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Periodical volume 10. Mai 1916

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1916

Sitzung am 10. Mai 1916 105
A ber m ir müssen u n s  in  unserer ganzen L ebenshal­ der vorhandenen L ebensm ittel auf die einzel­
tung  zw eifellos jetzt und auch in  Z ukunft starkq E n t­ nen  deutschen B undesstaaten  und auf S ta d t  
behrungen  auferlegen, w ir  müssen von a lten , liebge­ und L and  eine ausreichende V ersorgung der 
w ordenen G ew ohnheiten  energisch abgehen, abgehen B evölkerung G ro ß -B e rlin s  im  allgem einen und 
aber n u r  in  einem  U m fange, den jeder Hygieniker C h a rlo tten liu rg s im  besonderen m it N a h ru n g s­
—  ich möchte mich hier au f eine A u to r itä t, au f u n ­ m itte ln  gesichert werde.
sern H e rrn  D ezernen ten  Dr. G o tts te in  berufen —  D e r M a g is tra t w ird  ferner ersucht, unab ­
durchaus a ls  verträglich m it der Volksgesundheit be­ hängig  von den M aß n ah m en  des Reiches 
zeichnen 'w ird. I c h  habe es an  m einen K indern  ge­ seinerseits
sehen: es geht ganz gu t ohne Fleisch, und H err 1. unverzüglich Fleischkarten einzuführen ,
Dr. G o ttste in  ha t m ir selbst bestätigt, daß gerade die 2. solange und soweit städtische V erkaufsstel­
E rn ä h ru n g  der K inder in  früheren  Z e iten  zw eifellos len nicht eingerichtet sind, au ß er den M i t ­
an  einem  Z u v ie l an  Fleisch gelitten  ha t, so daß m  gliedern der L ebensm itte ldepu ta tion  auch 
der Beziehung eine e tw as knappere H a ltu n g  nicht zu sonstige geeignete Personen , insbesondere 
gesundheitlichen Schäden führen  w ird . auch F ra u e n , im  E invernehm en  m it der 
M eine  H erren , ich möchte S ie  m  dieser B e ­ Polizeibehörde A usw eiskarten  auszustel­
ziehung b itten , nicht im m er nach S c h u l d i g e n  len, die zum  B etre ten  der N a h ru n g sm itte l­
im  L ande zu suchen, sondern sich e inm al zu fragen, geschäfte und zu r K ontro lle  der A rt des 
ob nicht die o b j e k t i v e n  V orgänge a llein  dazu V erkaufs berechtigen.
hinreichen, um  u n s  zu dieser S p a rsam k eit und  zu 
diesen E n tbeh rungen  zu nö tigen  und zu erziehen. G esta tten  S ie  m ir , m eine H erren , diesen A n ­
Nach der R ichtung der H e r b e i s c h a f f u n g  der trag  m it ein igen W orten  zu begründen.
wichtigsten L ebensrnitte l sind w ir a ls  S ta d tv e rw m - E s  ist noch nicht lange her, daß  w ir u n s  über 
tung  nahezu m achtlos. W as die V e r t e i l u n g  dieselbe F ra g e  w ie heute u n te rh a lten  haben. E s  ge­
be trifft, so nehm en w ir A nregungen Ih re rs e i ts  und schah d a m a ls  in  geheim er S itzung  in  der Absicht, 
a u s  der B ürgerschaft stets außerordentlich gern  en t­ hierdurch zu ermöglichen, d a ß  alles, auch dasjenige, 
gegen. W ir  sind feine D o k trinäre , w ir w erden jeden w as fü r die öffentliche B ehand lung  etw a nicht unbe­
A n tra g  und jede A nregung  eingehend prüfen . D en n  d ing t geeignet ist, zu r Aussprache gelangen und eine 
w ir  sind u n s  w ohl bew ußt, daß  es augenblicklich sur von jeder Rücksichtnahme freie Beschlußfassung s ta tt­
u n s  keine wichtigere F ra g e  g ib t a ls  die der V olks­ finden könnte. D a s  E rg eb n is  dieser B e ra tu n g  am  
ernäh rung , keine F ra g e , d ie so ausschlaggebend ist 29. M ä rz  1916 w a r  ein  einstim m iger Beschluß, 
fü r die Z ukunft unseres V a terlan d es. dessen erster Sa tz  lau te te :
D ie  S tad tvero rdnetenversam m lung  hat 
(L ebhafter B eifa ll.) die Ueberzeugung gewonnen, daß seitens des 
