Path:
Periodical volume 17. März 1915

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1915

50 Außerordentliche Sitzung vom 17. März 1915
—  es möge geprüft werben, H err S tad tv . Hirsch, Leute nicht Schaden leiden. Dagegen wenden w ir
das steht drin  — im einzelnen Falle  zweckmäßig uns natürlich auch, daß der einzelne etwa m  unzu­
ist, den betreffenden F rauen die volle Arbeitgeber- reichender Weise versorgt w ird; w ir haben alle das 
u n ter)niturnet zuzuweisen. Interesse daran, die Kriegerfrauen so reich wie mög­
M eine Herren, H err Hirsch erregt sich da rüder, lich zu versorgen. W ir, der M agistrat, werden uns 
daß davon die Rede ist, daß seitens der kriegsuntcr- in bezug aus diese Fürsorge in keiner Weise von der 
stützten F rauen  mehr Backwerk verzehrt worden ist, Stadtverordnetenversammlung übertreffen lassen. Ich 
als es vor dem Kriege der F all war. Ich  glaube, habe mich im m er gefreut, daß in allen diesen F r a ­
S ie  alle hier im S aa le  sind so weit unterrichtet —  gen ein völliges Einvernehmen zwischen M agistrat 
S ie  brauchen ja nur bei den Bäckermeistern nachzu­ und S tad tvero tim etenversammlung bestanden hat, 
fragen — , daß der Konsum an Backwaren nicht zurück­ und ich hoffe, daß dieses Einvernehmen nicht durch 
gegangen ist, sondern während der Kriegszeit zuge­ einen Brief, der in dieser scharfen Weise kritisiert 
nommen hat. Jetzt besteht natürlich die Gefahr nicht wird, irgendwie beeinträchtigt wird. Ich möchte 
mehr, daß jemand mehr verzehrt, als er verzehren bitten, meine Herren, daß S ic  uns das gemeinschaft­
darf, weil bau ja durch die Regelung des B rotver­ liche Arbeiten m  dieser wichtigen Frage der Kriegs­
brauchs ein- für allemal ein Ende gemacht ist. und wohlfahrt nicht erschweren, sondern daß S ie  uns 
weil für die Bereitung von Kuchen Vorschriften be­ helfen, auch diese Arbeit weiter m it Freuden fort­
stehen, die eine Beschränkung des Mehlverbrauchs auf zusetzen.
10 % des Gewichts des Kuchens festsetzen. Jetzt kann 
niemand mehr verbrauchen, a ls ihm zukommt. S tad tv . W alther: M eine Herren! H err Kollege 
Dr. Rothholz, aus dessen A ntrag vom 20. J a n u a r  
M eine Herren, daß eine wohlgemeinte M aß ­ 1915 diese Vorlage hervorgegangen ilst, ist behindert, 
regel, die eingehend erwogen worden ist —  ich selbst heute hier zu sein, und har mich ersucht, diese V or­
habe an dem Beschluß nicht mitgewirkt, ich halte ihn lage Ih n e n  zur Annahme zu empfehlen. S ie  ent­
aber durchaus für richtig — , daß eine solche M aß­ spricht nicht ganz dem Antrage des H errn Kollegen 
regel hier in dieser Weise kritisiert worden ist, das Rothholz, es sind geringe Abweichungen vorhanden; 
entspricht nicht dem Ernste der heurigen Zeit. M an aber sie fallen so wenig in s  Gewicht, daß sie der 
kann verschiedener Ansicht über diese Dinge sein; das Annahme der Vorlage nicht entgegenstehen. E s ist 
gebe ich ohne weiteres zu. Diese ganzen Fragen sind anzuerkennen, daß diese gewiß erfreuliche Vorlage 
in das Ermessen des einzelnen gestellt, und ich will den Unterstützungsbedürftigen eine schätzenswerte B ei­
zugeben, daß der eine einmal eine andere Ansicht hilfe bietet, und ich glaube, es wird gerade in diesen 
haben kann als der andere. Aber hier die Sache so Kreisen rechte Freude erwecken, wenn ihnen auf 
darzustellen, als wenn das eine ganz absurde und solche Weise eine Unterstützung zufließt. Ich  möchte 
abenteuerliche Idee  des M agistrats ist, dazu liegt « ic  namens des Herrn Antragstellers bitten, der V or­
doch nach meiner Ueberzeugung nicht die geringste lage zuzustimmen.
