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Periodical volume 3. März 1915

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1915

82 Außerordentliche Sitzung vom 3. März lüls>
Borstcher-LteUv. Dr. Hubatsch: W ir kommen, nehmen können, daß sich auch die Stadtverwaltung 
zu Nr. 7: gleich nach Ausbruch des Krieges intensiver mit 
dieser Angelegenheit befaßt hätte. Ich weise hier be­
Beschlußfassung über die Borlage betr. Ablauf der sonders auf die Frage der K a r t o f f e l v e r s o r  - 
Wahlzeit eines Magistratsmitgliedes. —  Druck­
sache 22. g u n g hin. Schon im Monat August des vergange­nen Jahres trat eine gewisse Knappheit in der Ver­
' d i e  PersamlÄung beschließt einstimmig, wie sorgung mit Kartoffeln ein, und ich hatte schon da­
folgt: mals, wenn ich nicht irre, Gelegenheit genommen, 
M r  den Fall der Wiederwahl des Sradtrats mit Herrn Sladtrat Dr. Gottstcin über diese Frage 
und Kämmerers Scholtz wird das Gehalt des­ zu sprechen. Heute müssen w ir feststellen, daß die 
selben auf 16 000 (einschließlich der bisheri­ Stadt Charlottenburg bei der Versorgung der Be­c /Z  
gen persönlichen Gehaltszulage) belassen.) völkerung mit Kartoffeln doch sehr  l a n g s a m  vorgegangen ist. Die Stadt Berlin hat sofort mit 
Borsteher Dr. Frentzel: Das Protokoll der heuti­ allen M itteln versucht, ziemlich stark auf den Kar- 
gen Sitzung vollziehen die Herren Kollegen Ahrens, tosfelmarkt einzuwirken; von der Stadt Charlotten­
Will und Wöllmer. burg hat inan etwas sehnliches nicht gehört, und es 
ist deshalb auch festzustellen, daß die Einwirkung auf 
W ir kommen nun zu Punkt 8 der Tages­ die Preisverhältnisse durch die In itia tive  der Stadt 
ordnung: ~ Charlottenburg nur sehr  g e r i n g  gewesen ist. In  
den (inneren Volkskreisen hören w ir von Tag zu 
Beriech des Ncchnungsprüfungsausschusses über die Tag fragen: J a ,  w as u n t e r n i m m t  d e n n  
Prüfung von 7 Rechnungen. — Drucksache 36. jetzt e i gent l i ch  die S t a d t  C h a r l o t t e n -  
b u rg ? — und man muß eigentlich sagen: b i t t e r  
Berichterstatter Ltadtv. Bollmann: Meine w e n i g  od e r  fast  g a r  n i ch t  s.
Herren! Der- Rechnungsprüfungsausschuß hat die in I n  bezug auf die Versorgung mit Dauenvare 
seinem Bericht näher bezeichneten Rechnungen ge­ habe ich die Empfindung und, nachdem w ir hier ge­
prüft: wesentliche Monira waren nicht zu ziehen. hört haben, daß der Krieg unter Umständen noch ein 
Ich habe namens des Rechnungsprüsungsausschusies halbes Jahr dauern kann, auch die Ueberzeugung, 
zu beantragen, dem Magistrat Entlastung zu erteilen. daß die hierfür von der Stadt Charlottenburg vor­
gesehene Summe von 500 000 c /Z  z u g e r i n g  ist: 
(Die Persammlung' beschließt demgemäß.) w ir werden damit nicht das durchführen können, was 
vom Magistrat beabsichtigt ist. Wenn es auch heißt, 
Borsteher Dr. Frentzel: Punkt 9: daß es sich hierbei nur um ein Eingreifen im äußer­
sten Notfall handelt, so möchte ich doch darauf hin­
Borlage betr. Prüfung der Gültigkeit von Ttadtvcr- weisen, daß eine kleine überschlägliche Berechnung er­
