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Periodical volume 10. Mai 1916

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1916

5ÜMUI3 n:n l ö  Moi 1910 107
iführe .  I c h  erkenne es m i t  dem H e r rn  Oberbür.qer- hierbei zu erwägen sein. K urz  und gut, w ir  denken, 
meister nicht n u r  a ls  gerechtfertigt, sondern a ls  durch- daß der M a g is t ra t  u n s  Vorschläge machen w ird ,  
a n s  erwünscht an , daß der L a n d w ir t  sich nicht zu denen wir, gleichviel nach welchem M u s te r  sie kom­
einem großen Schlachten lind A n-den-M ark t-brm gen  men, folgen w erden , wenn sie die Sache praktisch 
des Viehes entschließt, bevor es genügend fett ist, und richtig anfassen.
wodurch wichtige N a h ru n g s m i t te l  verloren gehen M e in e  H erren , w enn  in  bezug au f  P u n k t  1 eine 
mit eben. sachliche Meinungsverschiedenheit  zwischen den 
E s  kommt w eiter  a l s  Bedenken gegen die Fleisch­ beiden A n trä g e n  nicht besteht, so ist das  al lerd ings 
karte h inzu , d a ß  der B e d a rf  an  Fleisch seitens der der F a l l  hinsichtlich des P u n k te s  2 des  sozialdemo­
.einzelnen  Teile  der Bevölkerung verschieden ist. D e r  kratischen Antckags, dem w ir  nicht zustimmen können. 
B e d a r f  an B r o t  ist ungefähr  gleichmäßig oder läß t  T e r  sozialdemokratische A n t ra g  ver lang t  für die V e r ­
sich doch in  wenige große Kategorien  bringen, und te i lung  der städtischen N a h ru n g s m i t te l  besondere 
. w i r  sehen, wie g u t  und g la tt  es sich bewährt,  im V e r k a u f s s t e l l e n ,  in  denen „ u n t e r  A u s ­
allgemeinen jederm ann  die gleiche B ro tm enge zu ge­ s c h a l t u n g  d e s  H a n d e l s "  die N a h ru n g s m i t te l  
w ä h re n  und  durch Zusatzkarten bestimmten Kreisen u n te r  L e i tung  und  Aufsicht städtischer O rg ane  u n ­
der Bevölkerung ein M e h r  zu bieten. B e i  dem m it te lba r  der B evölkerung  zugeführt  werden. Meistere 
Fleisch is t ,e s  anders .  D e r  M a n n ,  der noch in  der erhebliche Gründet gegen diesen T e i l  des  A n t ra g s  
B l ü t e ,  seiner J a h r e  steht, h a t  einen an d e rn  Fleisch- hat der H e r r  Oberbürgerm eister bereits  m itge te il t:  
bedarf a l s  der alte  M a n n  oder gar die alle F r a u ,  der ich werde sie nicht wiederholen. I c h  m u ß  aber bei 
geistige A rbei te r  einen andern  a ls  derjenige, der kör­ der Gelegenheit einige allgemeine Bem erkungen  
perlich arbeitet, und  solcher Unterschiede sind gar  machen, zu denen mich d ie Zuspitzung der A n träge  
viele. E s  fällt endlich noch in s  Gewicht, daß , während der sozialdemokratischen F ra k t io n  zu 2 und  3 in be­
w i r  bei dem B r o t  im wesentlichen m it  einer E inh c i ts -  zug au f  den H ande l veranlassen.
q u a l i tä t  zu rechnen haben, bei dem Fleisch ganz ver­
schiedene S o r t e n  vorhanden  sind, die sich nicht in  Ich möchte davor warnen,  die Mi ß-  
gleichem M a ß e  für alle Schichten der Bevölkerung s t ä n d e ,  d i e. s i c h  i n  d i e  j e m o d e r j e n e  in 
e ignen, auch früher nicht in  gleichem M a ß e  von den G e s c h ä f t  g e z e i g t  h a b e n ,  z u  v e  r a l t  g e ­
e inzelnen Teilen  der  Bevölkerung aufgenom men rn e i n e r  n u  n  d z u m A  u  s  g a  in g s p u  n I  t e v o n  A  n g r  i f  f e n g e g e n  d e  n H a n d  e I i m 
'w o rd en  sind. a l l g e m e i n e n  z u m a c h e  n. E s  kaun keine 
W e r  trotzdem führt  m n s  über  alle diese B ed en ­
ken, die bestehen und bleiben werden, eins hinweg, Meinungsverschiedenheit  zwischen d e n  M itg l iede rn  
nämlich das  große A rgum ent ,  daß  jetzt nicht so viel dieser. V ersam m lung  darüber  geben, daß da, wo jetzt 
Fleisch vorhanden  ist, öder wenigstens nicht so viel er« g c w u ch c r  t w ird ,  die s c h ä r  f st e M  i ß b i l ­
