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Periodical volume 22. Dezember 1915

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1915

*15(5 Sitzung am 22. Dezember 1915
Meine Herren, das hat ein Doppeltes zur Folge: Stadtv. Wöllmer: Meine Herren! Nach den in 
ein Materielles und ein Moralisches. Das M  a t e - tevessanten und eingehenden Ausführungen des Herrn 
r i e l l  e liegt darin, daß die Intendantur des Feld­ Oberbürgermeisters in bezug auf die schwebenden 
heeres der größte Käufer auf dem Lebensmittelmarkt Fragen erübrigt sich ja eigentlich eine allgemeine Be­
ist, den w ir überhaupt haben. Erstens nimmt sie sprechung, die ja zu irgend welchen Beschlüssen dieser 
aus diesem Grunde einen großen Teil, einen sehr Versammlung nicht führen kann. Dennoch möchte 
ins Gewicht fallenden Prozentsatz von Lebensrnitteln ich mir erlauben, auch meinerseits auf die Ausfüh­
aller A rt aus dem inländischen Markt fort. Sehr rungen des Herrn Wilk einiges zu erwidern.
mit Recht; denn keiner von Ihnen wird wollen, daß 
unsere Braven draußen etwa schlecht ernährt werden Herr W ill hat mit Recht auf die Mißstände 
sollen. Dazu kommt noch etwas anderes. Die I n ­ hingewiesen, die vor den Butterläden herrschen. Auch 
tendantur des Feldheeres ist genötigt, häufig schnell der Herr Oberbürgermeister hat diese Zustünde be­
zuzugreifen und unter Umständen auch verhältnis­ dauert. Der Mangel an Ware als die eigentliche ID 
mäßig höhere Preise zu zahlen. Auch das wird nie­ sache dieser Ansammlungen der Käufer herrscht erst, 
mand tadeln; denn es handelt sich wirklich in erster seitdem die Höchstpreise für Butter festgesetzt sind. 
Linie darum, daß Lebensrnittel schnell und in erster Diese Zustände haben im wesentlichen ihre Ursache in 
Qualität besorgt werden. Aber daß auch dieses dem Rückgänge der Einfuhr aus dem Auslande. Der 
Moment auf unsern Inlandspreis, auf unsere ganze Herr Oberbürgermeister hat weiter ausgeführt, wir 
Wirtschaftspolitik im Jnlande einen Einfluß ausübt, dürften hoffen, daß in nächster Zeit größere Mengen 
wird kaum jemand bestreiten können. ausländischer Butter zugeführt werden, so daß dann 
Und nun kommt die mo r a l i s c h e  Seite, die auch eine ausgiebigere Versorgung der Bevölkerung 
vielleicht noch wichtiger ist. Dieses innige Ver­ wahrscheinlich ist.
stehen, von den: ich schon sprach, scheint m ir bisher Wenn nun von Herrn Wilk eine Butterkarte ge­
nicht überall in unser Volk eingedrungen zu sein. fordert wird, so ist es mir zweifelhaft, ob wir hier 
(Sehr richtig!) in dieser. Versammlung zu einem abschließenden Ur­teil über diese Frage kommen. So einfach, Ivie sich 
Daß unsere Kämpfer draußen natürlich alle Auf­ Herr Wilk die Einrichtung einer Butterkarte vorstellt, 
munterung aus dem Jnlande bei ihrem mir sehr ist es doch nicht; das wissen diejenigen Mitglieder 
wohl und aus über einjähriger Tätigkeit bekannten dieser Versammlung, die gleichzeitig Mitglieder der 
außerordentlich schweren Dienst im Kämpfen und Lebensmitteldeputation sind, und es ist ein Unrecht, 
im Standhalten nötig haben, bedarf keiner näheren wenn Herr Wilk dem Magistrat oder der Deputation 
Darlegung. Daß auf der andern Seite die Beun­ vorwerfen zu dürfen meint, daß in den letzten Wochen 
ruhigung, die hier im Jnlande herrscht, die in die in dieser Beziehung nichts getan sei. Mon kommt 
Zeitungen kommt und die, was das Schlimmste ist, nur bis jetzt zu keinem abschließenden Urteil, weil 
von den Frauen der Kriegsteilnehmer an ihre Män­ man doch nicht nttr die Butterkarte einführen w ill 
ner im Felde immer wieder berichtet wird, — die Einführung der Butterkarte wäre ja am Ende 
eine leichte Sache — , sondern weil ganz ungewiß ist, 
(Sehr richtig!) welche Wirkung die Einführung der Butterkarte 
haben und ob im wesentlichen dadurch etwas geändert 
nicht geeignet ist, die Widerstandskraft unsercrUapfe- wird. Ich teile die Ansicht des Herrn Oberbürger­
ren Kämpfer draußen zu steigern, liegt ebenfalls auf meisters, daß die Einführung der Butterkaue großen 
der Hand. Stils, der Reichsbuttcrkarte, wenn ich ihn recht ver­
(Sehr richtig!) standen habe, in ihren Wirkungen doch noch sehr 
zweifelhaft erscheint. Es könnte unter Umständen die 
Meine Herren, ich bin überzeugt, daß wir uns in Reichsbufterkarte eine große -vermindernde Wirkung 
dieser Beziehung noch etwas mehr Beschränkung auf­ auf die Produktion ausüben. Gegen die Einführung 
erlegen können, einer Sperrkarte ober, ivie sie Herr Wilk vielleicht 
(Sehr richtig!) auch wünscht, würde ich Persönlich nichts einwenden; 
aber ich muß zugeben, wie ich mich selbst habe heute 
und mit unserm Urteil über unsere wirtschaftlichen in der Deputationssitzung überzeugen lassen, daß sie 
Verhältnisse im Jnlande noch etwas zurückhaltender nur für Groß-Berlin möglich ist. Nur so könnte eine 
sein sollten, und daß jeder an seinem Teil zum Zwecke Sperrkarte eingeführt werden, aber nicht eine allge­
dieses innigen Verstehens zwischen draußen und meine Butterkarte wie die Brotkarte. Denn mit der 
drinnen dazu beitragen muß, daß die Verhältnisse hier Einführung einer derartigen Butterkarte würde der 
mindestens nicht 'übertrieben schwarz ' geschildert Magistrat wie für Brot gleichzeitig die Verpflich­
werden.
(Sehr richtig!) tung übernehmen, daß dem betreffenden Vorweiser der Karte auch die Butter bestimmt geliefert wird. 
Diese Verpflichtung kann nicht übernommen werden. 
Denn nur dann, meine Herren, wenn ein wirklich Es kann sich also meines Erachtens nur darum 
inniges Verstehen zwischen draußen und drinnen vor­ handeln, daß eine Sperrkarte für Groß-Berlin einge­
handen ist, werden wir, wie ich überzeugt bin, bis zu 
einem ehrenvollen Frieden durchhalten, der unserm fühlt wird, wodurch das, was den Herrn Kollegen 
Vatcrlande den Platz an der Sonne sichert, auf den Wilk so außerordentlich aufgeregt hat, verhindert 
es Anspruch hat. wird, nämlich daß die Käufer mehr Butter kaufen, als sie eigentlich im Interesse der Allgemeinheit 
(Lebhafter Beifall.) kaufen sollten.
(Ein von dem Stadtv. Dr. Borchardt gestellter Antrag Auch in bezug auf das Hamstern, das Herr 
auf Besprechung der Anfrage wird genügend unter­ Wilk erwähnte, gestatten Sie m ir noch einige Worte. 
stützt.) Er hat gemeint, daß sich eine Menge Leute — und
        
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