehend irre­ die Bevölkerung Ruhe behält, auch notwendig ist, sie 
guläre Zustände eintreten, ein Schlächter oder ein anständig zu behandeln.
Bäcker oder ein B utte rhänd le r  Gewicht darauf legt, 
sich die Kundschaft, die immer bei ihm gekauft hat (Lebhafte Zustim m ung.)
und m it  der er in einem gewissen freundschaftlich- 
geschäftlichen V erhältn is  steht, zu erhalten. S o  Leider hat sich in den B u tte r-  und auch in den 
lange, wie man den B utte rhänd le rn  und den Schläch­ Schlächterläden vielfach ein Ton  herausgebildet, der 
tern  freie Hand darin  gibt, kann der M a n n  ja, wenn geradezu unerhört ist.
er sich nicht wirtschaftlich ru inieren will, gar nicht 
anders  handeln, a ls  seine intimeren Geschäftsfreunde (S eh r richtig!)
zu bevorzugen. Deshalb mus; m an  ihm die V eran t­
w ortung abnehmen, l ind in der Abnahme einer sol­ Vielfach w ird das Volk erst durch de» Ton, der in 
chen V eran tw ortung  sehe ich den H auptvorte il  der diesen Lüden herrscht, aufgereizt. D a s  hat gar nichts 
E in führung  der Fleischkarte. D enn  dann weis; jeder­ mit der Berechtigung oder Nichtberechtigung des 
m ann, das;, wenn selbst der Schlächter jemanden be­ K leinhandels zu tun. W enn m an um  die Sym p ath ie  
vorzugt, er ihm wenigstens nicht mehr verkaufen und der Bevölkerung w irbt und gegen Uebergriffe ge­
reservieren darf a ls  das geringe Q u a n tu m ,  das auf schützt werden will, dann ist es in allererster Linie 
der Fleischkarte steht. Heute, wo der Bezug von erforderlich, das; m an sich diese S ym p ath ien  nicht 
a u sw är ts  —  ich selbst habe bis vor ganz kurzem dadurch verdirbt, das; m an  die Leute grob und rück­
Fleisch von au sw är ts  beziehen können —  durch das sichtslos behandelt, indem m an sich a ls  den H errn  
Ausfuhrverbot der Landräte  meist unmöglich gewor­ der S i tu a t io n  aufspielt und den gewissermaßen ver­
den ist. kann einer doch n u r  mehr a ls  der andere spottet, der vor einem steht und um N ahrung sm it te l  
bekommen infolge von Bevorzugung durch den b itten muß.
Schlächter. Ich  kann n u r  sagen, das; ich eine ganze M eine  Herren, ich b in  m ir  selbstverständlich 
Reihe von Fällen  gehört habe, wo F ra u e n  anderen darüber klar, das; der S tad tgem einde  n u r  b is  zu 
F ra u e n  erzählt haben, das; sie ft, 6 und 7 P fu n d  einem ganz geringen G rade E in fluß  auf die Aende­
Fleisch bekommen haben. rung der augenblicklichen Verhältnisse zusteht. D er 
H err  Oberbürgermeister hat u n s  ja bereits hier a u s ­
(H ört!  hört!) einandergesetzt, das; die S tad tg em ein d en  von der 
Fleischversorgung eigentlich ganz ausgeschaltet sind. 
D a s  ist ein Zustand, der doch unmöglich ist, und Leider ist das  richtig. E s  ist ein sehr bedauerlicher 
in der Beseitigung dieses Zustandes —  freilich nu r Zustand , das; dem so ist. I c h  hoffe, daß bei der 
darin , aber das ist schon ein sehr großer V orte il  —  N euordnung der O rganisation für die Lebensmittel­
sehe ich den Vorzug der Fleischkarte. Deswegen bin versorgung im Reich, die demnächst bevorzustehen 
ich unbedingt dafür, die Fleischkarte einzuführen. scheint, die S tä d te  es verstehen werden, sich nam en t­
N u n , meine Herren, fragt es sich, wie w ir uns lich den Viehhandelsorganen gegenüber etwas mehr 
denn überhaupt diesen Kleinhandelsfragcn gegen­ G eltung zu verschaffen, a ls  cs bisher der F a l l  war.
überstellen sollen, besonders in bezug auf das  Aber ganz frei von Schuld und Fehler sind die 
Schlächtergewerbe. Ich möchte doch darauf aufmerk­ städtischen Behörden doch nicht. I n  bezug auf die 
sam machen, das; man die D inge heute nicht unter B utte r-  und in bezug auf die Fleischfrage t r if f t .d ie  
demselben Gesichtswinkel ansehen darf wie im  F r i e ­ städtischen Behörden doch eine ganze Menge Schuld. 
den. D er  H err Oberbürgermeister hat gesagt, m an E s  haben sich da Zustände herausgebildet, die wirk­
kommt schließlich dazu, m it  denselben Personen auch lich unerträglich scheinen. Ich  habe in der letzten Zeit  
nach der Verstadtlichung arbeiten zu müssen. G e ­ von einer Weihe von Charlottenburger H ausfrauen
        
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