Veranlassung vor.
Ich  kann n u r wiederholen, daß ich auf das leb­ Stadtv . Wöllmer: M eine Herren! M eine Frak­
hafteste bedaure, daß eine solche Debatte in dieser tion stimmt dem ersten Teile der Magistratsvorlage 
.Kriegszeit tauglich ist, die doch zweifellos B eunruhi­ gern zu. W as den zweiten T eil anlangt, so geht H err 
gung in die Bevölkerung hineinträgt. W ir haben eine Kollege Hirsch über den A ntrag des M agistrats noch 
solche Beunruhigung der Bevölkerung in  keiner Weise hinaus, wenn die Stadtverordnetenversammlung heute 
beabsichtigt, und ich kann Ih n e n  n u r mitteilen, daß generell schon beschließen soll, den M agistrat zu veran­
weite Kreise der Arbeitgeber unserem Vorschlage Z u ­ lassen, eine Erhöhung der Normalsätze vorzunehmen. 
stimmung haben zuteil werden lassen und daß bisher Herr Kollege Hirsch sucht seine Ausführungen zum 
niemand in diesem ganz bescheidenen Vorschlage Teil m it dem Hinweis zu begründen, daß hier in Char­
irgendeine Bevormundung gesehen hat. Also nach lottenburg für die F rauen der Kriegsteilnehmer nicht 
der Richtung ist auch der V orw urf des H errn  S tad tv . ö gut gesorgt würde wie an manchen anderen O rten. 
Hirsch unbegründet. Ich glaube, es ist nicht angebracht, diese Dinge in  der 
W as nun seinen andern Vorschlag anbetrifft, die Stadtverordnetenversammlung so ausführlich zu be­
Wintersätze noch zu erhöhen, so möchte ich bemerken, rühren und in der A rt zu behandeln, wie es der 
daß aucki diese Frage natürlich verschieden beant­ Kollege Hirsch getan hat.
w ortet werden kann. D ie Vorsitzenden der Unter- 
stützungskomm i ssionen, von denen H err Hirsch (S ehr richtig! —  S tad tv . H i r s c h : M an  darf nicht 
wünscht, daß sie noch gehört werden, haben sich mit die W ahrheit sagen!)
diesem Vorschlag einverstanden erklärt; sie brauchen 
also nicht noch einmal gehört zu werden. M eine Ich muß sagen, ich stimme darin  den Ausführungen 
Herren, ich glaube, es ist tatsächlich richtiger, daß wir des H errn Bürgermeisters bei, daß es zweckmäßiger 
die Einzelfälle, um die es sich handelt, bei denen die ein würde, wenn w ir uns h ie rin  derS tadtverordneten- 
Normalsätze nicht ausreichen, nach. M aßgabe des Be­ versammlung, wo unsere Worte nach außenhin schallen 
dürfnisses entsprechend behandeln. Aber nun die und vielleicht ganz anders aufgefaßt werden, a ls  sie ge­
Normalsätze ganz grundsätzlich für alle Fälle zu er­ meint sind, auch vom Kollegen Hirsch gemeint sind. 
höhen, dazu liegt nach meiner M einung rmd nach in diesen D ingen doch eine gewisse Beschränkung 
der M einung der Unterstützungskommissionen sowie auferlegten. D enn das wollen wir doch alle zugeben, 
des M agistrats wirklich kein Anlaß und kein B e­ daß der M agistrat nicht weniger Wohlwollen bewiesen 
dürfnis vor. Wozu denn denjenigen Personen, dir hat als die Stadtverordnetenversammlung.
schon m it Zuwendungen, m it Arbeitsverdienst au s­
kommen können, noch grundsätzlich die Normalsätze (S eh r richtig!)
erhöhen? Ergeben sich im einzelnen Falle Uneben­
heiten, nun, meine .Herren, dann wird die indivi­ M eine Herren, ich möchte H errn Kollegen Hirsch 
duelle Behandlung des Falles dazu führen, daß die darauf hinweisen, daß die Normalsätze, wie er ja auch
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.