M a g is tra ts  a lles geschehen ist, um  die C h a r­
Vorsteher Dr. Frentzel: Z u r  geschäftlichen B e ­ lo ttenbu rger Bevölkerung m it den unen tbehr­
hand lung  des vorliegenden G egenstandes möchte ich lichsten N a h ru n g sm itte ln  zu versorgen, soweit 
bemerken, daß H err Kollege O tto  be re its  den A n ­ es im  Machtbereiche der städtischen V erw al­
trag  au f Besprechung der von ihm  und seinen F re u n ­ tu n g  steht.
den gestellten A nfrage eingebracht h a t. Ic h  kann Ic h  erkläre ausdrücklich, daß  w ir, die w ir den 
w ohl annehm en, daß  H err Kollege Dr. S ta d th a g e n  eben verlesenen A ntrag- eingebracht haben , heute noch 
einen ebensolchen A n trag  stellt. D a n n  darf ich auf dem B oden des dam aligen  Beschlusses stehen, 
fragen, ob die beiden A n träge  au f Besprechung der und  ich habe auch nicht a u s  den A usfü h ru n g en  des 
A nfragen  die nötige U nterstützung finden. —  D ie  H errn  Kollegen Hirsch gehört, daß seine F reu n d e  
nö tige ' U nterstützung ist gegeben. D a m it  ist die B e ­ etw a diesen S ta n d p u n k t verlassen hätten .
sprechung der beiden A nfragen  beschlossen. F ü r  den M eine  H erren , w o r in  die eigentliche Ursache der 
A n tra g  bedarf es einer solchen A bstim m ung bekannt­ V erhältnisse, in  denen w ir u n s  jetzt befinden,, liegt, 
lich nicht. ^ d as  ist bereits  in  einer S itzung  der S ta d tv e ro rd ­
Ic h  erteile  zunächst H e rrn  Kollegen M eyer das netenversam m lung vor längerer Z e it zum Ausdrucke 
W o rt und  bemerke 'dazu . daß  ich wie bei der jetzigen gekommen. E s  w ar am  20. O ktober 1915, a ls  w ir 
D iskussion auch den folgenden H erren  R ednern  voll­ über die sich be re its  erheblich füh lbar machende 
kommene F re ih e it lasse, sich über die verschiedenen L ebensm ittelteuerung  sprachen und  H err B ü rg e r­
P unk te , die in den A nfragen  und in  dem A n trag  m eister Dr. M a ie r  D arlegungen  machte, die zum  T e il 
angegeben sind, auszusprechen. heute noch so zeitgem äß sind, daß  ich e in iges davon 
hier anführen  will.
S tad tv . M eyer: M ein e  H erren ! D ie  L iberale 
F rak tio n , die N eue F ra k tio n  und  die V erein ig te  a lte  J e  länger, je m ehr 
F ra k tio n  haben sich zu einem A ntrage  zusam m en­ — ha t der H err B ürgerm eiste r voriges J a h r  ge­
gefunden, der, wie ich zu m einer G enug tuung  vo r­ sagt—
ausschicken kann, in  den wesentlichsten P u n k ten  m it erkennen w ir  a u s  der P ra x is ,  daß alle M a ß ­
dem A ntrage  der sozialdemokratischen F ra k tio n  über­ nahm en, die getroffen w erden, S tückm aßnah ­
einstim m t, aber ihn  doch in  einer B eziehung ergänzt, m en bleiben, solange die einzelnen K om m unen 
in  anderen eine e tw as abweichende Auffassung zum a llein  sich an diesen D ingen  versuchen. M ehr 
Ausdrucke b ring t, so daß w ir  u n s  im m erh in  ver­ denn je t r i t t  die E in h e it des W irtschaftsgebiets 
a n la ß t sehen, diesen A n trag  neben jenem  e inzub rin ­ des Deutschen Reiches jetzt w ährend des K rie ­
gen. Ic h  möchte vorweg den  A n tra g  vorlesen: er ges in  klarer W eise vo r unsere A ugen. W ir 
la u te t:  , c r r i  ,  , . erkennen au f der einen S e i te  die P ro d u k tio n s ­
D e r M a g is tra t w ird  ersucht, bei dem fähigkeit dieses W irtschaftsgebiets und  au f der 
„ Reichskanzler dringende V orstellungen zu er­ andern  die N otw endigkeit zu r E in fu h r  in  d ie­
heben, daß  vermöge einer gerechten V erte ilung ses G ebiet. E s  lieg t nist der H and , daß, so-
        
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