ordnetemvahlen und Berichterstattung des Ausschusses. gibt, daß die für diese Summe angekauften Waren 
—  Drucksache 37. saunt für die Versorgung der Bevölkerung auf eine 
Meine Herren, der Herr Referent, Herr Kollege Woche ausreichen werden.
Rackwitz, ist Lurch eine Sitzung des Schwurgerichts Ich möchte deshalb doch den Magistrat bitten, 
am Erscheinen verhindert. Ich werde an seiner Stelle in Erwägung zu ziehen, ob es sich nicht empfiehlt, 
die Berichterstattung übernehmen und teile Ihnen hierfür noch g r ö ß e r e  M i t t e l  vorzusehen, 
mit, daß der Ausschuß beschlossen hat: um dadurch einmal zu erreichen, daß die Verkaufs­
Die am 8„ 9. und 10. Februar 1915 vollzoge­ preise nicht ins Unendliche anziehen, und ferner dar­
nen Stadtverordnete-Ersatzwahlen werden für auf einzuwirken, daß das Entgegenkommen, wie ich 
gültig erklärt. mich ausdrücken möchte, seitens der Produzenten 
verschwindet. W ir haben ja — das kamt ja ruhig 
(Die Versammlung beschließt demgemäß.) gesagt werden —  einmal unglückliche Erfahrungen 
mit dem Ankauf von Mehl gemacht: w ir haben die 
Punkt 10 der Tagesordnung: Ware nachher um soundsoviel billiger abgeben 
müssen. Das ist aber meiner Ueberzeugung nach ein 
Borlage betr. Bewilligung eines weiteren Betrages Beweis dafür, daß hier nicht mit dem richtigen Ver­
zur Beschaffung von Nahrungsmitteln. —  Druck­ ständnis gehandelt worden ist.
sache 38. Meine Herren, ich habe aus dem Munde eines 
Produzenten, der Backware herstellt, gehört, d a ß 
Ttadtv. Gebert: Meine Herren! Nach der An­ durch den P r e i s a b s c h l a g  u m 1 Pf .  f ü  r 
schauung meiner Fraktionsfreunde sieht diese Vor­ d i e s o g e n a n n t e n  K r i e g s s c h r i p p e n ,  d i e 
lage des Magistrats doch ziemlich mager aus; außer­ j a  i n C h a r l o t t e  n b ü r g  m i t  6 Pf .  v e r ­
dem haben w ir auch das Gefühl, als wenn aus ihr k a u f t  w e r d e n ,  p r o  T a g  e i n  M e h r v e r  - 
doch e i n.e gewi sse  A  e n g st l i ch k e i t s p r  i ch t. d i e n st v o n  22 JL h e r a u s g e s c h l a g e n  
Die Frage der Versorgnnng der Stadt mit w i r d. Hier muß meines Erachtens die Stadtver­
Lebensmitteln ist mittlerweile so b r e n n e n d  ge­ waltung darauf dringen, daß so schnell wie möglich 
worden, das; ich nach den Vorbereitungen des Ma­ E i n h e i t s p r e i s e  festgestellt werden; denn das 
gistrats doch die Empfindung habe, als wenn unsere ist ein Zustand, den w ir nicht gutheißen können.
Stadtverwaltung den Forderungen der Zeit gegen­ Unser Wunsch geht deshalb dahin, daß der M a­
über doch nicht genügend offene Augen gehabt hat. gistrat alles tun möge, um nach M ö g l i c h k e i t  
Nach der Entwicklung, die die Frage der Versorgung e i ne  e t w a i g e  H u n g e r s n o t  a b z u w e h r e n .  
der Bevölkerung mit Lebensmitteln in den letzten Mo­ Auf der andern Seite möchte ich aber auch bitten, 
naten genommen hat, ist auch deut Staate ein gewisser so schnel l  w i e  mö g l i c h  f ü r  b i l l i g e  W ä ­
Vorwurf nicht zu ersparen; aber man hätte auch an­ ret :  V  o r s o r g e z u t r e f f e n .
        
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