reicht werden kann, u m  auch m ir  die M indestmenge, l i g n  it g a m  P lätze ist,
Die für j e d e n  erwachsenen Menschen no tw endig  ist, 
unseren M i tb ü rg e rn  zugänglich zu machen. Ob u n s  ( S e h r  richtig!)
die Fleischkarte die Sicherheit  bietet, daß  d as  an ders  
w ird , dah in te r  mache ich ein großes Fragezeichen. die schärfsten S t r a f e n ,  die überhaup t denkbar sind. 
A ber das  ist jedenfalls gew iß: d u r  ch d i e F  l  e i f ch- A ber  ebenso sollten w ir  d a r in  einig sein, daß d a s ­
k a r t e  w i r d  v o r  d e r  g e s a m t e n  B e ­ jenige, w as  der einzelne vielleicht Ucbles tu t ,  keines« 
v ö l k e r u n g  k l a r g e s t e l l t ,  d a ß  r e i c h  u n d  Wegs verallgemeinert werden darf, wie cs geschehen ist. W i r  haben a u s  der objektiven D ars te llung  des 
a r m ,  W o h l h a b e n d e  u n d  U n b e m i t t e l t e  H errn  Oberbürgerm eisters  en tnom m en , daß  selbst von 
n  u r  e i n e  g  I e t ch e M e n g e  F l e i s c h  b e - den in  den letzten T ag en  in der Oeffentlichkeit e r­
z i e h e n  f ö n  it c n , und  d as  r ä u m t  dasjenige h i n ­
weg, w as  ich in  der jetzigen Lage fü r  das  Allergc- örterten  F ä l len ,  die eine F ü l le  von erdnickendem B e ­
fährlichste halte , den G lauben ,  daß  ein  T e i l  der B e ­ las tungsm ater ia l  zu bieten schienen, ein T e i l  und  ge­
völkerung Uebcrfluß hat , w ährend andere hungern  rade die, die am meisten Aufsehen erregt haben, m i t  einem Ergebnisse erledigt w orden sind, d as  fü r  die 
müssen. Beschuldigten durchaus günstig  ist. A ber selbst wenn 
in anderen F ä l le n  möglicherweise noch verwerfliche 
( S e h r  richtig!) Bereicherungsversuche der Geschäftsinhaber festgestellt 
werden sollten, darf  d a ra u s  nicht gefolgert werden, 
D a s  allein genügt zum Beweise, daß  die schleunige daß sich die Fleischer insgesamt^ zum Nachteil der 
E in fü h ru n g  der Fleischkarten geboten ist. Bevölkerung bereichern. Gehen S i e  durch die S t r a ­
Unser A n t ra g  unterscheidet sich n u n  von dem ßen unserer S t a d t ,  sehen S i e ,  wieviel Fleischerläden 
A n trage  d e r  sozialdemokratischen F rak t io n  in  diesem nicht n u r  an den fleischlosen T agen ,  sondern über­
'Pnnlkte insofern, a ls  w ir  den M ag is tra t  n u r  aus h aup t  geschloffen sind,
fordern , unverzüglich Fleischkarten einzuführen, wäh­
rend die H erre n  Kollegen von  der sozialdemokratischen ( S e h r  r ichtig!)
F ra k t io n  die E in fü h ru n g  von Fleisch-karten „im ch 
d c in M  n st c r  d e r  s ü d d e u t s ch e n S  t a a t e ii" weil sie nicht mehr die Möglichkeit haben, ihren B e ­
verlangen. H e r r  Kollege Hirsch hat bereits ange­ trieb fortzuführen! D a  w ird  m a n  sich nicht die A n ­
deutet,  daß er unserem A n trage  zuzustimmen geneigt tritt b ilden können, daß  das  Fleischergewerbe im  a l l ­
w äre :  er legt au f  das  süddeutsche M uste r  scheinbar gemeinen durch den Krieg große ungerechtfertigte 
keinen großen W ert .  W ir  haben davon absehen zu G ew in ne  bezieht. D esha lb  w äre  es höchst unbillig, 
sollen geglaubt, au f  ein bestimmtes M u s te r  h inzu­ wegen der V erfehlungen  einzelner d a s  ganze Lcbens- 
weisen, weil w ir  nicht übersehen können, welches mittelgewerbe bloßzustellen und  von den ohne­
M u s te r  das  beste ist. und  es der Lebensmitte ldepn- hin  beschränkten Verdienstmöglichkeiten auszuschalten.
t a t io n  überlasten wollen, die einzelnen V orgänge D e r  A n tra g  der sozialdemokratischen F ra k t io n  
daraufh in  genau zu prüfen . Auch die A nregungen, geht n u n  dahin , Verkaufsstellen der S t a d t  für 
die H e r r  Kollege S ta d th a g e n  gegeben hat, w ürden städtische N a h ru n g s m i t te l  zu errichten. Trotz der
        
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